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Eilenburg Streik in Eilenburg: Wäscherei-Mitarbeiter kämpfen um ihren Job
Region Eilenburg Streik in Eilenburg: Wäscherei-Mitarbeiter kämpfen um ihren Job
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09:30 25.07.2018
Streik bei der Wäscherei und Textilpflege Wagner in Eilenburg. Chefin Cornelia Wagner (2.v.r.) kämpft für den Erhalt ihres Betriebes, die Mitarbeiter um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Quelle: Bärbel Schumann
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Eilenburg

Die Mitarbeiter der Eilenburger Wäscherei Wagner streiken. Deshalb blieb die Ladentür der Wäscherei und Textilpflege Wagner am Dienstag geschlossen. Ebenso die Filiale in Bad Düben und das Auslieferungsauto stand still. Sie wollen damit Inhaberin Cornelia Wagner bei ihrem Kampf um den Erhalt des Betriebes am Nordring / Ecke Kleine Mauerstraße unterstützen und zugleich um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpfen.

Angst um den Job

„Unser Recht auf Arbeit“ haben sie auf ein großes weißes Blatt geschrieben. Sie fürchten, wenn kein neuer Standort gefunden wird, dass sie nach dem Ende des vertraglichen Mietverhältnisses mit der Stadt Eilenburg Mitte 2020 arbeitslos werden. Denn die Kommune hat bekräftigt, den Gebäudekomplex wie schon seit Jahren im Rahmen der Innenstadtsanierung geplant, abzureißen und zu begrünen.

„Ich bin jetzt 61 und seit 25 Jahren bei Cornelia Wagner beschäftigt. Wo soll ich eine neue Arbeit finden?“, erklärt Gudrun Kühn. Angst, dann wieder ohne Beschäftigung dazustehen, hat Viola Meißner. Viele Jahre sei sie arbeitslos gewesen. Erst seit Oktober letzten Jahres hat sie in der Textilpflege eine Anstellung gefunden. „Ich habe keinen Beruf gelernt und bin auch schon 55, da ist es echt schwer, etwas zu bekommen. Jahrelang hatte ich das vergeblich versucht“, erklärt sie. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet Ina Günther in der Bad Dübener Filiale der Wäscherei Wagner. Auch die blieb am Dienstag geschlossen, denn in Eilenburg schloss sich die 48-jährige Schneiderin dem Streik ihrer Kollegen an.

Kunden und Passanten verärgert

Gemeinsam mit ihrer Chefin erlebten sie bereits in der ersten Stunde der Arbeitsniederlegung den Frust der Kunden über das geschlossene Geschäft mit. Privatpersonen wie auch Geschäftskunden waren auf der einen Seite verärgert und wütend, ihre Wäsche und anderen Dinge ohne vorherige Information nicht abholen oder bringen zu können. „Das ist echt nicht wahr. Womit sollen sich die Mitarbeiter die Hände abtrocknen? Soll ich neue Wäsche kaufen?“, erklärte ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte. „Ich habe meine eigene Meinung zu solchen Sachen. Hätte man das Häuschen nicht in den Grüngürtel integrieren können? Ich verstehe das nicht.“ Die meisten der Stadträte, die heute im Rathaus säßen, hätten damals etwas anders machen und an die Einwohner denken müssen.

Ein anderer Geschäftsinhaber war ebenso frustriert, als er sein Wäschepaket abholen wollte. „Parkplatz gegenüber, gut erreichbar, Innenstadtlage, bisher ein zuverlässiger Partner – das verstehe wer will, ich nicht“, so der stattliche Mann. Doch auch er, wie die meisten, die kamen und Verständnis für die Frauen zeigten, war nicht bereit, seinen Namen aus Angst vor Nachteilen zu nennen. Anders bei den Einwohnern und anderen Kunden. Heinz Höhnlein aus Eilenburg kam und machte den Streikenden Mut. „Die Stadt sollte sich was schämen. An uns Alte denkt kaum noch einer“, erklärte der 84-Jährige.

Wagner will Grundstück kaufen

Von der Unterschriftenaktion zum Erhalt der Textilpflege, die schon seit Wochen läuft, hatte Renate Schmidt aus der Goethestraße erfahren. Als sie am Morgen vorbei kam und die streikenden Mitarbeiter sah, unterschrieb sie sofort auf der ausliegenden Liste. Immer wieder bekam auch Inhaberin Cornelia Wagner Fragen von Kunden und Passanten gestellt. „Wie soll es weitergehen? Wollen sie immer noch das Grundstück kaufen?“, waren die am meisten gestellten. die Geschäftsinhaberin hatte sogar ein Schreiben der sie vertretenden Rechtsanwaltskanzlei vom Frühjahr an die Stadt Eilenburg dabei. Da stand schwarz auf weiß zu lesen, dass Cornelia Wagner nach wie vor ihren Kaufantrag bei der Stadt für das Anwesen aufrecht erhält. Sie will an der Kleinen Mauerstraße nicht weg und noch nicht aufgeben.

Rathaus bleibt hart

Im Rathaus reagiert man verhalten, auch mit Blick auf die Entscheidung des Stadtrates. Der hatte OBM Ralf Scheler (parteilos) beauftragt, den 2016 gefassten Beschluss, der die Beendigung des Mietverhältnisses spätestens zum 30. Juni 2020 vorsieht, umzusetzen – vor dem Hintergrund, dass bei Nicht-Umsetzung des Grüngürtels Fördermittel zurückzuzahlen sind. Deshalb stehe, so Heiko Leihe, Leiter des OBM-Bereiches, die Kaufoption nicht. Die Erbengemeinschaft habe in den 1990er-Jahren das zum Sanierungsgebiet Altstadtkern gehörende Grundstück an die Stadt verkauft. „Frau Wagner hat seit Mitte der 90er-Jahre Kenntnis von den Plänen, was mit dem Areal passieren soll. Sie hätte damals ihre Konsequenzen ziehen müssen. Sie ist Mieterin und muss natürlich auch damit rechnen, gekündigt zu werden.“ Wenn es nicht immer wieder Kompromisse gegeben hätte, wäre der Rückbau so wie bei anderen Gebäuden längst erfolgt.

So geht es jetzt weiter

Der ehrenamtliche erste Stellvertretende Oberbürgermeister Jürgen Prochnow (Die Linke), so informierte Cornelia Wagner, sei am Dienstagvormittag bei ihr gewesen. Es habe ein längeres Gespräch gegeben.

Trotz Sommerhitze harrten die streikenden Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit vor der Wäscherei bis zum Feierabend aus. Am Mittwoch wollen sie ihren Streik fortsetzen.

Von Bärbel Schumann und Kathrin Kabelitz

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