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Eilenburg Volksbank geschlossen, Vietnamese weg: Ist Mockrehna unterversorgt?
Region Eilenburg Volksbank geschlossen, Vietnamese weg: Ist Mockrehna unterversorgt?
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13:13 21.02.2018
Blick durch das Pumphut-Denkmal in Mockrehna auf die Dorfkirche. Der Platz ist das Dorfzentrum. Quelle: Alexander Prautzsch
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Mockrehna

Ein Werktagmittag in der Ortsmitte von Mockrehna: Der Platz mit dem Pumphut-Denkmal schimmert im Sonnenlicht. Mehrere parkende Autos umsäumen das gepflasterte Areal, gehören vor allem den Kunden der nahegelegenen Sparkassenfiliale. Die wird rege besucht – im Gegensatz zur Zweigstelle der Volksbank. Das ist Geschäft geschlossen, alle Automaten sind abgebaut, am Fenster prangen Schilder mit der Aufschrift „Zu Vermieten“. Kein Einzelfall in der Gemeinde. Auch der vietnamesische Textil-Shop nebenan hat dicht gemacht, ebenso wie der Schreib- und Spielwarenladen Rothfeld von gegenüber. Es drängt sich die Frage auf, ob es in Mockrehna an Läden und Geschäften mangelt?

Rentner Herman Heidenreich (89) wohnt im Seniorenzentrum in Mockrehna. Quelle: Alexander Prautzsch

„Auf keinen Fall“, findet Gisela Richter (67), die mit ihrem Fahrrad gemächlichen Tempos den Platz überquert. „Wir sind immer noch gut aufgestellt – Penny, Netto, eine Apotheke, die Sparkasse.“ Auch genüge die ärztliche Versorgung. Ein Allgemeinmediziner habe seine Praxis im Ort. Der sei sehr beliebt. Und dann die Zugverbindung: „In zehn Minuten bin ich in Torgau oder Eilenburg, in 40 Minuten in Leipzig“, jubelt die rüstige Dame, die ihr gesamtes Leben in Mockrehna verbracht hat. Ambitionen, ihren Heimatort zu verlassen, hat sie keine. Sie besitzt ein Grundstück, geerbt von ihrer Mutter. „So etwas gibt man doch nicht einfach auf“, meint sie.

Senioren vermissen Volksbankfiliale

Eine Frau (37) verlässt das Sparkassengebäude, ist auf dem Weg zu ihrem Auto. Sie wohnt in Wildenhain. Dass sie für ihre Bankgeschäfte immer fahren muss, sei kein Problem. „Ich bin das gewöhnt“, sagt sie. Silke Dietrich, die in Mockrehna ihren Arbeitsplatz hat, findet es hingegen „sehr schade“, dass die Volksbank ihre Außenstelle aufgegeben hat. Die nächsten Filialen befinden sich in Torgau und Eilenburg. Auch deshalb stelle die Schließung für ältere Einwohner ein Problem dar. Viele haben ihr Konto aufgegeben und sind zur Sparkasse gewechselt, habe sie erfahren.

Gisela Richter (67) wohnt seit ihrer Geburt in Mockrehna. Quelle: Alexander Prautzsch

Dass in dem Pumphut-Ort nicht nur Geschäfte schließen, sondern auch neue entstehen, belegt das Fotostudio von Ute Ressl. Die 34-Jährige zieht in den ehemaligen vietnamesischen Textil-Shop, will im März öffnen. Zuvor betrieb sie ein Studio in Probsthain, hofft nun, dass in Mockrehna „etwas mehr los ist“.

Gutshaus ist kulturelles Herz

Die Kommune hat einen dörflichen Charakter. Schmucke Einfamilien- und Doppelhäuser mit gepflegten Vorgärten reihen sich aneinander. Von Ruhe dennoch keine Spur. Dafür sorgt die B 87, die mitten durch den Ort verläuft und von zahllosen Lkw befahren wird. Einige Meter vom Dorfplatz entfernt, zeugt ein in prächtigem Kaisergelb erstrahlendes Gutshaus von einem reichen kulturellen Angebot. In dem Objekt sind unter anderem Museum, Bücherei und Vereinsräume untergebracht. Eine kleine Teichanlage lädt zum Verweilen ein.

Im angrenzenden Seniorenzentrum ist Hermann Heidenreich seit 2015 zu Hause. Auch er lobt Verkehrsanbindung und medizinische Versorgung. Geschäfte und Gastronomie vermisst er keine. „Wie viele Läden es gibt, ist mir in meinem Alter egal“, sagt der 89-Jährige lachend, findet aber, dass es für jüngere Leute etwas mehr sein könnte. Tatsächlich sucht man zum Beispiel nach einem Jugendclub vergebens.

Ein Drogeriemarkt wäre schön

Sven Pavlas (47) hält auf dem Weg zur Arbeit nach Eilenburg zum Einkaufen gern in Mockrehna an. Quelle: Alexander Prautzsch

Vor dem Penny meint eine Kundin (53), dass ein Drogeriemarkt schön wäre. „Aber der rentiert sich doch nicht“, entgegnet ihre Tochter aus dem Auto heraus. Eva Lehmann (59) und Ingrid Strehlau (69) sehen kein Versorgungsproblem. „Alles Wichtige ist da. Nur für etwas Außergewöhnliches muss man in die Stadt“, erzählen die beiden Freundinnen unisono. Dass die Volksbank weg ist, sehen sie aber als Problem. Ronny Schwob flaniert mit seiner Tochter die Straße entlang. Er ist vor knapp einem Jahr hergezogen. Ein Schritt, den er nicht bereut. „Es gibt eine Grund- und eine Oberschule, Einkaufsmöglichkeiten, die zu Fuß erreichbar sind. Und überall freundliche Leute“, fasst der 41-Jährige zusammen.

Fazit: Unterversorgt fühlen sich die Mockrehnaer nicht. Noch haben sie ausreichend Geschäfte und Läden. Der Wegfall der Volksbank schmerzt aber die älteren Bewohner.

Von Matthias Klöppel

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