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Eilenburg Summ, summ, ausgesummt: Eilenburger Imker verlieren Bienenvölker
Region Eilenburg Summ, summ, ausgesummt: Eilenburger Imker verlieren Bienenvölker
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13:58 19.05.2015
Dietmar Thiel an einem seiner Bienenvölker. Insgesamt acht Bienenvölker hat der Hobbyimker in diesem Winter verloren. Quelle: Steffen Brost

Mit der Varroamilbe, dem größten Feind der Honigbiene, haben die Imker den Übeltäter für das Insektensterben längst ausgemacht. Im Winter hat sie den Bienen besonders zugesetzt. Dem kann aber Dietmar Thiel, seines Zeichens Vorsitzender des Imkervereins Eilenburg, nur teilweise zustimmen. "Die Varroamilbe ist nur begrenzt Schuld am Bienensterben. Denn immer noch ist und bleibt der Mensch der größte Feind und der größte Freund der Bienen. Ob und wie viele Völker jedes Jahr sterben, hängt nicht nur vom Parasitenbefall ab, sondern dafür sind auch Jahreszeiten, Umwelt und wie gesagt der Mensch verantwortlich", so Thiel, der seit drei Jahren an der Spitze des Eilenburger Vereins steht. Dieser zählt aktuell 45 Mitglieder und wurde 1897 gegründet.

Die Varroamilbe ist ein 1,1 mal 1,6 Millimeter großer Parasit, der in die Bienenwabe eindringt, sich an den Larven festbeißt und ihnen das Blut aussaugt. Die Milbe überträgt dabei nicht nur Viren und Krankheiten, sondern schwächt die Bienen auch direkt. Die befallenen Jungtiere sind kleiner und sterben meistens kurz nach dem Schlüpfen. In einem normalen Winter würden bis zu 15 Prozent der Tiere sterben, durch das warme Wetter diesmal aber konnte sich die Varroamilbe besser vermehren.

Thiel, der in Eilenburg-Ost lebt, hat zur Zeit fünf Völker in seinem Garten. In einem leben bis zu 80 000 Bienen. Acht Völker hat er im Winter verloren. Schuld habe er dabei auch selbst, erzählt er. "Der Imker hat immer mit Verantwortung. Es ist zwar richtig, dass die Milbe großen Schaden anrichten kann, aber ein milder Winter allein ist dafür nicht ausschlaggebend. Man muss jedes Jahr auch Vorsorge betreiben. Dabei gehört zum Beispiel bei der chemischen Behandlung der Völker großes Fingerspitzengefühl", weiß der Experte.

Auch viele seiner Imkerkollegen müssen derzeit mit herben Rückschlägen zurechtkommen. Trotzdem lassen sich die Vereinsmitglieder um Dietmar Thiel nicht verunsichern. Sie wollen bis zum nächsten Jahr neue Völker aufbauen. "Die kann man beispielsweise selber züchten, wenn man etwas Geduld mitbringt. Diejenigen, die es etwas eiliger haben, kaufen Völker dazu. Die schlagen bis zu 120 Euro pro Volk zu Buche", so Thiel weiter.

Neben der Varroamilbe ist aber auch die Ernährungssituation der Bienen auf dem Land ein Dauer-Problem. Die angebauten Pflanzen wie Mais oder Getreide sind wenig abwechslungsreich und oft für Bienen ungeeignet. Diese brauchen Blüten und Nektar, und davon gibt es in ländlichen Regionen immer weniger. Wegen der hohen Winterverluste erwartet der deutsche Imkerverbund bereits eine schlechte Frühjahrsernte in ganz Deutschland. Aber das Bienensterben hat nicht nur Folgen für die Honigproduktion, sondern auch für Obst- oder Rapsernten. Ein großer Teil der Nahrungsmittelproduktion ist letztendlich auf Bestäubung durch Bienen angewiesen.

Die Eilenburger Imker haben sich jedenfalls auf die derzeitige Situation eingestellt. "Wir haben noch einige Völker, mit denen wir ab Mitte Mai sicherlich guten Honig ernten werden. Die meisten machen das ja ohnehin nur im Hobbybereich und versorgen Familie, Freunde und Nachbarn. Bis zum nächsten Jahr werden wir die Völkeranzahl wieder deutlich erhöht haben", hofft Thiel.

In Sachsen gibt es derzeit so viele Imker und Bienen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Laut Landwirtschaftsministerium wurden im vergangenen Jahr insgesamt 44 379 Bienenvölker gezählt. Das sind zwölf Prozent mehr als 2013. Um neue Imker zu locken, zahlt Sachsen einen Zuschuss von 100 Euro pro Bienenvolk - höchstens allerdings 500 Euro. Die Zahl der Bienenhalter stieg im Vorjahr um mehr als zehn Prozent auf 5128 Imker.

www.imkerverein-eilenburg.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.04.2015
Von Steffen Brost

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