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Eilenburg Wartungsarbeiten an Eilenburger Papiermaschine: Viel Bewegung im Stillstand
Region Eilenburg Wartungsarbeiten an Eilenburger Papiermaschine: Viel Bewegung im Stillstand
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23:59 07.05.2014

Zwar rotiert die Papiermaschine nicht, aber ihre Walzen, Leitungen, Motoren werden gewartet, gereinigt, ausgetauscht. 255 Monteure von 88 Firmen führen, unterstützt von den Eilenburgern, die jährliche Instandhaltung durch.

Die Ohrstöpsel, die sonst für jeden Besucher am Eingang der Maschinenhalle in einem Behälter bereit stehen, sind dieser Tage unnötig. Im Vergleich mit dem sonstigen Geräuschpegel fallen die Laute von Kranmotoren, Flexgeräten, Schraub- und Reinigungswerkzeugen kaum ins Gewicht.

Erst seit Sonntag fehlt der Atem der Papiermaschine, die Wasserdampfwolke, die nach der Wärmerückgewinnung sonst immer über der Anlage schwebt. Aber schon in der heutigen zweiten Schicht ab 14 Uhr soll wieder Papier hergestellt werden. "Das Zeitfenster ist klein", stellt Dietmar Kohl, Betriebsingenieur für Mechanik und Arbeitsvorbereitung, fest. Er ist der Verantwortliche für die Koordination und Organisation dieser großen Inspektion. "100-prozentig sicher sein, dass nicht doch noch ein kaputtes Teil entdeckt wird, kann man nie sein. Aber bis jetzt hat es immer geklappt."

So nah wie jetzt lässt die riesige Anlage sonst keinen an sich  heran. An vielen Stellen sind deshalb Kameras installiert, die die Abläufe im Bauch der Maschine überwachen. Nun wird dort gearbeitet. Selbst das Innere der 31 Trockenzylinder ist zu reinigen. Dietmar Kohl zeigt die Öffnungen, in die die Männer mit Einmalanzügen und Staubsaugern einsteigen. Nichts für Klaustrophobiker. An anderer Stelle putzen Papierwerker die riesige Metalloberfläche. Dort haften die Reste von Klebstoffen aus dem Altpapier, die zum Beispiel von Etiketten stammen. Anderswo werden Motoren inspiziert, wird entrostet und neue Farbe aufgetragen, werden Updates für die Steuerung der Prozesse aufgespielt.

Um eine breiige Masse aus Wasser und Altpapierfasern in eine makellose, glatte, weiße Bahn zu verwandeln, rotieren Walzen, die Wasser entziehen, mal per Vakuum, mal mit Wärme, Walzen, die das Papier pressen und glätten. Sie wiegen zwischen 40 und 50 Tonnen. Allein zwölf davon werden beim Stillstand 2014 ausgetauscht. Da muss sogar koordiniert werden, wann die beiden Kräne in der Halle für welche Walzen zur Verfügung stehen.

Zirka 1,5 Millionen Euro kostet allein diese Inspektion. Die mittlerweile 20 Jahre alte Dame hat die pflegenden Eingriffe nötig, um arbeitsfähig zu bleiben. Schließlich macht sie jeden Tag zwischen 800 und 1000 Tonnen Papier. Dabei ist schon einmal im Monat ein kleiner Stillstand angesagt, um Siebe und Filze auszutauschen. Die geplanten Unterbrechungen vermeiden die ungeplanten. Schon eine gerissene Filzbahn könnte tagelangen Ausfall und teure Reparaturen verursachen. "Papier und Filz gehen zwischen den Walzen durch. Da ist nur vier Millimeter Abstand", erklärt der Betriebsingenieur. Es sei vorstellbar, was bei den Rotationsgeschwindigkeiten passiert, wenn sich dort plötzlich ein Filz-Papier-Bündel verheddert. Das  habe er aber in seiner neunjährigen Betriebszugehörigkeit gerade einmal  erlebt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2014

Heike Liesaus

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