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Eilenburg Theater in der Eilenburger Arche – Jugendliche machen Grenzerfahrungen
Region Eilenburg Theater in der Eilenburger Arche – Jugendliche machen Grenzerfahrungen
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19:00 17.02.2016
Zu Geigen- und Klaviermusik proben die Jugendlichen Theaterszenen in der Eilenburger Arche. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Melancholisch haben sie sich ihre weißen Plastikmasken aufgesetzt. Nur die Augen blinzeln durch die Schlitze. Die anderen Kursteilnehmer sitzen ringsherum, schauen ihnen gebannt zu, wenn die tanzenden Jugendlichen ihre Arme zu Geigen- und Klaviermusik langsam nach oben heben. Würde man die acht Kinder am Mittwochvormittag im Eilenburger Jugendtreff Arche nur auf die aufgesetzten Masken und synchronen Bewegungen reduzieren, wären sie homogene Wesen. Sind sie aber nicht. Eine heterogene Masse mit eigenen Meinungen, das Probleme und Chancen zugleich eröffnet.

Gemeinsam mit dem Schauspieler Jürgen Hartmann-Bastl und der Theaterpädagogin Maria Bastl vom Theatre de Luna aus Oschatz üben die 13 Kinder und Jugendliche seit Montag verschiedene Theaterszenen und Tänze. Denn der finale Auftritt ist am Freitag. Ein Programm und einen Titel gibt es dafür nicht. Es wird ein überraschendes Potpourri, denn die Jugendlichen haben einen unberechenbaren Willen und zum Beispiel Hemmungen, auf einer großen Bühne zu stehen. Ursprünglich sollte das Theaterprojekt in der Nikolaikirche aufgeführt werden. Die Theaterleute und die Jugendclubleitung Yvonne Henselin beschlossen aber, das Stück auf das heimische Wohnzimmer in der Arche zu verlegen, damit die Hürde des Ortswechsels den Kindern damit genommen wird.

Die theaterpädagogische Woche gehört zum diesjährigen Winterferienprogramm der Kinder- und Jugendarche Eilenburg. Spiele fürs Gedächtnistraining, logische Denkvermögen und dramatische Schauspielfähigkeiten sind dabei angesagt, die die Heranwachsenden auf Trab halten. Die Theatermacher testen, wie weit sie mit den Jugendlichen gehen können. Der Spaß steht im Vordergrund. Merken die Theaterpädagogen, dass etwas nicht auf die Sympathie der Kursteilnehmer stößt, versuchen sie es mit Alternativen. Während dem elfjährigen Flo das Jonglieren mit roten Reifen Freude bereitet, findet die 13-jährige Linda an den israelischen und schottischen Tänzen sowie dem Denkspiel „Otto mag (nicht)“ Gefallen. Die Geschmäcker, kristallisiert sich heraus, sind verschieden.

„Es ist ein gruppendynamischer Findungsprozess“, so Leiterin Henselin. „Wir sind schon froh, dass die Kinder ihre Handys ausgeschaltet haben, Teamgeist zeigen und miteinander kommunizieren“, sagt sie. Dieses Jahr gebe es einen „schönen Querschnitt“ an Teilnehmern: Mädchen wie Jungen, Viert- bis Achtklässler, Schüchterne und Selbstbewusste. Auch drei Flüchtlingskinder sind dabei und spielen eifrig mit – auch wenn es mit der Sprache teilweise hapert. Oft entscheidet die nonverbale Kommunikation.

„Einige Teilnehmer haben Ängste, sich zu berühren und etwas von sich preiszugeben“, sagt Hensel. Beim schottischen Tanz halten sich die Kinder zum Beispiel im Reigen an der Hand oder klatschen gegenseitig ein – in bunt gemischten Pärchen. Die Pädagogen versuchen dabei die Heranwachsenden, die zuweilen in der pubertären Null-Bock-Phase stecken, zu motivieren, solche Hemmschwellen zu überwinden, eigene Grenzen neu zu definieren, sich in der Gemeinschaft wohlzufühlen und zu entfalten – ihre Maskerade für eine Weile abzulegen.

Wohnzimmertheater: Kinder- und Jugendarche Eilenburg, Nikolaiplatz 3, an diesem Freitag, 11 Uhr.

Von Melanie Steitz

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