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Eilenburg Technofans feiern in Nordsachsen eines der größten illegalen Festivals Deutschlands
Region Eilenburg Technofans feiern in Nordsachsen eines der größten illegalen Festivals Deutschlands
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11:33 29.06.2017
Tagelang durchfeiern – bis die Polizei kommt: Technofans auf der illegalen Party in Nordsachsen. Quelle: privat
Züllsdorf

Im Juni löste die Polizei in einem Waldstück bei Torgau eine illegale Technoparty auf. Bei der Veranstaltung handelte es sich um eines der größten illegalen Festivals in Deutschland – das German East Teknival. Und es fand in einem Wald- und Wiesenstück genau an der Grenze zwischen Nordsachsen und Brandenburg, bei Züllsdorf, statt.

Insider gibt Einblicke in die Szene

Rocko (Name geändert) nimmt regelmäßig an solchen geheimen Techno-Feten teil. Er gibt Einblicke in die Szene, erklärt, wie die Partys organisiert werden. „Seit 16 Jahren bin ich nun schon jedes Jahr bei den German East Teknivals – East Tek – mit dabei“, erzählt der 32-Jährige. „Mit 16 bin ich in diese Szene irgendwie reingerutscht und seitdem ist es einfach jedes Jahr nur geil.“

Mehrere DJs legen bei den illegalen Partys gemeinsam auf. Quelle: privat

Bei einem Teknival treffen sich mehrere so genannte Soundsysteme, um mit den Besuchern gemeinsam Party zu machen. Eintritt gibt es keinen und auch keine Stände, an denen man Essen oder Getränke kaufen kann. Es kann lediglich sein, dass die Soundsysteme selbst eine Art Getränkestand oder dergleichen organisieren, an welchem aber kein Geld verlangt wird. „Ein Soundsystem selbst ist im Grunde genommen wie eine Band, nur eben im Technobereich“, erklärt Rocko weiter. „Also im Grunde ein Zusammenschluss mehrer DJs, die mit ihren Boxenwänden zu Teknivals fahren und dort auflegen.“

Was ist ein Teknival?

Der Begriff Teknival setzt sich zusammen aus Tekno und Festival. Tekno (oder auch Freetekno) bezeichnet dabei nicht nur ein musikalisches Subgenre, sondern steht auch für eine Subkultur, die sich als Gegenbewegung der etablierten Rave- und Techno-Szene sieht.

So geht es beim Freetekno, bei den Teknivals und somit auch bei dem Festival in Nordsachsens darum, frei von gesellschaftlichen und kommerziellen Zwängen zu sein. Eine politische Botschaft stecke aber nicht dahinter, sagt Technofan Rocko.

Geheimhaltung ist das Wichtigste

Wie läuft ein Teknival ab? Zuerst einmal ist bei der Organisation eines solchen illegalen, also nicht angemeldeten Festivals eine Sache wichtig: die Geheimhaltung. Zwar existieren Flyer, diese werden aber weder öffentlich verteilt noch ins Internet gestellt. Nur wer in der Szene aktiv ist und die passenden Kontakte hat, bekommt die Chance, dabei zu sein. Organisiert wird das Festival meistens von den Soundsystemen selbst.

Nur wer einen Draht in die Szene hat, bekommt die Info, wo gefeiert wird. Quelle: privat

Diese suchen sich einen geeigneten Platz für die Veranstaltung und kommunizieren diesen dann, sobald das Festival beginnt. „Das läuft dann folgendermaßen ab: Man bekommt den Flyer von einem Freund zugesandt, auf dem steht eine Nummer. Diese Nummer ruft man an dem Abend, an dem das Festival stattfindet, an und bekommt die Koordinaten übermittelt.“

Kein Eintritt, keine Kosten für Getränke und Essen: Das Techno-Festival soll frei von Kommerz sein. Quelle: privat

Nur ein Problem gibt es: Die Teknivals können in ganz Deutschland stattfinden. Doch wer ein echter Fan ist, nimmt gerne ein paar Stunden Fahrt in Kauf. Diese sogenannten Teknomaden reisen mit ihrem Auto oder Wohnmobil von Teknival zu Teknival und wohnen in ihrem Vehikel. „Wie Nomaden eben, nur mit Tekno.“

Party machen sei kein Verbrechen

„Free Party is no crime“ (freie Party ist kein Verbrechen) – das ist das große Motto, dem die Teknivals in Deutschland, Tschechien, Frankreich oder sonst überall in Europa unterstellt sind. Man will frei von Zwang und Kommerz Party machen und meldet deshalb solche Veranstaltungen auch nicht an. Allerdings entspricht es nicht der deutschen Gesetzgebung, mit über hundert Leuten irgendwo mitten in den Wald zu fahren, sich tagelang mit Massen an Elektronik dort niederzulassen und durchzufeiern.

Einige hunderte Leute feiern mitten im Wald eine Technoparty – erlaubt ist das nicht. Quelle: privat

Und so kam es für die Teknival-Besucher in Nordsachsen auch nicht überraschend, als am Samstagnachmittag plötzlich die Polizei auf ihrem „Festivalgelände“ auftauchte und höflich darum bat, die Musik abzustellen. „Haben wir natürlich nicht direkt gemacht“, erzählt Rocko.

Am Samstag machte die Polizei der illegalen Techno-Party ein Ende. Sehr zum Ärger der Besucher. Quelle: privat

Erst als die Polizisten ein paar deutlichere Worte an die Soundsysteme und die Besucher richteten, räumten diese nach und nach den Platz. „Das war aber wirklich noch eine der friedlicheren Räumungen“, erzählt Rocko. „Ich war auch schon bei Teknivals dabei, wo uns die Boxenwände kaputt geschlagen wurden und dergleichen.“

Abbruch ärgert die Techno-Fans

Ärgerlich war der Abbruch natürlich trotzdem, fand er doch bereits am zweiten Tag statt. Wie lange das Festival regulär gegangen wäre, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sagen. „Denn bei solchen Teknivals gibt es immer nur einen Starttermin. Es geht dann so lange bis keiner mehr kann, meistens ungefähr eine Woche.“

Von Nick Leukhardt

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