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Eilenburg Streit um Pfarrer: Superintendent sieht keine Annäherung
Region Eilenburg Streit um Pfarrer: Superintendent sieht keine Annäherung
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13:54 19.05.2015
Superintendent Mathias Imbusch Quelle: Andreas Bechert

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wurde angesetzt. Nach der stand allerdings fest: So ohne Weiteres kann der Pfarrer nicht versetzt werden. Zur Problematik äußert sich jetzt der Superintendent des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch, Mathias Imbusch (54).

Wie  beurteilen Sie die Situation in der Rinckart-Gemeinde ?  

Wichtig ist mir zu betonen, dass hier keiner Seite Verfehlungen vorzuwerfen sind. Man denkt ja bei Zerwürfnissen gern daran, dass irgendjemand Schuld hätte. In Eilenburg gibt es nach meinem Dafürhalten keine Schuld, die man irgendwie verteilen könnte. Die gegenseitigen Erwartungen sind aber so grundverschieden, dass ich eine mögliche Annäherung aneinander nicht sehen kann.

Warum können  sich Gemeinde  und  Pfarrer  nicht so ohne Weiteres  trennen, wenn  doch alle Beteiligten der Meinung sind, dass es keinen Konsens bezüglich der Führung dieses Amtes gibt?

Eine fünfjährige Bindungsfrist besteht nicht ohne Grund. Damit soll vermieden werden, dass sich ein Pfarrer und ein Gemeindekirchenrat vorschnell voneinander trennen und schon bei den kleinsten Schwierigkeiten Abstand voneinander nehmen. Sie sind vielmehr aneinander gewiesen, und keiner kann allein seine Aufgabe erfüllen. Dass Pfarrer Winde sich mit Genehmigung der Landeskirche nun auf eine andere Stelle bewerben wird, kann in der jetzigen Situation aber auch eine Zukunftsperspektive eröffnen.

Werden  aber anderswo nicht ähnliche Differenzen zu erwarten sein?   

Es gibt  Kirchengemeinden, die genau  die Eigenschaften  wünschen,  die hier in Eilenburg bemängelt wurden. Und auch für die Rinckart-Gemeinde gibt es Pfarrerinnen und Pfarrer, die hierher passen würden. Zu einer möglichen Bewerbungssituation kann ich jetzt wenig sagen, weil zu viele Komponenten eine Rolle spielen: Wo will ich hin? Was erwartet die Gemeinde? Was erwarte ich selber? Welche Gaben kann ich einbringen? Und so weiter. Die EKM (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, Anm. d. Red.) betreibt eine weitsichtige Personalpolitik, sodass es auch für junge Leute unter dem Vorzeichen des demografischen Wandels attraktiv bleibt, hier als Pfarrerin oder Pfarrer zu arbeiten.

Ist die Gemeinde Eilenburg in dieser Situation die Ausnahme?

Es kommt schon vor, dass solche Auseinandersetzungen stattfinden. Auch das gehört zum kirchlichen Leben. Es sind Situationen, die durchlebt und bewältigt werden müssen. Mir ist um die Rinckart-Gemeinde nicht bange. Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen zeigen ja, dass hier Menschen mit Herz und Verstand für ihre Kirche und für ihren Glauben einstehen.

Wie geht es jetzt weiter?  

Dass die Situation für alle Beteiligten nicht einfach ist, ist deutlich. Eine Gemeindeberatung, wie sie in der Gemeindeversammlung mehrheitlich befürwortet wurde, ist eine gute Sache und kann helfen, dass die Kirchengemeinde ihr Profil schärft und Wege sucht, wie es weitergehen wird. In einer Gemeindeberatung werden Stärken und Schwächen analysiert und es wird nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Das ist ein offener Prozess. Er lohnt sich, weil ja auch perspektivisch hier in Eilenburg einiges zu bedenken ist.

Was wäre das? 

Die Rinckart-Gemeinde hat zum Beispiel zwei bedeutende Kirchen: die Nikolaikirche am Markt und die Marienkirche an der Burg. Wie sollen beide künftig genutzt werden? Welche kirchlichen Schwerpunkte soll es inhaltlich in Eilenburg geben?  Das sind nur einige offene Fragen. Die Antworten müssen hier vor Ort gefunden werden. Dazu werden Herz und Verstand von allen gebraucht, denen ihre Kirche - nicht nur als Gebäude - am Herzen liegt.

Interview: Heike Liesaus

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.12.2014
Heike Liesaus

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