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Spurensuche nach Eilenburgs erster Sternwarte

Kastanienallee Spurensuche nach Eilenburgs erster Sternwarte

Vor 85 Jahren wurde die Eilenburger Sternwarte gegründet. Seit 52 Jahren steht sie am neuen Standort auf dem Mansberg. Aber was ist aus den Wurzeln geworden? Der Sohn des Sternwarten-Initiators, Edgar Otto jun. (94), geht gemeinsam mit dem heutigen Leiter der Einrichtung und dem neuen Eigentümer des Grundstücks auf Spurensuche.

Aus der „Station I“ ist eine Gartenlaube geworden. Peter Stapel, Edgar Otto junior und Markus Dubiel (von links) vergleichen die Bilder.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Der kleine achteckige Bau ist vom wilden Wein umrankt. Etwas Müll liegt im Inneren und auf der Mauer eine Plane als Notdach. War das, was da vor dem Haus steht, das die Eilenburger unter dem Namen Serumwerk kennen, einst eine Gartenlaube? Nein, hier nahe der Mulde wurzelt die Eilenburger Sternwarte. Diese steht mittlerweile schon seit halben Jahrhundert auf dem Mansberg, gehörte und gehört zur Bildungsbiografie von Zigtausenden in der Region und sie war in internationale Beobachtungsprogramme eingebunden.

Gebäude stehen unter Denkmalschutz

Die Wurzeln an der Kastanienallee sind nun 85 Jahre alt. Und Edgar Otto, später selbst Chef der Sternwarte, hat als Neunjähriger erlebt, wie das Observatorium in den Garten seiner Familie kam. Die lebte damals im Erdgeschoss des Wohnhauses. „Da ist ein mehrere Meter tiefer Betonkern in der Erde. Denn das Fernrohr musste erschütterungsfrei stehen“, erklärt er Markus Dubiel. Der 46-Jährige ist einer der Gesellschafter der Tauchaer Immobilienfirma RDW. Ihr gehört das Gelände, auf dem bereits der Vorbesitzer mit dem Umbau des größeren Wohnhauses begonnen hatte. Es sei nicht einfach gewesen, alle Genehmigungen zusammenzubekommen. „Das ist Außenbereich. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Wir wollten den Anschluss ans öffentliche Abwassernetz“, nennt er die Dinge, die zu klären waren. Im September/Oktober geht es weiter.

Das Observatorium im Garten hinter dem die Gleise der Werksbahn liegen

Das Observatorium im Garten hinter dem die Gleise der Werksbahn liegen.

Quelle: privat

Edgar Otto freut sich, dass die Reste des Gartenobservatoriums noch da sind. Aber was soll damit geschehen? Dubiel kann nichts versprechen. Aber es könnte der Geräteschuppen für die Mieter werden. Denn es sollen wieder Gärten entstehen. Edgar Otto ist zufrieden: „Schön, wenn es bleibt.“ Die Metallkuppel war schon vor 52 Jahren mit auf den Mansberg gezogen. Sie bedachte dort ein kleines Observatorium, das heute nicht mehr existiert, neben dem größeren.

Schon als Edgar Otto senior nach Eilenburg zog, um in der Verwaltung des Chemiewerks zu arbeiten, hatte er bei der Wohnungswahl im Blick, ob sich das Umfeld für die Installation einer solchen Sternen-Beobachtungs-Anlage eignet. „Auch mit dem Hintergedanken, dass daraus mehr werden könnte. Er hat immer, wenn Geld übrig war, neue Geräte beschafft“, erzählt der 94-jährige Junior. Denn der Vater war schon in Berlin Sekretär der Astronomie-Gesellschaft. Die Betriebswohnung des Eilenburger Chemiewerks eignete sich ideal. Und so stand später auch eine Beobachtungsplattform hinter dem einstigen Serum-Werk. Auch die will Otto jun. beim Treffen gern noch einmal sehen.

Auf dem Areal hat sich viel verändert

Er war lange nicht mehr hier. Es hat sich viel geändert. Die Bäume sind gewachsen, sie haben die Bezugspunkte im Umfeld entrückt. Früher waren Anlagen des Chemiewerkes in Sichtweite. Damals stand das Kraftwerk noch. Außerdem gab es die Gleise der Werksbahn, die die Braunkohle antransportierte. „Mein Vater hatte sogar die Genehmigung, das Licht der Anlage für wichtige Beobachtungen auszuschalten“, erzählt Otto. Und tatsächlich: Die Gartenlaube im Idyll des hinteren Bereichs des Geländes wird als die einstige Station I identifiziert. „Die Metallstiege war damals an der anderen Seite“, dreht und wendet er ein Foto. Darauf ist die Plattform – ein Mauergeviert mit Betonplatte – mit mehreren Beobachtungsgeräten und vielen Menschen darauf zu sehen. „Aber es gab auch noch eine Station II“, sagt der 94-Jährige. „Das war so eine Hütte auf Rädern. Da hatte man dann ein Dach über dem Kopf.“

Von Heike Liesaus

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