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Wacker erwartet 200 Asylbewerber und rückt vom Containerwohnheim ab

Wacker erwartet 200 Asylbewerber und rückt vom Containerwohnheim ab

Die Aussage des Eilenburger Stadtoberhaupts, dass als Standort eines Asylheims auch Ortsteile wie Wedelwitz, Kospa oder Zschettgau in Frage kommen, hatte für viele Nachfragen im Eilenburger Rathaus gesorgt.

Eilenburg/Zschettgau. Deshalb war der Punkt auch in die Tagesordnung der Ortschaftsratssitzung am Dienstagabend aufgenommen worden. Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) machte deutlich, dass es ihm vor allem darum ging, dass sich einfach jeder, egal wo er wohnt, mit dem Thema Aufnahme von Flüchtlingen auseinandersetzen müsste: "Ich will das Thema unter die Bevölkerung bringen."

Zur Ortschaftsratssitzung waren außergewöhnlich viele Einwohner ins Begegnungszentrum Zschettgau gekommen. Letztlich gebe es die Ausschreibung des Landkreises für einen Asylheimstandort für 60 alleinstehende Männer für den gesamten Bereich Taucha, Eilenburg, Bad Düben samt der umliegenden Gemeinden. Und derzeit laufe die Auswertung der Angebote. "Wir verfolgen in Eilenburg nach wie vor die Strategie der Unterbringung in Wohnungen, auch für junge Männer. Ich werde nicht unbedingt das Vorhaben Container-Unterbringung befördern", erklärte Wacker in der Versammlung. "Ich rechne aber damit, dass wir insgesamt 200 Asylbewerber unterbringen müssen. Zwar sei bei der Aufteilung von Flüchtlingen auf dem Gebiet des Landkreises für Eilenburg ein Anstieg von derzeit 106 auf 150 bis 180 Personen zu rechnen. "Aber ich denke, wir müssen mehr nehmen, weil nicht jeder Ort in der Umgebung für Flüchtlinge geeignet ist."

Aber warum sollten in den Ortsteilen wiederum nicht wenigstens Wohnungen bezogen werden können? Immerhin leben hier auch ältere Menschen, die ohne Auto zurechtkommen müssen. Allerdings löste die Idee von Ortschaftsrat Markus Vogler, dass alle in Sachen Flüchtlingsbetreuung zusammenhalten und dann auch mal fahren könnten, eher Kopfschütteln aus. "Und kommen dann nächstes Jahr wieder 180?", fragte einer der Gäste. Wacker betonte, dass bereits mehr als 300 Mitbürger verschiedener Nationalitäten in der Stadt gemeldet sind. "Und die haben alle Arbeit." Selbst diejenigen, die hier nur für gewisse Zeit bleiben, könnten einmal noch dringend gebraucht werden.

Die Ortschaftsräte waren geteilter Meinung. "Letztlich sind diejenigen schon erwachsen. Deutschland musste weder für Kindergeld noch für Ausbildung bezahlen", argumentierte Stefan Dietrich. "Wenn jemandem 13 Fahrräder hintereinander gestohlen werden, denkt er sicher anders drüber", merkte dagegen Jürgen Reimer an und fügte hinzu: "Aber das darf man ja nicht sagen." Man müsse es doch sagen, entgegnete Wacker. Und die Ängste müssten ernst genommen werden. "Aber freiwillig verlässt niemand seine Heimat. Letztlich habe sich mit der Einführung der Freizügigkeit in Europa auch nicht die Befürchtung bewahrheitet, dass aus Portugal alle Friseurinnen hierher strömen. Den Menschen, die zum Beispiel aus Syrien flüchten, wo Menschen wegen ihres Glaubens getötet werden, müsse einfach geholfen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2015
Von Heike Liesaus

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