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Eilenburg Viele Fahrlehrer kommen ins Rentenalter – und der Nachwuchs fehlt
Region Eilenburg Viele Fahrlehrer kommen ins Rentenalter – und der Nachwuchs fehlt
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15:55 15.03.2016
Christian Brode (rechts) mit seinem Schüler Silko Schwabe. Der Fahrlehrer gehört zu den wenigen jüngeren Ausbildern im Landkreis. Quelle: Wolfgang Sens
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Nordsachsen

Drohen künftig längere Wartezeiten in Fahrschulen? Viele Fahrlehrerverbände warnen derzeit vor einem Mangel an Fahrlehrern, der sich schon bald unter anderem durch besagte längere Fristen bei Terminen bemerkbar machen wird. Bundesweit sucht nach Branchenangaben jede zweite Fahrschule nach Personal. Es fehle an qualifiziertem Nachwuchs, schlug beispielsweise erst vor wenigen Tagen der Thüringer Fahrlehrerverband Alarm. Der Altersdurchschnitt der Fahrlehrer liege deutlich über 50 Jahre. In den nächsten 15 Jahren gehe fast jeder zweite in den Ruhestand. Deshalb könnte das Angebot vor allem auf dem Land dünner werden. „Das heißt Wartezeiten und längere Wege zur Fahrschule“, prophezeite Verbandschef Harry Bittner.

Auch in Sachsen sind die Zahlen im Vergleich zu den neunziger Jahren rückläufig. Von einem im Freistaat drohenden Fahrlehrermangel, wollte der sächsische Verbandschef Andreas Grünewald allerdings noch nicht reden. Doch wie sieht die Situation im Landkreis Nordsachsen aus. Wir haben einmal mit verschiedenen Fahrlehrern im Kreis gesprochen:

Hans-Günther Brode (65) von der Fahrschule Brode in Delitzsch, Kreisvorsitzender im Landesverband Sächsischer Fahrlehrer: „In der Region sind derzeit noch genug Fahrlehrer da. Es muss keiner der Schüler warten. Eher im Gegenteil: Sie sind manchmal schneller dran als ihnen lieb ist. Sehr wohl aber ist dies ein Thema für die Zukunft, jetzt ist es noch nicht relevant. Ich würde schätzen, dass die Fahrlehrer in und um Delitzsch schon ein Durchschnittsalter von 60 Jahren erreicht haben und dann natürlich viele in den nächsten fünf Jahren vom Markt gehen werden. Dann könnte es durchaus zu längeren Wartefristen kommen, wenn nicht junge oder jüngere Fahrlehrer nachkommen. Mein Sohn Christian Brode zum Beispiel ist 41 Jahre alt, der hat also noch ein bisschen vor sich.“

Frank Boden (49), Fahrlehrer in Oschatz: „Es könnte durchaus sein, dass die Zahl der Fahrlehrer zurückgeht. Viele kommen ins Rentenalter – und Nachwuchs fehlt. Es gibt einen Kollegen in Oschatz, der seinen Sohn zum Fahrlehrer ausbildet. Solche Beispiele gibt es aber leider noch zu wenige. Ich kann mir vorstellen, dass das in einigen Jahren spürbar wird und dann auch Wartezeiten entstehen.“

Uwe Engel (58), Fahrlehrer in Eilenburg: „Ich bin seit über 30 Jahren in Eilenburg als Fahrlehrer selbstständig tätig. Und momentan gibt es keinen Grund zur Sorge. Der Fahrlehrermangel wird regional wohl unterschiedlich ausgeprägt sein. Doch in unserer Region gibt es noch genug Angebote und keine Wartzeiten. Ein Mangel an Fahrlehrern wird sich durch die demografischen Veränderungen möglicherweise erst in den nächsten Jahren entwickeln.“

Horst Eidam (79), Rentner und ehemaliger Fahrlehrer in Eilenburg: „Ich bin zwar seit sieben Jahren in Rente, saß aber bis zum Alter von 72 Jahren im Fahrschul-Auto. Und nach wie vor verfolge ich sehr genau, was sich in der Branche tut. Und manchmal juckt es mich noch in den Fingern. Aus Altersgründen haben in den vergangenen Jahren drei Fahrschulen in Eilenburg aufgehört. In der Region Bad Düben-Eilenburg gab es zu besten Nachwende-Zeiten mal zehn Fahrschulen, für die es mit Fahrschülern auch mal dünn wurde. Insofern hat sich die Lage hier eigentlich entspannt. Es dauert nach wie vor in der Region nur wenige Tage, bis der Führerschein in Angriff genommen werden kann. Beim Pkw, in der Klasse B, kostet das dann insgesamt zwischen 1200 und 1300 Euro. Wenn man durch die Prüfung fällt, vielleicht nochmal 200 Euro. Für mich war diese Tätigkeit eine sehr schöne Zeit. Ich war bisher mehr als eine Million Kilometer in der ganzen Welt unterwegs und bin nach wie vor leidenschaftlicher Fahrer. Auch wenn das Alter seinen Tribut fordert.“

Alexandra Richter, Fahrlehrerin in Bad Düben: „Unser Vater, der bereits seine Rente genießt, ist ganz stolz, dass seine beiden Töchter die Fahrschule Kühne in Bad Düben nunmehr bereits in der dritten Generation fortführen. Ich seit 1996 hier vor Ort und meine Schwester in Bayern. Auch ich kann bestätigen, dass es in der Region noch keinen Mangel an Fahrlehrern gibt und blicke sehr optimistisch in die Zukunft.“

Frank Beer (50), Betreiber einer Fahrschule im Mügelner Ortsteil Sornzig, mit Zweigstelle in Leipzig: „Dass die Wartezeiten für Fahrschüler ansteigen, kann ich nicht bestätigen. Wenn auch in dieser Region weniger Fahrschulen bestehen, gibt es in Leipzig noch über 200 Fahrschulen. Weder hier in Mügeln noch in Leipzig braucht ein Fahrschüler in meiner Fahrschule zu warten. Es kann jeder jede Woche mit der Fahrschulausbildung beginnen.“

Von Karin Rieck, Christine Jacob, Gabi Liebegall, Heinz Großnick

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