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Eilenburg Waldbesitzer plant Ruheforst in der Gemeinde Zschepplin
Region Eilenburg Waldbesitzer plant Ruheforst in der Gemeinde Zschepplin
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21:00 24.08.2018
Auf der kleinen Lichtung mitten im Wald soll die Andachtstelle mit Holzkreuz und Sitzgelegenheiten entstehen. Ruhebiotope nennt man die Bäume oder auch Steine und alle anderen Stellen an denen die Urnen beigesetzt werden. Die vorhandenen Wege werden wieder nutzbar gemacht um möglichst wenig in den vorhandenen Wald einzugreifen. Quelle: Wolfgang Sens
Zschepplin/Noitzsch

Bekommt die Gemeinde Zschepplin einen Ruheforst? Auf der Tagesordnung im öffentlichen Teil der Zscheppliner Gemeinderatssitzung am Dienstagabend steht zumindest die Vorstellung eines Konzeptes zum Betreiben eines Ruheforstes. Es wäre der erste im Landkreis Nordsachsen. Ruheforst ist einer der markenrechtlich geschützten Begriffe für einen Bestattungswald, in dem eine Beisetzung von Totenasche in Urnen möglich ist. Die Grabstelle wird ausgewiesen, ist als solche jedoch nicht erkennbar. Eine individuelle Pflege wie auf herkömmlichen Friedhöfen ist unmöglich und auch unzulässig. Derzeit gibt es mit der RuheForst GmbH und der FriedWald GmbH zwei große Gesellschaften in Deutschland, die mit Partnern wie Kommunen, Privaten Waldbesitzern, Religionsgemeinschaften, Kirchen, Ländern und anderen Waldeigentümern zusammen arbeitet und Unterstützung beim Betreiben von Bestattungswälder gibt. Deren Konzepte können diese durch eine Art Franchise-Unternehmen nutzen.

Verschiedene Initiativen laufen

Im Bereich des Regierungspräsidiums Leipzig gibt es derzeit im Planitzwald bei Bennewitz auf einer Fläche von 65 Hektar einen FriedWald für Bestattungen. Er war der erste seiner Art in Sachsen und wurde 2015 eröffnet. Inzwischen gibt es weitere. Eine exakte Zahl zum Vorhandensein von Bestattungswäldern in Deutschland gibt es derzeit nicht. Fest steht, dass nicht nur Kommunen und Privatpersonen einen solchen Forst betreiben. Die Evangelische Landeskirche Mitteldeutschland bietet beispielsweise in der Harzregion eine solche Möglichkeit zur Bestattung. Auch Kommunen in verschiedenen Bundesländern haben in ihrem eigenen Wald Bestattungswälder angelegt. Zudem gibt es auch in landeseigenen Wäldern von Staatsbetrieben bewirtschaftete Bestattungswälder, wie beispielsweise in Schleswig-Holstein.

Der Noitzscher Marcel Aé hat sich schon seit mehr als zehn Jahren mit dem Gedanken getragen, in seinem Privatwald zwischen Hohenprießnitz und Noitzsch einen Teil seines Forstes in einen Bestattungswald zu verwandeln. In den letzten eineinhalb Jahren hat er das Vorhaben forciert. „Den Ausschlag gab jetzt eine Begegnung mit Nachbarn, die sich im benachbarten Bundesland über eine solche Möglichkeit der letzten Ruhestätte informieren wollten. Ich habe sie dabei begleitet“, erzählt der 45-jährige Noitzscher.

Im Blick hat er auch den demografischen Wandel. Nach der Wende wanderten viele junge Leute in die westlichen Bundesländer ab und weil die Frage, wer später einmal das Familiengrab vor Ort pflegen soll, vermehrt nicht beantwortet werden kann, sei eine Bestattung in einem Wald eine angemessene Lösung. Zudem sei deutschlandweit die Zahl derartiger Bestattungen stark angewachsen. Auch, weil die Kosten niedriger gegenüber herkömmlicher Möglichkeiten liegen.

Marcel Aé führte verschiedene Informationsbesuche bei Bestattungswaldbetreibern sowie in verschiedenen Anlagen durch. Bei der RuheForst GmbH fand er einen möglichen Partner. Deren Konzept soll nun zur öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgestellt werden.

Zustimmung der Gemeinde notwendig

Das ist notwendig, denn nach den Bestattungsgesetzen der Bundesländer können Friedhofsträger in der Regel nur Gemeinden oder öffentlich-rechtliche Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sein. Die Friedhofsträger können jedoch private Dritte mit der Errichtung und dem Betrieb des Friedhofs beauftragen. Der öffentliche Träger schließt dazu mit dem Unternehmen einen öffentlich-rechtlichen Vertrag, bleibt jedoch für die Erfüllung der mit der Trägerschaft verbundenen Pflichten verantwortlich. Zudem muss die jeweilige Untere Forstbehörde dem Vorhaben zustimmen. Nach dem Sächsischen Waldgesetz muss ein Antrag auf nichtforstliche Mitbenutzung gestellt und genehmigt werden. Der Waldeigentümer muss im Falle einer behördlichen Zustimmung klar sein, dass er den Forstschutz trotzdem sicher stellen muss und Bestattungswald jagdfreie Zone ist. Der entsprechende Wald behält auch 20 Jahre nach der letzten Beisetzung noch den Status eines Bestattungswaldes.

Zschepplins Bürgermeisterin Roswitha Berkes (parteilos) hat die Vorstellung des Vorhabens vor den Räten ihrer Gemeinde öffentlich gemacht. Kirchgemeinde und Einwohner sollen die Möglichkeit erhalten, sich umfassend zu informieren. Eine Entscheidung stehe jetzt noch nicht an.

Von Bärbel Schumann

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