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Waren aus der Firma gestohlen – Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Justiz Waren aus der Firma gestohlen – Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Zwei Jahre lang hat ein 30-Jähiger seine Firma, in der er ausgebildet wurde und als Außendienstmitarbeiter tätig war, bestohlen und einen Schaden von über 20 000 Euro verursacht. Die Eilenburger Amtsrichterin Petra Wendtland verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das Amtsgericht Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. „Es war von mir eine riesengroße Dummheit“, sagte Matthias S. (Name geändert). Es sei nicht entschuldbar, was er über einen Zeitraum von fast zwei Jahren getan habe, betonte der 30-Jährige vor der Eilenburger Amtsrichterin Petra Wendtland. Die hatte allerdings eine ganz andere Wahrnehmung. „Was sie getan haben, war einfach kriminell.“ Zudem warf sie ihm vor, bewusst und dreist gehandelt zu haben, als er die aus einem Warenlager in Schkeuditz gestohlenen Gegenstände auf einem eigens eingerichteten Account einer Internetplattform verkaufte. Insgesamt sei dadurch seinem ehemaligen Arbeitgeber, einem Fachgroßhändler für Haustechnik, ein Schaden von über 20 000 Euro entstanden.

Diebstahl und Unterschlagung

Doch das war nicht der einzige Vorwurf, der in der Anklage des Staatsanwaltes Thomas Kannegießer zur Sprache kam. Matthias S. soll zudem in drei Fällen als Außendienstmitarbeiter Waren bestellt und ausgeliefert, die bar erhaltene Bezahlung jedoch nicht an seinen Arbeitgeber weitergereicht haben. Dabei handelte es sich um Beträge zwischen knapp 4000 und 8000 Euro. Strafbar als Unterschlagung in drei Fällen.

Verständigung auf Höchststrafe

Richterin Wendtland bot Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Verständigung an. Vorausgesetzt, der nicht vorbestrafte Angeklagte legt ein umfassendes Geständnis ab, könnte sie sich eine Obergrenze der Strafe bei einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsentzug vorstellen, die zur Bewährung ausgesetzt werden können. Eine Wiedergutmachung des Schadens als Auflage schloss sie aus, weil bereits ein vollstreckungsfähiges Schuldanerkenntnis vorliege.

Inventurdifferenzen sind normal

Beide Seiten stimmten dem Vorschlag zu. Unmittelbar danach bestätigte der Angeklagte, die ihm vorgeworfenen Taten begangen zu haben. Völlig unverständlich war der Richterin, dass über einen solchen relativ langen Zeitraum nicht bemerkt wurde, dass etwas fehlt. Der Angeklagte erklärte dazu, dass es sich um ein riesiges Lager gehandelt habe. Bei Inventuren kam es zwar zu Differenzen, aber die seien normal. „Es hat nie Verdachtsmomente gegen mich gegeben“, betonte Matthias S. Als Motiv für die Taten nannte er Geldprobleme. Die Freundin habe ihn verlassen und die Möbel mitgenommen. Auch sei sein Motorrad gestohlen worden. Auf dieses Statussymbol wollte er aber nicht verzichten. Vor seiner neuen Freundin präsentierte er sich zudem finanziell sehr freigiebig. „Ich wollte das Leben genießen.“ Als Außendienstmitarbeiter habe er sich zudem um die Kunden zu kümmern, sie „zu bespaßen“. Dafür habe er jeden Euro selbst aufbringen müssen.

Enorme Schuldenlast

Als sein Fall aufflog, bot sein Arbeitgeber ihm an, auf eine strafrechtliche Verfolgung zu verzichten, wenn er das Schuldanerkenntnis unterschreibt. Obgleich der offenbar nachzuweisende Schaden etwas über 20 000 Euro betrug, muss er dem Unternehmen 100 000 Euro zurückzahlen. Zudem hat der Angeklagte noch eine Reihe privater Kredite, die sich auf etwa 16 000 Euro summieren. Die Schuldenlast ist somit enorm.

Matthias S. hat selbst gekündigt und arbeitet jetzt bei einem seiner größten ehemaligen Kunden. Es tue ihm alles sehr leid und er wolle jetzt nur noch ein schnelles Endes des Verfahrens.

Der Staatsanwalt blieb bei seinem Antrag bei der zuvor vereinbarten Höchststrafe. Die Verteidigung schloss sich an. Richterin Wendtland hielt sich ebenso an die Absprache. Die Freiheitsstrafe von 14 Monaten wird zur Bewährung ausgesetzt, Bewährungszeit zwei Jahre. Zudem muss der Angeklagte 150 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten.

Von Ditmar Wohlgemuth

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