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Superintendent Imbusch: Halbe Pfarrstellen für Eilenburg und Düben sind nicht attraktiv

Interview Superintendent Imbusch: Halbe Pfarrstellen für Eilenburg und Düben sind nicht attraktiv

Der Kirchenkreis schrumpft. Immer weniger Kirchenmitglieder bedeutet weniger Pfarrstellen und Zusammenlegungen von Kirchspielen. Seit die Pläne bekannt sind, werden sie in den Gemeinden heftig diskutiert. Superintendent Mathias Imbusch (57) spricht jetzt über die Stellenstreichungen und Veränderungen, die derzeit besonders die Eilenburger Region betreffen.

Mathias Imbusch ist Superintendent im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch.

Quelle: Andreas Bechert

Eilenburg/Bad Düben. Pfarrer gehen, Pfarrer fehlen, Pfarrbereiche werden zusammengelegt. Der Stellenplan im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch, einhergehend mit Personalkürzungen, wird von vielen Kirchenmitgliedern kritisch gesehen. Superintendent Mathias Imbusch (57) erzählt im Interview, wie es mit den unbesetzten Pfarrstellen weitergeht.

Herr Imbusch, in den Kirchgemeinden herrscht große Unzufriedenheit. Kommt die bei Ihnen an?

Ja, natürlich. Diese Unzufriedenheit kommt ein bisschen daher, weil in unseren Gemeinden oft noch nicht realisiert wird, dass eine Kirche nicht nur aus Pfarrern besteht. Theologisch und von unserem Selbstverständnis her sind Pfarrer nötig, unbedingt, da gibt es keinen Zweifel. Aber es ist keine Kirche, die nur aus Pfarrern und anderen Mitarbeitern besteht. Kirche funktioniert zuerst im Miteinander von Schwestern und Brüdern. Und dafür gibt es viele Beispiele. In Süptitz gibt es jetzt sogar Gruppen, die Gottesdienste gestalten. Diese sehen natürlich anders aus als ein liturgischer Gottesdienst, wie wir ihn kennen, aber die sind sehr lebensnah, sehr lebendig.

Wie äußert sich die Unzufriedenheit?

Oft kommt der Vergleich mit einer vermeintlich glorreichen Vergangenheit. Manche meinen, früher war alles besser, da wohnte der Pfarrer bei uns, wir haben ihn am Gartenzaun getroffen. Das ist aber ein Traumbild. Klar hatten wir mehr Mitarbeiter, und wenn man guckt, wo überall Pfarrhäuser stehen, da haben auch mal Pfarrer gewohnt. Aber seit 60, 70 Jahren werden unsere Gemeindeglieder weniger und demzufolge auch die Zahl der Mitarbeiter. Andererseits: Der Pfarrbereich von Matthias Taatz in Schenkenberg oder der in Zschortau von Daniel Senf – das sind schon jeweils zwei große Bereiche und da höre ich kaum Klagen. Die Menschen dort haben die Veränderungen, die schon viel früher begonnen haben, mutig angenommen und versuchen sie zu gestalten. Es wäre im Übrigen ein falscher Eindruck, wenn man nur Unzufriedenheit wahrnehmen wollte. Es geht uns insgesamt gut, wir waren noch nie so reich wie heute, unsere Gebäude waren noch nie in einem so guten Zustand wie jetzt, wir können evangelisch sein mit Freude und Lust und niemand hindert uns daran. Warum wir das alles so leicht übersehen, kann ich mir nicht recht erklären.

Wie erklären Sie den Leuten die Veränderungen?

Wir haben das Ziel, dass es – wie bisher – keine weißen Flecken im Kirchenkreis gibt. Das bedeutet, dass es für jede Gemeinde immer einen zuständigen Pfarrer geben wird. Wir erleben derzeit das, was die meisten Organisationen, Vereine, Parteien usw. auch erleben: Wir verlieren Mitglieder, insbesondere durch die demografische Entwicklung. Und dazu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der die Bindungsangst stark ist. Ich erlebe, dass sich Menschen für ihr Kirchengebäude engagieren, zum Beispiel in Kirchenfördervereinen, oder mit Unterschriften für den Verbleib „ihres“ Pfarrers im Dorf, aber eine lebenslange Bindung an die Kirche wollen sie nicht.

Pfarrer kehren inzwischen freiwillig der Region den Rücken. Mit dem Schildauer Pfarrerehepaar fing das an, Dommitzsch, Süptitz, Eilenburg, Bad Düben folgten und jüngstes Beispiel ist Pfarrerin Preisler in Audenhain. Hat das nicht ein verheerende Signalwirkung?

Keiner von den Pfarrern, außer jetzt Frau Preisler, hat den Weggang mit dem Stellenplan begründet. Das erscheint vielleicht so, weil es zeitlich zusammenhängt. Bei den anderen Pfarrern gab es andere Gründe. Außerdem ist es ganz normal, dass Pfarrer hin und wieder ihre Stelle wechseln. Nach vielen Jahren an einem Ort ist das oft auch sinnvoll. Aber für uns hier ist es in der Tat schwierig, die vielen Vakanzen zu verkraften.

Können Sie Frau Preislers Beweggrund nachvollziehen?

Ja, kann ich. Ich habe auch im Vorfeld mit ihr gesprochen. Es gibt den Synodenbeschluss, spätestens 2022 Audenhain zu Schildau zu nehmen. Bis dahin wäre also noch Luft gewesen. Dass sie sich jetzt nach 18 Jahren eine neue Herausforderung gesucht hat, kann ich gut verstehen und dass sie eine neue Stelle in ihrem heimatlichen Kontext gefunden hat, ist für sie vielleicht auch ganz schön (Audenhains Pfarrerin Dorothea Preisler wird zum 1. September Gemeindepfarrerin in Berlin-Lankwitz. Sie stammt ursprünglich aus Berlin. Anm. d. Red.).

Eilenburg und Bad Düben sind derzeit ohne festen Pfarrer, Dommitzsch und Süptitz ebenso, bald wird es Audenhain sein und Authausen ist in der Schwebe.

In Authausen haben wir zwei Jahre Luft, bis die Veränderungen greifen. Bad Düben und Eilenburg werden jetzt ausgeschrieben mit zwei halben Stellen, was ich nicht besonders glücklich finde. Dommitzsch/Süptitz ist bereits als eine Stelle zusammengefasst, die hatten wir ausgeschrieben, es gab aber keinen Bewerber, wir können sie jetzt nochmal ausschreiben. Und wenn das keinen Erfolg hat, versuchen wir eine Entsendung dorthin zu bekommen. In Audenhain wird es erstmal eine Vakanz geben.

Sehen Sie für Bad Düben und Eilenburg überhaupt eine Chance, Pfarrer zu finden?

Kaum. Ich halte so eine halbe Stelle nicht für attraktiv.

In Bad Düben gibt es viel Bewegung mit der evangelischen Schule. Da ist ja auch Potenzial da, neue Kirchenmitglieder zu finden.

Auf jeden Fall. Das ist so ein Punkt, wo wir in Zukunft verstärkt agieren müssen, zum Beispiel in Schulen und Kindergärten, zusammen mit der Diakonie.  Wenn es uns gelingen würde, die Schule in Bad Düben als eine Schulgemeinde zu etablieren, in der es zum Beispiel erprobungsweise eine gestufte Mitgliedschaft ohne Taufe oder eine Mitgliedschaft auf Zeit gibt, könnte man auch versuchen, eine Personalstelle zu schaffen. Aber nicht die Schule einfach nur als Mittel zum Zweck nehmen, um einen Pfarrer zu bekommen. Das funktioniert nicht.

Hat der Stellenplan das Ziel schon erreicht?

Wir liegen im Soll. Unsere Zahlen und unsere Prognosen stimmen leider. Wir verlieren pro Jahr im Schnitt 2,3 Prozent der Gemeindeglieder, das sind ungefähr 500 Menschen. Insofern ist es gut, dass wir den Stellenplan beschlossen haben, weil er einen Rahmen mit sicheren Stellen bietet.

Wünschten Sie sich manchmal Superintendent in einem Kirchenkreis zu sein, der nicht Pfarrstellen und Personal einsparen und Kirchspiele zusammenlegen muss?

Noch nie. Unser Kirchenkreis ist lebendig, hier gibt es viele Menschen, die für ihre Kirche eintreten. Mein Beruf bringt zwar viel Stress mit sich und man ist nicht immer der Liebling von allen, aber der Beruf kommt aus dem Pfarramt und Pfarrer zu sein, ist sowieso der schönste Beruf.

Von Nico Fliegner

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