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Wäscherei-Abriss: Eilenburg bleibt hart

Nordring Wäscherei-Abriss: Eilenburg bleibt hart

Wie soll es weitergehen mit der Reinigung Wagner? Die Gebäude kommen weg. Das Projekt Grünanlage Nordring wird nach fast zehn Jahren vollendet, so der letzte Entscheid im Eilenburger Stadtrat. Der Beschluss zur letztmaligen Verlängerung ihres Mietvertrages fiel aufgrund falscher und unvollständiger Informationen, sagt dagegen Wäscherei-Inhaberin Cornelia Wagner.

Die Wäscherei am Eilenburger Nordring soll nach wie vor abgerissen werden.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Cornelia Wagner und ihre Kunden sind nach wie vor in Ungewissheit. Wie geht es weiter mit ihrem Reinigungsbetrieb am Eilenburger Nordring 14? Seit 25 Jahren betreibt sie die Reinigung, hat eine halbe Million investiert, noch in D-Mark. Doch nicht allein Geld, sondern einen großen Teil ihrer Person hat sie eingebracht, sich kaum eine ruhige Stunde gegönnt, weder Urlaub noch Wochenende. Anfangs gab es die Perspektive, das Gebäude vom damaligen Eigentümer zu übernehmen. Doch die Stadt kaufte das Objekt, als sie den Grüngürtel am Nordring anlegte. Das kleine Gehöft sollte wie viele andere Gebäude abgerissen, die Wäscherei mit Fördermitteln umgesiedelt werden. Dann gab es die Idee, zu sparen und abzuwarten bis Cornelia Wagner in Rente geht. So wurde der Mietvertrag immer wieder verlängert. Aber im Ende 2015 gefassten Beschluss des Stadtrates stand: „letztmalige“ Befristung bis Ende 2016. Nun will die mittlerweile über 60-jährige Inhaberin zwar tatsächlich irgendwann in den Ruhestand gehen, aber ihr Lebenswerk auch übergeben. „Da hängen doch Arbeitsplätze dran.“ Und dass hätte sie im Vorfeld auch klar gemacht. Offenbar sei das nicht so an die Stadträte weitergeben worden.

Zweifel an Nachfolge

Warum hält der Stadtrat an den Abriss-Absichten fest? Ellen Häußler, Vorsitzende der Bündnis-Fraktion, ist nicht der Meinung, dass aufgrund mangelnder Information entschieden wurde: „Es gibt zwei Fakten: Der Grüngürtel ist mit Fördermitteln gestaltet worden. Außerdem weiß Frau Wagner schon sehr lange von der Problematik. Aber es ist auch klar: Die Wäscherei könnte heute in dieser Form an einem solchen Standort nie wieder genehmigt werden. Wir wollten die Existenz von ihr nicht gefährden. Doch sie sollte ihrerseits ein schlüssiges Konzept zur Perspektive vorlegen. Der als Nachfolger avisierte Sohn arbeitet noch nicht in der Firma. Ist er überhaupt dafür qualifiziert?“, nennt sie ungeklärte Punkte.

Betrieb ist ausgelastet

„Was sollen denn Zahlen?“, fragt Cornelia Wagner. „Der Betrieb ist ein Selbstläufer. Wir haben bis unter den Stehkragen zu tun.“ Ihr Sohn habe aufgrund des Schwebezustandes, in dem sich der Betrieb befindet, vorerst keine Perspektive gesehen. Aber er würde sein Beschäftigungsverhältnis als Schlosser lösen und die Wäscherei übernehmen. Derzeit sitzt er während der Ernte von früh bis spät auf dem Mähdrescher. Aber er habe sich bereits bei einem Gespräch mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Hubertus Wacker vorgestellt, der vor einem Jahr aus dem Amt schied. Sein Amtsnachfolger Ralf Scheler (parteilos) wunderte sich über den Brief, den er Ende Juni erhielt: Die Inhaberin habe anfangs zwar noch von der Weiterführung des Betriebes geschrieben. Dann aber beantragt, das Objekt zu kaufen oder den Mietvertrag bis zu ihrem Renteneintritt im Jahr 2021 weiterzuführen. „Das klingt doch wieder so, als ob sie in Rente geht und schließt“, so Scheler. Ein Missverständnis, erklärt wiederum Wagner. Die Formulierung sei ihr von der Handwerkskammer aus rechtlichen Gründen angeraten worden. Mittlerweile hat sie ihre Weiterführungs-Absicht in einem weiteren Brief klargestellt.

Hoffnung auf Erhalt

Stadtrat Hans Poltersdorf (CDU) setzt sich für die Reinigung ein: „Sie würde auch eine Versorgungslücke hinterlassen. Wir sollten hoffen, dass dieser zentrale Standort auch im Sinne der älteren Bürger erhalten wird.“ Eine entsprechende Beschlussvorlage, die den Entscheid zur letztmaligen Verlängerung aufhebt, zu verfassen und sie den Räten zur Entscheidung vorzulegen, liege bei der Stadtverwaltung. Das sieht der derzeitige Fraktionsvorsitzende Volker Enigk (CDU) anders: „Wer davon überzeugt ist, müsste das als Vorschlag einbringen. Die Verwaltung hat dazu keinen Anlass.“

Heftiger Streit

Ähnlich Jürgen Prochnow, Fraktionschef Die Linke: „Wir haben viel Geduld bewiesen. Es wurde auch schon mal über den Verkauf verhandelt. Es gab heftigen Streit über die Kaufsumme. Die Stadt möchte nun die Sanierung durchsetzen.“ Torsten Pötzsch (SPD) stellt klar: „Uns wurde gesagt, dass Frau Wagner die Absicht hat, das Geschäft weiterzuführen. Aber sie ist nicht die Jüngste und konnte nicht klarstellen, dass die Verwandtschaft weitermacht. Der Sohn ist kaum in Erscheinung getreten. Was als Konzept vorgelegt wurde, hat nicht überzeugt, sodass befürchtet werden muss: Ihre Pläne gehen nicht auf, und das Gebäude steht irgendwann doch leer.“

Unterschriften und Stadtausschuss

Im nächsten Stadtausschuss am 22. August soll noch einmal in nichtöffentlicher Sitzung über die Wäscherei gesprochen werden. Cornelia Wagner sammelt in ihrem Geschäft erneut Unterschriften. Und stellt nach wie vor die Frage: „Warum eine Grünanlage statt einer laufenden Wäscherei?“

Von Heike Liesaus

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