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Wie nah stand Eilenburgs Bonbon-Fabrikant Arthur Henze dem Nazi-Regime?

Wirbel um Straßenbenennung Wie nah stand Eilenburgs Bonbon-Fabrikant Arthur Henze dem Nazi-Regime?

In Eilenburg gibt es Wirbel um die geplante Bezeichnung einer Straße nach dem früheren Bonbonfabrikanten Arthur Henze. Er war in den 1930er-Jahren Mitbegründer der Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik auf dem Schlossberg und soll dem Nazi-Regime nahe gestanden haben. Deshalb soll es jetzt keinen Arthur-Henze-Weg geben, sondern einen Henriweg.

Wolfram Wenzel von der Baufirma Süß stellt den Straßeneinlauf der Regenrinne für die Erschließungsstraße in dem zukünftigen Wohngebiet auf dem Schlossberg fertig.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Arthur Henze, Mitbegründer der ehemaligen Eilenburger Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik, sorgt derzeit wegen seiner umstrittenen Rolle im Dritten Reich für Irritationen. Deshalb wird es auf dem Schlossberg, wo einst die Zuckerwarenfabrik stand, wohl keinen Arthur-Henze-Weg geben. Olaf Hirsch, Geschäftsführer der früheren Eilenburger Niederlassung der Nachfolge-Firma Henri Süßwaren GmbH und Co. KG, hatte im Zuge der angedachten Straßenbenennung mögliche Verstrickungen des Firmengründers mit dem Nationalsozialismus ins Spiel gebracht. Das habe aber bislang „nicht abschließend und eindeutig recherchiert werden“ können, geht aus der Beschlussvorlage hervor, die den Eilenburger Stadträten jetzt vorlag. Museumschef Andreas Flegel bestätigte dies am Freitag gegenüber der LVZ.

Den Stadtratsbeschluss vom September, der Erschließungsstraße für ein sogenanntes Mischgebiet den Namen Arthur-Henze-Weg zu verleihen, hat das Gremium in dieser Woche so gut wie kassiert, eben weil die Rolle henzes unklar ist. Die Umbenennung in Henriweg – Henri steht für die gleichnamige Süßwaren GmbH – lag wiederum bereits zur Beschlussfassung vor. Die Abstimmung wurde nach kurzer Debatte aber in die nächste Sitzung verschoben. Und Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) beauftragt – auf Anregung von Steffi Schober (CDU) – darüber zuerst mit dem Henze-Nachkommen zu reden, den es noch in Eilenburg gibt. Was Scheler kurzfristig erledigte. „Wir sind übereingekommen, den betreffenden Weg, abweichend vom damals gefassten Beschluss, in Henri-Weg umbenennen zu können. Somit kann das Thema in der nächsten Stadtratssitzung erneut aufgerufen werden“, teilte Scheler mit.

Der Vorlage ist zu entnehmen, dass die neue Straße erst in diesem Monat abgenommen werden soll, bisher noch keine Hausnummern vergeben wurden und auch ein Straßenschild nicht vorhanden ist. Das „Mischgebiet Schloßberg“ entsteht laut Bebauungsplan Nummer 34 auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerwarenfabrik im Umfeld der Klinik des Kreiskrankenhauses. Die Pläne weisen eine individuelle Wohnbebauung aus. Die Erschließungsstraße wird von einem Investor errichtet und soll nach der Fertigstellung an die Stadt übertragen werden.

Arthur Henze und Martin Friedrich gründeten 1903 das Süßwaren-Unternehmen auf dem Berg in Eilenburg. Das Unternehmen produzierte Bonbons. Zirka 50 Beschäftigte hatte das Unternehmen 1914, dreimal so viel waren es 1930. Seit dem 29. August 1922 firmierte der Betrieb als Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Henze AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Eilenburger Unternehmen, darunter auch die Firma Henze A.G., enteignet. Als VVB/VEB Süßwaren bestand der Betrieb weiter. Der Markenname änderte sich mit dem Austausch zweier Buchstaben von Henze zu Henri. Mit der Wende übernahm der Storck-Konzern das traditionsreiche Unternehmen, wohl ohne langfristige Ambitionen für den Eilenburger Standort zu hegen. Im November 1991 erwarb das Familienunternehmen Hirsch aus den alten Bundesländern die Firma. Neuer Firmensitz wurde später das Gewerbegebiet Schanzberg. 2012 stellte die Henri Süßwaren GmbH ihren Betrieb in Eilenburg ein, 50 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Damit ging eine fast 110-jährige Firmentradition zu Ende.

Von Karin Rieck

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