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Von einem eigenen Dienstwagen will Torsten Pötzsch nichts wissen

Von einem eigenen Dienstwagen will Torsten Pötzsch nichts wissen

Torsten Pötzsch verbringt seinen Jahresurlaub dieser Tage auf besondere Art. Er klingelt sich von Tür zu Tür durch Eilenburg. Sein Wahlkampf als SPD-Kandidat fürs Amt des Oberbürgermeisters der Muldestadt.

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Torsten Pötzsch ist zurzeit in Eilenburg auf Wahlkampf-Tour und steht auch mal direkt vor der Haustür, um sich den Wählern vorzustellen.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Er kann halt immer etwas anders: Da kennen ihn die einen als Sozialarbeiter, die anderen als Vorsitzenden des Kriseninterventionsteams. Ein Amt, das er mit Blick auf die OBM-Kandidatur aufgegeben hat. "Und mancher stutzt wieder, wenn ich in Uniform auftauche." Denn er ist Hauptmann der Reserve, agiert im Katastrophenfall als Verbindungsoffizier zwischen zivilen und militärischen Kräften im Verwaltungsstab des Landkreises. "Beim Studium war's auch ungewöhnlich: als Mann fortgeschrittenen Alters. Und dann noch einer, der lange bei der Bundeswehr war." Mancher, der ihn als Streetworker in Eilenburg kennt, erlebte ihn bei der Flut 2013. Da war weniger geduldige Abwägung und Moderation gefragt, sondern schnelle Entscheidungen.

Er sagt von sich, dass er gern sehr gut kocht, aber er würde auch gern mehr Sport machen. Doch er kommt nicht außer Puste, wenn er die vier Treppen bis zur Kinder- und Jugendarche im Gemeindehaus nimmt. Die leitet seine Lebenspartnerin. Sie haben sich bei der Arbeit kennengelernt. "Jugendarbeit ist unser gemeinsamer großer Nenner." Eine Patchwork-Familie: Ständig sind zwei der Kinder im Haushalt, oft sind sie zu sechst unterwegs. "Meist sind wir mehr, weil die Kinder Freunde mitbringen." Deshalb ist das Fahrrad das Transportmittel der Wahl. Eilenburg sei überhaupt die gelungene Kombination zwischen Stadt und Land, Versorgungsinfrastruktur und Nähe zur Großstadt. Mehr als einen Kilometer ist es nie und man ist im Grünen.

Die Erfahrungen mit seiner Art des Basis-Wahlkampfs sind positiv. "Das gibt viel Erkenntnis-Gewinn", schätzt er den Kommunikations-Marathon ein. "Jeder hat eine andere Perspektive: Senioren sind die wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten wichtig. Vielen liegen die Tiere am Herzen. Sie sind besorgt über die Tierheimsituation. Es geht oft um Ordnung und Sicherheit." Angesprochen wird auch das Burgberg-Problem. Die Gestaltung der Außenanlagen ist in die Diskussion gekommen. "An einer Initiative, über die 'Rettet den Burgberg" steht, beteiligt sich natürlich jeder. Aber die Beschlüsse sind sauber gelaufen. Doch die öffentliche Beteiligung in der Vorbereitungsphase muss besser über die Verwaltung organisiert werden. Selbst wenn es für die Fachbereiche, die bereits Arbeit investiert haben, schwer ist, einen Entwurf nochmals Kritik auszusetzen." Und er würde, falls eine Neuanschaffung des OBM-Dienstwagens zur Debatte steht, die Notwendigkeit in Zweifel ziehen. "Als Sozialarbeiter musst du um die Abrechnung der Dienstkilometer kämpfen. Passt es da in die Zeit, wenn einem einzelnen ein ganzes Auto zur Verfügung stehen soll?"

Der Blick geht aber auch auf Größeres: Der Ausbau des Hochwasserschutzes soll weitergehen. Die Vollendung wird der amtierende OBM nicht schaffen. "Was wir brauchen, ist eine bessere planerische Grundlage für die Stadt im Katastrophenfall. Eine schriftliche Gefährdungsanalyse fehlt bisher." Diese wolle er angehen.

Lesen Sie morgen, was Ralf Scheler, der parteilose Kandidat, für Eilenburg will.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.05.2015
Heike Liesaus

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