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Eilenburg Wendt bleibt im Bundestag für Nordsachsen – AfD zweitstärkste Kraft
Region Eilenburg Wendt bleibt im Bundestag für Nordsachsen – AfD zweitstärkste Kraft
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10:42 25.09.2017
Musste herbe Verluste einstecken, zieht aber trotzdem erneut in den Bundestag ein: CDU-Kandidat Marian Wendt. Quelle: privat
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Nordsachsen

Marian Wendt bleibt direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für Nordsachsen. Er kam am Sonntag auf 32,8 Prozent der Erststimmen. Dahinter folgen Detlev Spangenberg (AfD, 26,8 Prozent), Susanna Karawanskij (Linke, 17,2 Prozent), Rüdiger Kleinke (SPD, 14 Prozent), Christoph Waitz (FDP, 6,6 Prozent) und Jörg Bornack (Grüne, 2,6 Prozent). Bei den Zweitstimmen erhielt die CDU 29,4 Prozent und lag damit knapp vor der AfD (26,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Linke (14,7 Prozent), SPD (12,5 Prozent), FDP (7,9 Prozent) und Grüne (2,6 Prozent)

Marian Wendt holt sich knapp das Direktmandat

Von einer Wahlparty konnte bei der Zusammenkunft der nordsächsischen Christdemokraten im Torgauer Bootshaus wohl keine Rede sein. „Bleiben wir entspannt und schauen uns die eingehenden Zahlen an“, sagte Marian Wendt (32) bei der Begrüßung kurz nach dem Schließen der Wahllokale. Von Ausgelassenheit keine Spur. Erst nachdem etwa ein Drittel der Gemeinden ausgezählt waren, gab es so etwas wie eine leichte Entspannung, als sich abzeichnete, dass Wendt das Direktmandat für die CDU holt. Als der erste Nebel aus der Elbe hochstieg, zeichnete sich der Sieg von Wendt ab, der knapper ausfiel, als gedacht. „Dass unser Wahlergebnis auf der gleichen Höhe wie das der AfD liegt, ist unglaublich“, kommentierte Frank Kupfer, der Fraktionschef der Christdemokraten im sächsischen Landtag, das Ergebnis. In den Augen vieler Gäste der Wahlparty war echte Ratlosigkeit zu sehen. „Ich werde am Montagnachmittag an der Sitzung der sächsischen Landesgruppe teilnehmen. Dort werden wir die Zahlen noch einmal auswerten und der Gang wird mir nicht leicht fallen“, so Wendt, der viele Hände zu schütteln hatte. Als Gratulanten mit Sorgenfalten waren neben Landrat Kai Emanuel auch zahlreiche CDU-Bürgermeister und Parteimitstreiter gekommen.

AfD-Mann Spangenberg zieht trotzdem in den Bundestag

Knapp hinter Wendt belegte Detlev Spangenberg, der Direktkandidat der AfD für Nordsachsen, den zweiten Platz. Der Sitz im Bundestag ist ihm aber dennoch gewiss – der 73-Jährige wird über die Landesliste seiner Partei ins Parlament einziehen, wie er am Sonntagabend sagte. Dass ihm mehr als jeder vierte Nordsachse die Stimme gegeben hat, sieht er vor allem als „sportlichen Erfolg“, als „Prestigefrage“. Überrascht sei er aber nicht vom guten Abschneiden seiner Partei in Nordsachsen wie auch im Bund gewesen. Wenn man die „schlechte Politik“ der anderen Parteien sehe, hätten es eigentlich noch viel mehr Stimmen sein müssen. Rezept auch seines Wahlkampfes sei der Bodenkontakt gewesen. „Ich habe den Menschen im Wahlkampf auch in den kleinen Orten direkt Auge in Auge gegenübergesessen.“ Und gerade das Thema Flüchtlinge, mit dem die Partei beim Wahlkampf bundesweit vor allem punkten konnte, habe auch in Nordsachsen eine große Rolle gespielt. Daneben sei es ihm aber auch um Themen wie Euro, Bildungspolitik (das Aus für die deutschen Abschlüsse) und soziale Themen gegangen.

Spangenberg, wohnhaft in Radebeul, sieht sich auch im Bundestag als Vertreter Nordsachsens. Ein Büro in Oschatz hat er schon, ein weiteres will er als Bundestagsabgeordneter neu in Nordsachsen eröffnen, vermutlich in Eilenburg.

Linke und SPD verlieren

Linke und SPD haben indes wenig Grund zum Feiern: SPD-Herausforderer Rüdiger Kleinke (48) hat ein schlechteres Ergebnis eingefahren als SPD-Kandidat Heiko Wittig vor vier Jahren. Die SPD in Nordsachsen ist abgerutscht in der Wählergunst, landete auf Platz vier. Kleinke, der in Beerendorf bei Delitzsch wohnt, bezeichnete das Wahlergebnis als „wirklich herb“ und „böse Niederlage“. Er sei „sehr enttäuscht“. Der Wahlausgang zeige, „dass wir uns hier neu ordnen und schauen müssen, dass wir Themen, die den Wähler interessieren, besser anpacken und lösen. Die Stärke der AfD sollte jedem zu denken geben“, so Kleinke, der in den vergangenen Wochen wie der CDU-Direktkandidat Wendt einen aufwendigen Wahlkampf im Landkreis betrieben hatte.

Karawanskij: „Armes Deutschland kann ich da nur sagen“

Zu den Wahlverlierern gehört auch Linke-Kandidatin Susanna Karawanskij (37). Von der AfD wurde ihre Partei in Nordsachsen auf Platz drei verbannt. „Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis in Nordsachsen und im Bund“, sagte Karawanskij. Das nordsächsische Ergebnis liege im sächsischen Trend. Ob sie es über den Listenplatz erneut in den Bundestag schafft, steht noch nicht fest; Gewissheit darüber wird sie am Montag haben. Zum Wahlergebnis der AfD fand sie deutliche Worte: „Dass die AfD zweitstärkste Kraft in Nordsachsen geworden ist, ist nicht nur ein gefühlter Rechtsruck, das ist ein Rechtsruck der Gesellschaft. Armes Deutschland kann ich da nur sagen“, so die Leipzigerin.

Von Hagen Rösner, Nico Fliegner und Kay Stolle

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