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Eilenburg Wäscherei Wagner in Eilenburg: 2020 ist Schluss
Region Eilenburg Wäscherei Wagner in Eilenburg: 2020 ist Schluss
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00:22 22.07.2018
Die Wäscherei und Textilpflege von Cornelia Wagner soll abgerissen werden. Endgültiger Termin, bis der Mietvertrag endet, ist der 30.Juni 2020. Quelle: Bärbel Schumann
Eilenburg

Es ist ein Kommen und Gehen an diesem Nachmittag in der Wäscherei und Textilpflege von Cornelia Wagner, die an die Kleine Mauerstraße grenzt. Vor 25 Jahren begann sie hier mit ihrem Dienstleistungsangebot. Inzwischen beschäftigt die 63-Jährige sechs Mitarbeiter, zählt nach ihren Aussagen rund 60 Firmen, Praxen und Geschäftsinhaber nicht nur aus Eilenburg zu ihrem Kundenstamm; in Bad Düben gibt es eine Zweigstelle. Eine Wende-Erfolgsgeschichte, die in Zukunft durch einen Nachfolger aus der Familie fortgesetzt werden könnte, wäre da nicht der Standort- und Grundstücksstreit mit der Stadt Eilenburg.

2000 Unterschriften für Erhalt

Cornelia Wagner bereitet das seit Jahren schlaflose Nächte, füllt unzählige Aktenordner, beschäftigt Rechtsanwälte und bewegt Kunden. Die haben inzwischen fast 2000 Unterschriften für den Erhalt des zentrumsnahen und gut erreichbaren Geschäftes am Nordring gesammelt. Denn: Ehemals in privater Hand, erwarb die Stadt Eilenburg das Grundstück mit dem Gebäudekomplex nach einstimmigen Stadtratsbeschluss von einer Erbengemeinschaft in den 1990er-Jahren. Sie machte damit von ihrem Vorkaufsrecht zum Wohle der Allgemeinheit Gebrauch, denn das Areal gehört seit 1992 zum Sanierungsgebiet Altstadtkern.

Im Bereich des Nordrings bis zur Kleinen Mauerstraße wurden vor Jahren bereits Gebäude und Gärten abgerissen, die Straße grundhaft ausgebaut und ein Grüngürtel angelegt. Fördermittel kamen hier zum Einsatz. Kaufinteresse am Grundstück hatte auch Cornelia Wagner bei der Erbengemeinschaft bekundet, um ihr Gewerbe weiter an diesem Standort fortzuführen. Zudem hatte sie bereits seit der Geschäftseröffnung und in den Folgejahren eine beträchtliche Summe nicht nur in die technische Ausrüstung, sondern auch in die Räume investiert.

Neuer Standort wäre mit Auflagen

Bei der Umsetzung des Stadtsanierungskonzeptes konnte nur das Grundstück mit der Wäscherei und Textilreinigung nicht wie geplant einbezogen werden, weil die Kommune bisher immer wieder den Mietvertrag verlängerte, um gemeinsam mit Cornelia Wagner einen neuen Standort für deren Unternehmen zu suchen und zu finden.

Im Laufe dieser Zeit, so Wagner, sei sogar noch unter OBM Wacker der Verkauf des Anwesens an sie in Betracht gezogen worden. Auch 2016, so Wagner, habe es ein Kaufangebot gegeben, dass sie bejaht hätte. Das Angebot der Stadt, ein neues Objekt für den Handwerksbetrieb zu finden, schlug ebenso fehl. Gründe: Die Wäscherei müsste Auflagen und neu geltende gesetzliche Bestimmungen wie beispielsweise keine Nähe zu Wohnbebauungen oder Umweltauflagen erfüllen. Das Dienstleistungsunternehmen besitzt an seinem jetzigen Standort Bestandsschutz. Bei einem Umzug wäre der hinfällig.

„Haben als Stadt Frau Wagner hinreichend die Hand gereicht“

„Wir haben als Stadt Frau Wagner hinreichend die Hand gereicht, um eine Lösung zu finden“, sagt Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos). Zudem habe man den Mietvertrag so verlängert, dass die Geschäftsinhaberin keine Probleme habe, in den Ruhestand zu gehen. Doch mit 60, wie angenommen, ist das Cornelia Wagner nicht möglich. Auch nicht, weil sie die Nachfolge geregelt haben will. Sie sei dabei nicht untätig gewesen, habe ein Konzept erarbeiten lassen, Geld ausgegeben, sei vorstellig geworden bei der Handwerkskammer. „Unser Oberbürgermeister hat mir und meinen Mitarbeitern erklärt, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze am Standort Nordring 14 einzusetzen. Heißt das jetzt einen Betrieb zunichte machen, Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit schicken und Kunden weite Wege zuzumuten?“, fragt sich Cornelia Wagner.

Fest steht, dass die Stadt von ihrer Position nicht abweichen will, sicher auch aus förderechtlicher Sicht. In geschlossener Sitzung hatten die Stadträte zur jüngsten Tagung Ralf Scheler und der Verwaltung den Rücken gestärkt und dem Oberbürgermeister die Angelegenheit übertragen, er solle das Vertragsverhältnis managen. Das heißt, den bereits 2016 gefassten Beschluss, der die Beendigung des Mietverhältnisses spätestens zum 30. Juni 2020 vorsieht, umzusetzen.

Die Fronten beider Seiten sind verhärtet. Ob Fehler, egal von wem, gemacht wurden, ist offen. Anwälte beschäftigen sich zudem mit der Angelegenheit.

Von Bärbel Schumann

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