Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Eilenburg Wenn der Waschbär zur Plage wird
Region Eilenburg Wenn der Waschbär zur Plage wird
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 08.06.2018
Heinz Hoheisel demonstriert auf seinem Grundstück in Hainichen, wie die Lebendfalle funktioniert. Quelle: Fotos: Wolfgang Sens
Hainichen

Der Waschbär hat ganz verschiedene Gesichter. Einerseits sieht er einfach nur niedlich aus. Andererseits raubt er die Eier von Buntspecht, Sperber, Eichelhäher und Co. Im Sommer 2016 hat ihn die Europäische Union deshalb auf die Liste der unerwünschten invasiven Arten gesetzt.

Schwerpunkt liegt auf dem Fangen

Heinz Hoheisel begrüßt das. Er ist einer der sechs Jagdpächter, die auf dem rund 3000 Hektar großen Territorium der Jagdgenossenschaft Eilenburg inzwischen jährlich 100 bis 130 Waschbären fangen oder schießen.

„Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf dem Fangen“, erklärt der Weidgenosse, der immerhin seit 1961 jagt. Das liege zum einen daran, dass es zum Abschuss des vorwiegend nachtaktiven Waschbären nur an wenigen Tagen ausreichend Büchsenlicht gibt. Zum anderen schätzt der 83-Jährige ein, „leben inzwischen vier von fünf Waschbären in bewohnten Siedlungen und Gärten“. Und dort dürfte nun mal aus gutem Grund nicht geschossen werden.

Heinz Hoheisel stellt die Falle, in die ihm bisher schon über 100 Waschbären gegangen sind, allerdings prinzipiell nicht auf seinem Grundstück im Eilenburger Ortsteil Hainichen auf. Denn das sei dank seiner elfjährigen Bessi, eine Deutsch Drahthaar Hündin, die ihn immer auf der Jagd begleitet, ohnehin garantiert waschbärenfrei.

Klappe fällt zu

Die Lebendfalle selbst, so zeigt er, hat einen Ein- und einen Ausgang. Stellt Heinz Hoheisel diese auf einen sogenannten Wechsel, den die Tiere regelmäßig begehen, lässt er beide Seiten der Falle offen. Beim Anködern – wobei er auf Rosinen, Walnüsse, Backpflaumen und auch Hunde-Pellets schwört – reicht dagegen eine offene Seite. Das Prinzip ist immer gleich. Kommt der Waschbär auf das Trittblech im Inneren des Käfigs, löst die Mechanik aus, und die Klappe fällt zu. Der Waschbär ist gefangen.

Warum es sich dabei um eine Lebendfalle handelt? Das habe zum einen den Grund, dass ja auch mal ein anderes Tier reingehen kann. Zum anderen würden natürlich weibliche Tiere, die offensichtlich Nachwuchs haben, laufengelassen. „Kein Jäger lässt die Jungtiere schließlich einfach im Bau verhungern“, stellt Heinz Hoheisel klar.

Beim Rüden sei das anderes. Ihm fällt somit auf die Füße, dass er sich nicht um den Nachwuchs kümmert. Er wird, wie zu anderen Zeiten auch alle Fähen, mit einem Kopfschuss getötet.

Waschbären, die sich im Kindheits- und Jugendalter vor Fuchs, Adler, Uhu und inzwischen auch dem Wolf vorsehen müssen, haben ansonsten keine natürlichen Feinde. Am ehesten sterben sie noch an Krankheiten wie Staupe und an dem Befall durch Parasiten, die auch dem Fuchs zu schaffen machen, oder als Unfallopfer beim Überqueren von Straßen. Dennoch gilt: Die Nachfahren von Tieren, die im 20. Jahrhundert aus Pelztierfarmen und Gehegen entkommen sind, haben sich auch in Nordsachsen kräftig vermehrt. Denn Waschbären, die einmal im Jahr einen Wurf mit zwei bis fünf Welpen haben, können bei Bedarf auch einen zweiten Wurf nachlegen“, weiß Heinz Hoheisel.

Im Siedlungsraum werden viele Tiere satt

Sie profitieren dabei auch von den Menschen. Denn während der Fachmann die Populationsdichte im Wald auf 10 bis 20 Tiere pro 100 Hektar schätzt, könnten im menschlichen Siedlungsraum auf der gleichen Fläche sogar bis zu 100 Tiere überleben. Sie finden in Gartenlauben, Ruinen und Dachböden Unterschlupf, bedienen sich nicht nur an dem Obst in den Gärten. „Überall dort“, so der Eilenburger, „wo sie die Pfoten reinbekommen, greifen sie zu.“ Egal ob das Nistkästen, Nester von Bodenbrütern oder auch unverschlossene Mülltonnen sind, in denen Essensreste locken. Dass sich so mancher dagegen wehrt, begrüßt der Jäger. Auf dem eigenen Grund und Boden darf jeder eine Falle aufstellen, um Raubzeug und Raubwild zu fangen. Aber sie müsse zwingend mindestens täglich kontrolliert werden und für das Töten müsse dann doch ein Jäger oder eine andere befugte Person ran. Und er erzählt zum Schluss: „Als Mitte der 1970er-Jahre bekannt wurde, dass in Brandis der erste Waschbär geschossen wurde, da war das eine Sensation.“ Heute ist er trotz aller Niedlichkeit vor allem eine Plage.

Von Ilka Fischer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf der Ortsumgehung Eilenburg hat es am Morgen einen schweren Unfall gegeben. Dabei kam ein 26-jähriger Mann ums Leben. Die Straße war den ganzen Tag über gesperrt, ist erst seit dem späten Nachmittag wieder frei.

04.06.2018

Spannend und voller Erlebnisse war das dritte Heinzelmännchenfest rund um den Sorbenturm. Dort hatten die Mitglieder des Burgvereins eine Menge für die kleinen Besucher aufgebaut.

04.06.2018

Die Gemeinde Mockrehna plant den Umbau der alten Schule in Wildschütz zu einem Dorfgemeinschaftshaus. Auch Objekte in anderen Dörfern sollen modernisiert werden.

06.06.2018