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Tafeln erinnern an das Leid von Eilenburger Heimkindern

Einweihung Tafeln erinnern an das Leid von Eilenburger Heimkindern

Sonja Sprößig, und nicht nur sie, ist sichtlich bewegt, als ihr Lied "Sind so kleine Hände" verklungen ist. Was der jungen Frau, die im Gospelchor der Schlosskirche zu Wittenberg singt, durch den Kopf geht, als sie den bekannten Titel der Liedermacherin Bettina Wegner aus dem Jahr 1976 interpretiert, weiß wohl nur sie, die Heimerziehung in DDR-Manier über sich ergehen lassen musste.

Ehemalige Heimkinder fotografieren die neue Erinnerungstafel am ehemaligen Schneller-Heim in Eilenburg.

Quelle: Karin Rieck

Eilenburg. Für den Gast aus der Elbe-Elster-Region und andere Mitglieder der Betroffeneninitiative "Missbrauch in DDR-Heimen" sowie Unterstützer von regionaler und Bundespolitik, der sächsischen Stasi-Unterlagen-Behörde, des Justizministeriums und des St. Martin Hilfeverbundes ist der Freitagnachmittag ein besonderer an der Rödgener Landstraße in Eilenburg. Der Träger der heutigen Heimeinrichtung hat am ehemaligen Pförtnerhaus des Gebäudekomplexes Platz für zwei Informations- und Erinnerungstafeln geschaffen, die im kleineren Rahmen über die Epochen der Heimhistorie an diesem Ort seit 1928 informieren und an die Opfer repressiver Heimerziehung erinnern. "Vielleicht sind eines Tages auch die Mittel da, um in diesem Gebäude eine Ausstellung mit mehr Material zu etablieren", wünscht sich Corinna Thalheim von der Torgauer Initiativgruppe bei der Enthüllungszeremonie.

Es sind Matthias Moos, der zwei Jahre, von 1986 bis 1988, das Eilenburger Heim erlebte und heute in Altenburg wohnt. Ebenso Silke Kuhn aus Sommerschenburg bei Marienborn, von 1979 bis 1984 im Eilenburger Heim, die die weißen Tücher von den Tafeln entfernen. Das Heim hatte rund 180 Plätze. Im angeschlossenen Jugendwerkhof (rund 60 Plätze) wurden Insassen auch militärisch gedrillt und ihnen jegliches selbstbestimmte Leben genommen.

Seit einigen Jahren klärt in der Region vor allem der Torgauer Verein über Erziehungsmethoden in DDR-Heimen auf, will nunmehr auch das Geschehen im ehemaligen Eilenburger Ernst-Schneller-Kinderheim vor dem Vergessen bewahren.

Die Ehrengäste der Tafel-Einweihungszeremonie Marian Wendt (CDU), nordsächsisches Bundestagsmitglied, Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos), Kreis-Sozialderzernent Günter Sirrenberg und Caritas-Geschäftsführer Marcus Waselewski würdigen das Engagement, ein nur wenig bekanntes, dunkles Kapitel ideologisch geprägter Erziehung aufzuarbeiten und von Vorurteilen zu befreien. Was wiederum auch Anlass ist, einen Blick in die Zukunft zu richten. So wird bei musikalischen Grüßen heutiger Eilenburger Heimkinder unter Obhut der Caritas mit kleinen Geschenken und bei Kaffee und Kuchen in der frisch renovierten Aula der Grundschule eine Patenschaft mit der Betroffeneninitiative begründet. Gemeinsam mit den Erziehern, so Thalheim, sollen noch Pläne geschmiedet werden, wie verschiedene Aktivitäten den Heimalltag bereichern können.

Karin Rieck

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