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Eilenburg Unterrichtsausfall und Notbetreuung – Lehrerstreik trifft auch Nordsachsen
Region Eilenburg Unterrichtsausfall und Notbetreuung – Lehrerstreik trifft auch Nordsachsen
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16:58 08.02.2017
Nicht alle Schüler waren traurig, dass der Unterricht ausfiel: Schüler an der Grundschule Berg in Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Nordsachsen

Der Lehrerstreik im Freistaat hatte am Mittwoch auch im Landkreis Nordsachsen Auswirkungen: Während viele Lehrer nach Dresden zur Großdemonstration fuhren, gab es daheim Unterrichtsausfall, eine Notbetreuung von Kindern und nicht zuletzt eine ungewohnte Stille auf den Pausenhöfen, wie unsere Schulbesuche in Eilenburg, Delitzsch und Oschatz zeigen.

Grundschule Berg in Eilenburg

Auch an der Grundschule Berg in Eilenburg ist der Schulhof, auf dem sonst zu Pausenzeiten die Schüler herumtollen, menschenleer. An der Bildungsstätte sind zehn Pädagogen dem Ruf nach Dresden gefolgt. Für eine Notbetreuung sorgt derweil unter anderem Schulleiterin Uta Scherbacher: „Ein Großteil unserer insgesamt 190 Schüler ist zu Hause geblieben. Es sind lediglich 22 Jungen und Mädchen vor Ort. Ich und drei weitere Kollegen passen auf sie auf.“ Die Betreuung wird von 7.30 bis 11 Uhr gewährleistet. Anschließend übernimmt der Hort. „Natürlich bekommen die Kinder auch Mittagessen. Für sie ist es ein ganz normaler Tag, nur ohne Unterricht“, sagt die Rektorin mit einem Augenzwinkern.

Im Gebäudeinneren rennen nur vereinzelt Kinder über den breiten Flur. Die meisten halten sich in einem der bunten Themenräume des Hortbereiches auf. Sind in Kartenspiele vertieft, malen Bilder, lesen Bücher. „Ich finde es gut, dass der Unterricht ausfällt. Schule ist nicht so mein Ding, obwohl mir Lernen Spaß macht“, teilt der neunjährige Moritz vergnügt mit. Bei Aliyaa (9) und Annelie (8) aus der dritten Klasse hält sich die Freude hingegen in Grenzen. „Irgendwie ist es ein bisschen doof. Ich möchte ja etwas lernen“, verrät Annelie und ergänzt: „Aber es ist auch schön, weil wir ein bisschen mehr Freizeit haben.“ Zweitklässler Clemens wiederum, der gerade mit Lego-Figuren spielt, verleiht seiner Begeisterung für den Unterrichtsausfall kräftig Ausdruck. „Dass wir keinen Unterricht haben, ist toll. Ich hätte heute sonst bis zur sechsten Stunde gehabt. So habe ich endlich mal Pause“, jubelt der redefreudige Achtjährige, winkelt die Arme an und ballt beide Hände zur Siegerfaust.

Schulleiterin Scherbacher hebt die Selbstständigkeit ihrer Schützlinge hervor. „Wir haben liebe Kinder. Die beschäftigen sich selber“, sagt sie mit Stolz. Persönlich kann sie dem Lehrerstreik immerhin auch etwas Positives abgewinnen: „So komme ich mal zu Tätigkeiten, die sonst liegen bleiben“.

Thomas-Mann-Gymnasium in Oschatz

Viele leere Stühle stehen im Lehrerzimmer des Oschatzer Thomas-Mann-Gymnasiums: „23 der 60 Kollegen beteiligen sich am Streik“, sagt Carola Grosser. Die Deutschlehrerin koordiniert hausintern die Arbeitskampfmaßnahmen. „Mir geht es nicht um besseren Verdienst. Entscheidender sind die Rahmenbedingungen und Einstellungsvoraussetzungen im Freistaat im Vergleich zu anderen Bundesländern. Wir haben ein anspruchsvolles Abitur – aber zu welchem Preis.“

Unterricht findet am Streiktag nur in den Klassen 9 bis 12 statt. Die Eltern der unteren Jahrgänge wurden gebeten, ihre Kinder möglichst nicht in die Schule zu schicken. Zu Hause geblieben ist auch die Tochter von Romy Löbnitz. Die Mutter der Sechstklässlerin zeigt Verständnis für den Streik, bedauert allerdings den zusätzlichen Stundenausfall. „Die Lehrer sollten den Protest nutzen, um auf die Personalsituation aufmerksam zu machen, nicht nur für Forderungen nach mehr Gehalt. In meinem Bekanntenkreis gibt es Oberstufenschüler, die seit einem halben Jahr keinen Unterricht mehr in prüfungsrelevanten Fächern haben. Das geht doch nicht gut“.

Die Schüler reagieren unterschiedlich. „Ich freue mich, heute frei zu haben“, sagt Anna-Sue Schneider aus der achten Klasse. Sie hat einen kurzen Schulweg und besucht – wie jeden Mittwoch – ein regulär stattfindendes Ganztagsangebot. „Ich habe mit anderen Schülern geredet, die wussten nicht, ob sie zur Schule kommen sollen oder nicht“, moniert Timon Korn aus Klasse 9 die Organisation der Notbetreuung. Und Christian Baumann aus der zwölften Klasse kritisiert „die geizige und sturköpfige Landesregierung“, die nicht auf Forderungen der Lehrer eingehe: „Der Streik geht zu Lasten der Bildung, das vergisst man wohl in Dresden.“

Grundschule Delitzsch-Ost

In die Grundschule Delitzsch-Ost sind nur 22 Kinder gekommen. Und fast das gesamte Lehrerteam ist nach Dresden gefahren. Eine Lehrerin und eine Praktikantin leisten eine Notbetreuung bis 11.30 Uhr. Ein Kind hat die Erlaubnis, danach allein heimzugehen, die anderen werden zum Bus und in den Hort begleitet. An der Schule wurden den Kindern zuvor Zettel mitgegeben, die die Eltern über den Streik informierten. Man trage den Streik „nicht auf dem Rücken der Kinder aus“, heißt es darin, sondern kämpfe für die Rechte als Beschäftigte. Und für die Zukunft: Dass weiterhin ausgebildete Lehrer in den Klassenräumen unterrichten sollen, wird betont. Die Eltern wurden gebeten, die Kinder an diesem Tag möglichst nicht in die Schule zu schicken. Beim Streik, so ist zudem aus dem Kollegium zu hören, stehe nicht das Geld im Vordergrund, sondern der Lehrermangel, der zu den Ausfällen führe. Das stößt auf Anklang, auch wenn die Schule bereits Ausfallstunden hat. So sagt eine 37-jährige Mutter: „Ich betreue mein Kind zuhause, man muss Verständnis haben.“

Artur-Becker-Oberschule in Delitzsch

Verwaist sind auch die meisten Räume der Artur-Becker-Oberschule in Delitzsch. Für die unteren Klassenstufen ist eine Notfallversorgung gestellt worden. Aber größtenteils blieben die Schüler daheim. Stefanie Fix, die ehemalige Schulleiterin, die die neue Direktorin Gundel Adler derzeit noch unterstützt, berichtet amüsiert von einer einsamen Schulschwänzerin: Zwei Tage sei sie der Schule ferngeblieben, nun stand sie vor verschlossenen Türen.

Von Matthias Klöppel, Manuel Niemann und Christian Kunze

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