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Eilenburg Tagesmütter kämpfen für mehr Geld
Region Eilenburg Tagesmütter kämpfen für mehr Geld
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00:26 13.03.2018
Sarah Zobris (rechts) und Ina Rochner-Wolf sind als Tagesmütter in Eilenburg tätig. Quelle: Heike Liesaus
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Eilenburg

Seit zwei Jahren ist es in der Diskussion: mehr Geld für die Eilenburger Tagesmütter. Nun sollte die Erhöhung der „Entgelte für die Tagespflegeleistungen im Stadtrat“ beschlossen werden, sollten pro Kind in der Neun-Stunden-Betreuung 545 Euro statt bisher 485 Euro gezahlt werden. Aber die Sache ist vertagt. Es wird noch einmal beraten. „60 Euro mehr für die Neun-Stunden-Betreuung eines Kindes ist nicht das, was wir wollen“, erklären Sarah Zobris und Ina Rochner-Wolff. Sie sind für weitere Verhandlungen. Und sie sehen sich damit im Gleichklang zu den weiteren sechs Tagesmüttern in der Stadt. „Das empfinden wir alle so“, bestätigt Marion Knorr. Sie ist Tagesmutter der ersten Stunde in der Muldestadt und lässt durchblicken, dass die Stimmung wegen der Frage der Entgelte derzeit weit im Keller ist. Da hat sich scheinbar einiges angestaut. Die acht Frauen fühlen sich ausgenutzt und hingehalten.

Weit entfernt von Gerechtigkeit

Insgesamt können sie 40 Kleinkinder betreuen. Ohne sie wäre der Betreuungs-Engpass, der längst auch Eilenburg erfasst hat, in der Stadt noch gravierender. So wurde in den vergangenen Jahren immer wieder dafür geworben, weitere Tagespflegestellen einzurichten.

„Im Vergleich mit Delitzsch und Krostitz sind wir noch weit von finanzieller Gerechtigkeit entfernt“, setzte Max Seehaus (Freies Bündnis) im Stadtrat die Diskussion um die weitere Erhöhungen in Gang. Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) wollte die vorgeschlagenen Entgeltsätze mit Blick auf den gerade abgesegneten und mit erheblichem Aufwand ausgeglichenen Haushaltsplan lieber sofort beschließen: „Im Juli kann dann nachverhandelt werden.“ Doch die Mehrheit der Stadträte wollte lieber gleich Nägel mit Köpfen machen.

Ein Lichtblick

„Wir sind froh, dass einige der Stadträte hinter uns stehen und unsere Ansicht teilen. Das ist ein Lichtblick“, sagt Sarah Zobris. Alle Plätze in ihrer „Zwergenkoje“ sind ausgebucht. Und ähnlich sieht es bei den anderen Tagesmüttern in der Stadt aus. Nachdem sie 2016 ihren Antrag auf die Entgelterhöhung stellten, seien sie immer wieder um Geduld gebeten worden, in anderen Kommunen hatte sich zwischenzeitlich etwas getan, und es sei damit zu rechnen, dass die verbleibenden nachziehen müssen. „Es geht uns nicht in erster Linie darum, mehr zu verdienen, sondern um mehr Sicherheit“, stellt Ina Rochner-Wolff klar, die vor rund zehn Jahren ihre „Sonnenblümchen“-Mini-Kita eröffnete. Auch wenn die Stadt die Hälfte von Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung übernimmt, für Krankentagegeld, das heißt: für den Ausfall der Einkünfte konnte sich Ina Rochner-Wolff zum Beispiel nicht versichern. Denn nach Abzug aller Kosten bleibt am Ende des Monats zu wenig übrig. „So geringe Verdienste werden nicht versichert, wurde mir gesagt.“ Dabei bleibt es in den Mini-Kitas nicht beim Acht-Stunden-Tag. Einige Kinder kommen morgens zeitig, andere bleiben länger, es gibt Vor- und Nachbereitungen. Faktisch werden die Tagesmütter unter dem Mindestlohn bezahlt. Die Beiträge der Eltern sind übrigens überall gleich, egal, ob sie ihre Kinder in die größeren Kitas oder zu den Tagesmüttern bringen.

Golda Aust holt ihre Tochter Clara gerade im „Sonnenblümchen“ ab. Sie hat sich bewusst für diese Betreuung entschieden. „Ich finde das für kleine Kinder besser“, erzählt die 35-jährige Heilerziehungspflegerin. „Es ist voll legitim, dass sie mehr Geld fordern.“

Von Heike Liesaus

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