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Tierschützer päppeln in Eilenburg Feldhasen-Babys auf

Fundtiere Tierschützer päppeln in Eilenburg Feldhasen-Babys auf

Gerade im Frühjahr stoßen Spaziergänger öfter auf die Jungen von Wildtieren. Sind sie hilflos, oder doch nicht? Auf der einen Seite kann Gelassenheit, auf der anderen Seite schnelles Handeln gefragt sein. Die Eilenburger Tierschützer Waltraude und Gerhard Wolf mahnen Feingefühl beim Umgang mit wilden Fundtieren an.

Die kleinen Feldhasen haben gute Überlebenschancen.
 

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg.  Rotbraunes Fell, am Bauch ist es weiß, die Augen fest geschlossen. Das Eichhörnchen liegt auf der Hand von Waltraude Wolf, als ob es schläft. Aber es ist tot. Die Eilenburger Tierschützerin bettet es noch einmal zwischen Tücher in einen kleinen Käfig. Ob das Tier in freier Wildbahn überlebt hätte, weiß sie nicht. Aber vielleicht hätte es größere Chancen gehabt, wenn die Finder gleich zu ihr gekommen wären, statt einen Tag zu warten.

Der Schriftzug des Tierschutzvereins „Terra Mater“ hängt am Gartentor der Familie Wolf am Grünen Fink. Waltraude und Gerhard Wolf, längst im Rentenalter angekommen, engagieren sich seit Jahrzehnten für Tiere, sind auch weiter für die Tiernotrettung unterwegs, die von diesem Verein unterstützt wird. Wenn jemand Hilfe wegen eines gefundenen Wildtieres sucht, dann wird nicht allein beim Eilenburger Tierschutzentrum, sondern vielfach auch gleich bei ihnen geklingelt. Und jetzt, zur Frühlingszeit, sind sie öfter als sonst gefragt.

Nicht in Menschenhand

Jedoch wünschen sich die Wolfs von hilfsbereiten Menschen mitunter mehr Fingerspitzengefühl. „Prinzipiell gehören Wildtiere nicht in Menschenhand“, stellt Waltraude Wolf klar. Geholfen werden soll nur im Notfall. Deshalb ist zuerst zu beobachten, ob sich tatsächlich kein Elternteil mehr um das Junge kümmert. „Wenn die Tiere verletzt sind, ist das etwas anders“, so die Wolfs. Ein Nest junger Feldhasen oder ein Rehkitz mag verlassen scheinen. Aber es ist normal, dass die Mutter nicht ständig bei ihnen ist. Bei den drei kleinen Langohren, die sich in einer Box im Wolfschen Wohnhaus zusammenkuscheln, musste sie eine Ausnahme machen. Die Häsin hatte ausgerechnet das Gelände der Porsche-Fabrik als Kinderstube ausgesucht. Der Nachwuchs saß zu nahe am Verkehrsbereich. „Sie wurden langsam mobil, wären irgendwann unter die Räder gekommen“, sagt Waltraude Wolf. Wildtiere dürfe man nicht einfach behalten. „Auch ich muss beim Jagdpächter nachfragen.“

Fachwissen gefragt

Der Tierarzt sollte außerdem konsultiert werden, und es sei jede Menge Fachwissen nötig, um die Kleinen ins Leben zu päppeln: Welche Temperatur brauchen sie in ihrer Umgebung? Was muss gefüttert werden? Manchmal muss das alle halbe Stunde sein. Das Eichhörnchen war schon größer. Vielleicht hatte es innere Verletzungen. „Aber auf alle Fälle war es völlig unterkühlt. Es hatte auch falsches Futter erhalten“, erzählt Waltraude Wolf. Sonst kommen viele ihrer Pfleglinge durch und irgendwann in die Natur zurück. „Sie sollen sich nicht an Menschen gewöhnen. Der direkte Kontakt lässt sich anfangs nicht vermeiden. Später ziehe ich mich zurück“, beschreibt die Tierschützerin das Vorgehen. Für sie macht es keinen Unterschied, ob Spezies wie Marder oder Wachsbären gerade unbeliebt sind. Schließlich lasse der Mensch mit Kahlschlag in Nutzwäldern, Bebauung verwilderter Grundstücke und bis an den äußersten Rand gepflügten Äcker immer weniger Rückzugsmöglichkeiten.

Kontakt Tierschutzverein Eilenburg, Am Färberwerder 14, Telefon 03423 758928, Notfallnummer 0177 3876742.

Von Heike Liesaus

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