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Eilenburg Tauercafé Weltewitz: Keine Angst vorm Lachen und Weinen
Region Eilenburg Tauercafé Weltewitz: Keine Angst vorm Lachen und Weinen
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11:00 15.07.2017
Keine Angst vor Lachen und vor Weinen: Bettina Armonies und Maria Schlothmann-Tübing (rechts) haben den Tisch liebevoll gedeckt und laden zum Trauercafé ein. Quelle: Heike Liesaus
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Weltewitz

Der Tisch ist gedeckt: Kaffee, Tee und Kuchen stehen bereit. Die Deko passt zum Sommer, der von draußen durchs Fenster des romantischen Weltewitzer Pfarrhauses schimmert: ein grünes Tuch, Äste, Rindenstücke. Und die Teelichter, die nun angezündet werden, sitzen auf Sand in einer Metallschale. Es ist eine Einladung zum Kaffee-Treff besonderer Art, die Bettina Armonies und Maria Schlothmann-Tübing aussprechen: Seit März ist in diesem Raum jeden letzten Mittwoch das Trauercafé angesagt. „Wir wollten einfach wieder etwas machen“, erklären die 57-und die 52-Jährige, die als Hausfrau und in der Physiotherapie tätig sind, warum sie hier die Gastgeberrolle übernahmen. Die beiden haben die Ausbildung zur Tauerbegleiterin für Kinder und Erwachsene, waren Gründungsmitglieder im ambulanten Hospizdienst, in dem sie lange mitgearbeitet hatten. „Wir kennen uns auch schon lange vorher durch die katholische Gemeinde, hatten dann angefragt, ob wir so etwas hier im Weltewitzer Gemeindehaus machen können. Und Superintendent Imbusch fand die Idee richtig gut.“

Ein Café, das hilft

Seit März wird also einmal im Monat zu diesem Anlass Kaffee gekocht und extra Kuchen gebacken, haben sich schon einige Besucher, die sich ja nicht anmelden müssen, eingefunden. Aber noch hat sich das Angebot nicht herumgesprochen, vielleicht ist auch eine Hemmschwelle da. Doch die Erfahrungen, die Bettina Armonies und Maria Schlothmann-Tübing beim Treff in Eilenburg sammeln konnten, zeigen: So ein Café hilft. „Ein größerer Kreis wäre jedenfalls schön. Das macht mehr Lust und Laune.“

Derartige Begriffe in Verbindung mit Trauer? „Es gehört dazu. Hier darf auch gelacht werden. Und eben auch geweint“, beschreiben es die Organisatorinnen. Seinen Gefühlen in dieser Richtung den Lauf zu lassen, ist im Alltag oft nicht möglich. Da weiß die Umgebung nicht immer um den Verlust oder manchmal will die Verwandtschaft und Bekanntschaft nach gewisser Zeit nichts mehr von den Problemen hören, manchmal will sie der Betroffene nicht damit belasten. Die Gefühlslagen sind unterschiedlich, wissen die Gastgeberinnen. Trotzdem tut der Austausch gut. Trauer ist Arbeit, ist ein harter Weg, der für jeden unterschiedlich lang ist und unterschiedlich verläuft. „Hier finden sie Bestätigung dafür“, stellt Maria Schlothmann-Tübing fest. In einer größeren Gruppe können dann auch eher Verbindungen entstehen, die über das Trauercafé hinausreichen.

Begrüßung mit Gedicht

„Es ist ein mutiger Schritt, aber auf alle Fälle ein richtiger“, laden die beiden ein. Sie sind als Begleitung da. Da gibt es die Begrüßung mit einem kleinen Gedicht am Anfang. Und jeder stellt sich vor, so kurz oder so ausführlich wie er möchte. „Falls das Gespräch doch nicht in Gang kommen sollte, haben wir jeweils ein kleines Konzept vorbereitet, das Anknüpfungspunkte bietet. Doch wir brauchen es selten. Die Zeit vergeht wie im Flug.“

Wann wird der Café-Tisch im Weltewitzer Pfarrhaus, Lindenplatz 3, das nächste Mal gedeckt? Nach der Sommerpause am Mittwoch, dem 30. August, von 16 bis 18 Uhr. Fragen dazu werden auch unter Tel. 0157 38080879 beantwortet.

Von Heike Liesaus

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