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Völkerschlacht ohne Glanz und Gloria nahe Eilenburg

Völkerschlacht ohne Glanz und Gloria nahe Eilenburg

Bunitz. Die Region im Zeichen des 200. Jahrestages der Völkerschlacht. Sächsische Truppen lagern bis heute auch in Bunitz nahe Eilenburg.

Heute geht's weiter gen Leipzig, wo am Wochenende die großen Feierlichkeiten stattfinden.

Wo sind sie nur? - Gestern am Morgen liegt das Dörfchen Bunitz ruhig zwischen den Feldern im Nieselregen. Und keine Uniform weit und breit. Mit der Kontakt-Handy-Nummer gibt's keinen Kontakt. Doch welch Glück: Da kommt ein Auto mit Leipziger Kennzeichen vorbei, ihm entsteigt ein Mann, der einen alten Vorderlader mit sich trägt. Sächsische Truppen? Völkerschlacht? Hinterher! - "Sie brauchen sich nicht zu beeilen", sagt er belustigt. "Ich kann eh' nicht so schnell." Seinen langsamen Gang erklärt er mit Blasen an den Füßen. Jörg Titze trägt zivil. Er ist nun als Besucher und Helfer da, sonst wäre er dieser Tage mit den anderen als Sergeant unterwegs. Doch der Marsch der Königlich-Sächsischen Bataillone gemeinsam mit dem im erzgebirgischen Wolkenstein beheimateten Grenadierbataillon von Spiegel, der am Sonntag in Torgau startete, hat bei ihm bereits Tribut gefordert.

Seine Mitstreiter indessen haben die Nacht entweder unterm Scheunendach oder im Zelt hinter sich und sind gerade beim Frühstück: Den Kaffee gibt's aus Zinnkrügen, Brot, Wurst und Käse aus Holzschüsseln. Da sind sie, die Männer und Frauen in historischen Uniformen und Kleidern. Endlich ist Gelegenheit nachzufragen, was man sich damals nur mit den weißen Uniformhosen gedacht hat. - "Das war einfach das billigste Material. Leinen. Und das blieb auch nicht weiß", deutet Franz Hartmann auf die Umstehenden, deren Bekleidung am dritten Tag im Gelände ins Grau tendiert. Sauber bleiben geht beim besten Willen nicht. Das ist nur eine der vielen Erkenntnisse, die der 45-Jährige über dank seines Hobbies erlangt hat. "Wir stammen aus der Zinnfiguren-Szene", erklärt Jörg Titze. "Irgendwann, wenn man die Truppen aufbaut, kommt man an die Grenze seines Vorstellungsvermögens und darauf, das mal selbst im Gelände nachzustellen." 1979 probierten sie es zum ersten Mal, so der heute 52-Jährige. Die ersten Uniformen waren aus den Mänteln der Reichseisenbahner genäht. Heute indessen wird möglichst authentische Uniformtuch auch bei Anbietern aus Großbritannien geordert. Nur um nachzuvollziehen: Warm war's nicht. Blasen haben einige an den Füßen. Einer zeigt die Schuhsohlen: Am Absatz ein Metallbogen wie ein Hufeisen, auf dem Rest der Sohlen Nägel. Das gab guten Halt auf Schotterwegen, wird auf Asphalt aber unbequem.

Eins ist im morgendlichen Lager schnell klar: Glanz und Gloria wird eher mit Misstrauen betrachtet. Blinkende Uniformknöpfe passen für die hier Versammelten nicht zur Völkerschlacht. "Es gab zudem bei den Sachsen mehr Ausfälle auf dem Marsch, als bei den Kampfhandlungen selbst", beschreibt es Franz Hartmann. Dass ein Krieg nur auf historischen Gemälden heroisch aussieht, dazu gebe es Zeitzeugenberichte von anderen Schlachten. So habe der preußische König habe seine Truppen vor Paris gar nicht wiedererkannt. "Das mit dem Heldentum wurde schon mit Bedacht gemacht. Die Kriegsbegeisterung sollte hoch gehalten werden", stellt Titze fest. "Und wenn jetzt von den deutschen Truppen in Afghanistan berichtet wurde, dann klang das auch wie THW in Uniform", zieht Hartmann Parallelen. Zur dieser Art Geschichte nachzuvollziehen, gehört es aber auch, beim Morgen-Appell in Reih und Glied zu stehen und zuzuhören, was Capitain Mario Wolf zu den Tagesplanungen zu sagen hat. Gestern ist Marschpause, wird aber auch Exerzieren geübt. Am Abend hat sich zudem noch ein Napoleondarsteller angesagt. Die historische Rede des Franzosen am Witrowberg wird nachvollzogen. Heute geht es weiter gen Leipzig. Ziel ist Liebertwolkwitz, wo an das Leben anno 1813 nachvollzogen wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.10.2013
Heike Liesaus

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