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Eilenburg Waschbären werden immer mehr zur Plage in Eilenburg
Region Eilenburg Waschbären werden immer mehr zur Plage in Eilenburg
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19:09 09.10.2017
Waschbären kommen fast überall ran. Ungesicherte Mülltonnen machen es ihnen besonders leicht. Quelle: picture-alliance / dpa
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Eilenburg

Von wegen reiche Ernte: Egal, ob Äpfel oder Pfirsiche – alles pfutsch. Der Waschbär war’s. Und was tut die Stadt dagegen? So die Frage einer Eilenburgerin, die sich dieser Tage über den wiederholten Raub in ihrem Garten an der Uferstraße ärgerte: „Schließlich startet Sachsen doch eine Initiative gegen Waschbären.“ Doch das Rathaus muss passen. Hier seien in erster Linie die Jäger zuständig.

Heinz Hoheisel ist einer der Eilenburger Jagdpächter. Zu seinem Revier gehört auch die Uferstraße. „Dort ist ständig Besuch“, sagt er. Im Durchschnitt zehnmal pro Jahr wird er gerufen, wenn es um einen gefangenen Waschbären geht. Während Garteneigentümer sich wegen der Früchte ärgern, geht es dem Jäger vor allem um das, was der possierliche Einwanderer in der heimischen Tierwelt anrichtet. Fasan, Hasen, Rebhuhn und Enten sind besonders bedroht. Aber nicht allein Bodenbrüter seien betroffen, sondern auch Bussard, Milan, und Habicht. „Wir haben hier mittlerweile drei solcher Räuber. Neben dem Waschbären auch noch den Mink und den Marderhund“, erklärt Hoheisel. Allesamt sind über Pelztierfarmen ins Land gekommen.

In der Falle

Michael Krause, ebenfalls Jagdpächter, wohnt im Eilenburger Ortsteil Hainichen. Er hat auf dem eigenen Grundstück viele Waschbären gefangen. „Im vorigen Jahr zu bestimmten Zeiten jeden Tag einen. Weil jetzt ein Hund da ist, kommt er nicht mehr so oft.“ Trotzdem: Zwischen 30 und 40 Tiere seien es in diesem Jahr gewesen, die allein in Hainichen in Fallen gingen und dann geschossen wurden. Er weiß aber vom Jagdgenossen, der das Gelände um die Wurzener Landstraße im Revier hat, dass er es auf um die 100 erlegte Waschbären im Jahr bringt. Hauseigentümer wenden sich auch an die Jäger, weil Waschbären in Gebäude einziehen, Dachziegel und Dämmung abräumen. Zudem haben die Tiere die Angewohnheit, sich in einer Ecke ihrer Behausung eine „Toilette“ einzurichten. Das ergibt an dieser Stelle noch ganz spezielle Schäden.

Bundesweite Studie beantragt

Dass eine Sachsen-Initiative schnell ins Praxis-Stadium eintritt, ist nicht anzunehmen: Vorerst ist davon die Rede, die „Ausbreitung des Waschbären und mögliche Bekämpfungsstrategien“ bundesweit in einer Studie zu untersuchen. Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) beantragte das bei der Herbsttagung der Landes-Agrar-Minister. Deutschlandweit stieg die Waschbären-Jagdstrecke seit dem Jahr 2000 um das 14-fache. Und es gibt Schäden beim professionellen Obst- und Weinbau. „Das ist sicher auch nicht mehr in den Griff zu bekommen“, schätzt Heinz Hoheisel. Er erinnert sich, dass der Abschuss des ersten Waschbären in der Region bei Machern vor rund 50 Jahren eine Sensation war. Damals wurden die Tiere noch als Trophäen präpariert. Heute sind die Felle nicht mehr gefragt und die gefangenen Tiere bekommen die Jäger quasi ins Haus getragen. Und das sei nur ein Teil. „Manche setzen sie auch im Wald aus. Dort überleben sie auch. Sie finden sich überall ein, sind eher gesellige Tiere.“ Tierschützer versuchen natürlich, das Leben zu retten. „Töten sollte nie eine Option sein. Der nächste Waschbär wird nachkommen“, so die Argumentation auf der Rettet-den-Waschbären-Website. Besser sei es, den Einzug der Tiere zu verhindern.

Nachdenken über Abschussprämie

Doch den passiven Schutz sieht Michael Krause nicht als Lösung: „Wenn sie nicht auf Grundstücken Futter finden, richten sie Schäden in der Natur an. Es wurden vom Naturschutz ja schon Kragen um Bäume gezogen, um die Milannester zu schützen. Aber das lässt sich nun mal nicht um jeden Baum anbringen“, erzählt er. „Es muss etwas von der Politik gemacht werden.“ Er denkt an eine Abschussprämie, wie sie bis vor vier Jahren für die Füchse wegen der Tollwutausbreitung galt.

Von Heike Liesaus

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