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Eilenburg Wann kommt er zurück? Eilenburgs Angler warten auf den Mulde-Lachs
Region Eilenburg Wann kommt er zurück? Eilenburgs Angler warten auf den Mulde-Lachs
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09:29 28.07.2016
Angler wie René Wagner müssten die Finger natürlich vom Lachs lassen. Aber sie würden die Fische gern wieder in der Mulde sehen.  Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

 Wo bleibt der Lachs? Es ist nicht so, dass ihn die Eilenburger Angler gleich fangen und essen wollten – oder dürften. Aber den Salmo salar wieder zu den heimischen Fischen zu zählen – das wär’s. Im Kollauer Wehr, auch Boberitzer Damm genannt, gibt es eine Fischtreppe. Doch möglicherweise ist der Wanderer zwischen Atlantik, wo er groß wurde, und den Bächen des Muldesystems, wo er seine Kindheit verlebte und wo er erwartet wird, um seinerseits für Nachwuchs zu sorgen, damit vielleicht nicht zufrieden.

Mulde war Hauptverbreitungsgebiet der Lachse

Immer im Mai setzen seit mehr als einen Jahrzehnt Petrijünger des Anglerverbandes Südsachsen (AVS) Hunderttausende Babylachse im Flüsschen Chemnitz und in der Zwönitz aus. „Die Eier stammen aus Schweden. Die Brütlinge werden in einer Zuchtanlage in der Sächsischen Schweiz aufgezogen“, sagt Uwe Bockmann, der für die Gewässerbewirtschaftung beim in Chemnitz ansässigen AVS verantwortlich ist. Die Petrijünger sind in diesem Fall Auftragnehmer. Denn das Wiederansiedlungs-Programm wird vom Freistaat Sachsen finanziert. „In der Elbe wurden im 19./20. Jahrhundert die letzten Lachse gefangen. In der Mulde war schon eher Schluss“, so Bockmann. „Dabei ist das Muldesystem früher das Hauptvermehrungsgebiet der Lachse gewesen.“

Der letzte Eilenburger Fischer holt seine Netze in den Zuchtteichen ein. Quelle: Museum Eilenburg

Einst war auch der Eilenburger Fischmarkt gut versorgt mit „viel und mancherley herrlichen“ Fisch aus heimischem Gewässer wie der Chronist Simon schreibt: „Parmen, Aal, Hechte, Mulden-Karpfen, Weiß-Fische, Bleyen, Grundlinge, Perschke, Schleyen, Karauschen, Aalraupen, Neunaugen“. Doch auch er vermerkt schon 1696: „Es sind zwar vor diesen auch viel Lachse allhier gefangen und vor billichen Preiß verkaufft worden/so aber nun eine zeithero/nachdem das grosse Wehr oder Lachs-Fang zu Deßau wieder gebauet und angerichtet worden/ganz außen geblieben.“ Mit der Industrialisierung wurde das Wasser in den Flüssen schmutziger, die Fische weniger und so lässt sich vermuten: Der Großteil der Waren, den die letzten Eilenburger Berufs-Fischer anboten, kam aus den Zuchtteichen. „Immerhin muss diese Innung recht wohlhabend gewesen sein“, schätzt Eilenburgs Museumsleiter Andreas Flegel. Denn die Innungslade, die in der stadtgeschichtlichen Ausstellung präsentiert wird, glänzt mit einer recht prächtigen Ausführung. „Letztlich stehen wir auch in dieser Tradition“, befindet René Wagner, Vorsitzender des Sportfischervereins Petri Heil. Die Zahl der Hobby-Angler in Eilenburg und Umgebung wird heute immerhin auf zirka 500 geschätzt.

Bei Dessau viele Lachse beobachtet

Aber was macht der Lachs? Nach zwei Jahren in der erzgebirgischen Fluss-Kinderstube ist er 18 bis 20 Zentimeter lang, silbrig wie ein Hering und bereit für die große Reise zum Atlantik. „Diesen Weg flussabwärts, an all den Städten wie Wurzen, Eilenburg und Bad Düben vorbei, schaffen die Fische ganz gut“, schätzt Gewässerbewirtschafter Bockmann. Schließlich hat sich die Wasserqualität stark verbessert. Doch der Lachs ist in vielen Lebenssituationen stark gefährdet: Wasserkraftanlagen, Fischerei im Mündungsbereich, der Kormoran, der sich in den vergangenen 15 Jahren stark verbreitet hat, setzen ihm zu. So schwimmt nur ein Bruchteil der Lachse nach den Jahren im Meer über die Elbe wieder den Muldefluss hinauf. „Immerhin wurden unterhalb des Dessauer Stadtwehrs bereits viele Lachse beobachtet, die aufwärts wollen“, erklärt Bockmann. Aber noch schaffen sie das nicht. Bis auf wenige Ausnahmen: „Ein Exemplar hat ein Angelfreund gesichtet, allerdings war es offenbar krank“, berichtet René Wagner. Nach dem Hochwasser 2013 hatte auch ein Angler an der Freiberger Mulde Lachs-Glück: Und dieses stattliche Exemplar muss schließlich auch irgendwie an Eilenburg vorbeigeschwommen sein.

Fischtreppe am Muldestausee

Seit November wird die Mulde am Stadtwehr in Dessau-Roßlau für Wanderfische wieder passierbar gemacht. Mit der Fischpassage sollen die länderübergreifend geplanten Wiederansiedlungs- und Artenschutzprogramme für Atlantischen Lachs, den Europäischen Stör und Aal erfolgreich umgesetzt werden, so das Umweltministerium Sachsen-Anhalts. „Mit dem Umbau des Stadtwehrs wird auch das letzte Hindernis für die Rückkehr von Lachs und Co. beseitigt. Die Wanderfische können so wieder zu ihren ursprünglichen Laichplätzen gelangen. Die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit wird auch die im Einzugsgebiet der Mulde erforderliche Artenvielfalt positiv beeinflussen“, erklärte der damalige Umweltminister in Sachsen-Anhalt Hermann Onko Aeikens. Die Umgehungsrinne ist 263 Meter lang. Kosten dafür plus Wehrerhöhung sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen: rund 7 Millionen Euro. Geplante Fertigstellung: 2017. Bereits vor sechs Jahren wurde auch der flussaufwärts liegende Muldestausee ökologisch durchgängig gemacht. Denn mit der Flutung des ehemaligen Braunkohletagebaus war 1976 an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt eine weitere unüberwindbare sechs Meter hohe Barriere entstanden. Mittlerweile soll auch die Fischtreppe in Pouch die richtigen Strömungswinkel haben, um den Flossentieren reale Aufstiegschancen zu bieten.

Junge Lachse vor dem Aussetzen. Quelle: dpa

In der Elbe läuft es schon ein wenig besser: Im Frühjahr 1995 kamen die ersten Brütlinge in die Bäche des Lachsbachsystems. Ende Oktober 1998 wurde am Rathmannsdorfer Wehr der erste wiedergekehrte Lachs nach 68 Jahren gefangen. Doch nach wie vor kann nicht von einer sich selbst reproduzierenden Population gesprochen werden, informiert der Nationalpark Sächsische Schweiz. So werden jährlich 200 000 bis 350 000 Jungfische ausgesetzt. Der Lachs wird in Elbe und Mulde wohl noch lange gestreng geschützt bleiben müssen.

Lachse angeln ist nicht erlaubt

Der Eilenburger Anglervereins-Chef René Wagner blickt für sich und die Hobby-Fischer-Zunft optimistisch in die Zukunft: „In fünf bis zehn Jahren ist der Lachs wieder in der Mulde. Und dann wird es nochmal zehn Jahre dauern, bis wir ihn hoffentlich auch angeln dürfen.“ Immerhin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel geändert: Zu DDR-Zeiten schäumte das schmutzige Wasser am Kollauer Wehr. „Bis heute sind zum Beispiel Zander, Welse, geschützte Barben in den Fluss zurückgekehrt“, zählt Wagner auf. „Selbst eine Forelle ist schon in der Mulde gefangen worden.“

Von Heike Liesaus

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