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Eilenburg Abkürzung oder Fitnessübung: So nutzen die Eilenburger ihre Treppen
Region Eilenburg Abkürzung oder Fitnessübung: So nutzen die Eilenburger ihre Treppen
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00:25 28.02.2018
Die „Hundertstüfchen“ führen zum Burgberg. Das ist die längste Treppe in Eilenburg. Quelle: Heike Liesaus
Eilenburg

Mehrere steile Treppen durchziehen den Berg von Eilenburg zwischen historischen Bauten, Wohnhäusern, Grünanlagen und Straßen, bringen mit ihrer Steigung und ihrem Stufenwerk nicht nur auswärtige Besucher, sondern auch manchen Einheimischen aus der Puste. Sie sind täglich genutzte Verbindungswege, Passagen für einen gemütlichen Spaziergang oder Hilfsmittel zur sportlichen Ertüchtigung. Und noch dazu belohnen sie oft mit einem besonderen Ausblick. Die LVZ hat sich auf ihre Spur begeben, Leute befragt, die auf sie angewiesen sind und offenbart so ein bewegungsreiches Bild von der Stadt.

Hans-Joachim Linger  auf den Hundertstüfchen. Quelle: Heike Liesaus

Beginn ist am Parkplatz in der Mühlstraße unterhalb des Schlossberges. Dort schlängelt sich die Hundertstüfchen-Treppe durch den dicht bewachsenen Hang, führt – anders als der Name vermuten lässt – über insgesamt 164 Stufen hinauf auf das historische Gelände. Hans-Joachim Linger (68) wagt in raschem Tempo den Auf- und Abstieg. Seit drei Jahren macht er das drei- bis viermal die Woche. Der Pensionär will seine Kondition verbessern. „Ich hoffe, dass es was bringt“, meint er gut gelaunt und ohne den Anschein, außer Atem zu sein. Die Treppe ist Teil des sächsischen Lutherweges und sehr verwinkelt. Ihr glänzendes Edelstahl-Geländer deutet darauf hin, dass sie vor nicht allzu langer Zeit umfangreich saniert wurde. Oben angekommen, eröffnet sich eine tolle Fernsicht über das winterliche Eilenburg.

Elfriede Kreißig Quelle: Heike Liesaus

Über den Schlossberg geht es zur Marienkirche, wo im hinteren Teil des Friedhofs 37 gepflasterte Stufen schnurgerade zur Marienstraße leiten, ausgestattet auf beiden Seiten mit einem Metallgeländer. Elfriede Kreißig nutzt den Weg häufig für ihre Einkäufe. Die 78-Jährige wohnt auf dem Berg, ist dort groß geworden und weiß noch, wie rutschig der Abstieg früher stellenweise war. „Man kann sich bloß freuen, dass das alles neu gemacht wurde“, sagt sie und blickt an der rötlich schimmernden Mauer vorbei auf die Treppe, die im Zuge der Stützmauersanierung unter der Marienkirche erneuert wurde. „Überhaupt gibt es viel Neues auf dem Burggelände. Ich freue mich über jeden Stein, der neu auf den Berg kommt.“

Die nächste Stiege befindet sich in der Kellerstraße, nur wenige hundert Meter entfernt. Sie nimmt Passanten in einem leichten Rechtsbogen mit hinauf zur Friedrichshöhe. Der Vorteil: Das steinerne Objekt verfügt über eine Rampe, was den Transport eines Fahrrades deutlich erleichtert. Bekannt ist die Treppe durch den Eingang zum unterirdischen Bergkellersystem der Muldestadt, der auf halber Höhe etwas im Verborgenen linkerhand zu sehen ist. Belohnung nach 104 Stufen ist erneut ein schöner Ausblick, der zum Verweilen einlädt.

Safina Henning Quelle: Heike Liesaus

Treppe Nummer vier erlaubt an der Kreuzung Friedrichshöhe/Lutherstraße den Abstieg zum Fischerweg. Eine Passage, die vielen Anwohnern als Abkürzung dient. „Es stimmt, wir sind hier häufig unterwegs“, sagt Romy Hennig. Sie will mit Tochter Safina (7) in den Tierpark, profitiert dabei von der Fahrradrampe, mit der die 105 Trittebenen versehen sind. „So kann Mama mein Rad einfach nach unten schieben“, strahlt das Mädchen. Am Fuß der Treppe sowie auf halber Höhe bietet jeweils eine Bank einen entspannten Platz zum Ausruhen.

Manfred Schmidt am Sorbenweg. Quelle: Heike Liesaus

Vom Fischerweg geht es zurück zur Bergstraße. Dort gelangen Fußgänger auf der rechten Seite auf den von massivem Mauerwerk umrahmten Sorbenweg. In dessen Mittelteil warten 36 gewundene Stufen, am Ende noch einmal 37, die schließlich zum Schlossberg führen. Manfred Schmidt erledigt am Wegesrand Baumpflegearbeiten. Im gehört das anliegende Grundstück, das zu seinem Verdruss ohne Zufahrt daherkommt. Der 66-Jährige erzählt: „Die Sorbenweg-Treppe wird oft begangen.“ Spaziergänger würden sie nutzen, ebenso wie Kinder auf dem Schulweg.

Die Tour endet auf dem Schlossberg. Wer die fünf Treppen überwunden hat, hat insgesamt rund 500 Stufen in den Beinen. Stufen, für deren Instandhaltung vor allem die Stadt Sorge tragen muss, nur für die von ganz alten Eilenburgern Rüsterstufen genannten Treppe zum Marienfriedhof nicht. Mit der Reinigung der städtischen Stufen ist die Eilenburger Stadtwirtschaft beauftragt. „Die Treppen werden im Sommer ein bis zwei Mal pro Monat gereinigt. Im Winterdienst sind der Sorbenweg und Hundertstüfchen in der Kategorie 1“, erklärt Geschäftsführer Volker Wagner. Das heißt: Sie gehören zu den ersten Strecken, die vom Schnee befreit werden. „Bei zu starkem und anhaltenden Schneefall werden sie auch nach Rücksprache mit der Stadt gesperrt.“

Von Matthias Klöppel und Heike Liesaus

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