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Wie weit darf Kunst gehen, Herr Schade?

Wie weit darf Kunst gehen, Herr Schade?

Wiedersehen mit Rainer Schade, dem bekannten Leipziger Maler, Grafiker und Cartoonisten in Eilenburg. Bekanntlich präsentierte sich der Mittsechziger Mitte der 1990er Jahre schon in der Bader-Scheune mit einem Querschnitt seines Schaffens, wirkte der Professor von der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle später als künstlerischer Berater für die Entwürfe des Heinzelmännchen-Brunnens auf dem Markt sowie eine Platzgestaltung in Eilenburg-Ost mit.

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Robin Zöffzig und Rainer Schade (1. und 3. von links) im Erzählcafé.

Quelle: Karin Rieck

Eilenburg. Am späten Mittwochnachmittag ging es im Rinckart-Haus der Volkshochschule um die Freiheit in der Kunst. Schade brachte ins Erzählcafé einen seiner Meisterschüler von der Burg mit: Robin Zöffzig, Jahrgang 1984, der demnächst neben namhaften Künstlern die 22. Leipziger Jahresausstellung "pro M", Eröffnung am 11. Juni, 20 Uhr im Westwerk Leipzig, mitbestreiten wird.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Seminarraum eröffnete Zöffzig den angeregten Meinungsaustausch mit seinem Wandbild aus der Spreewald-Stadt Lübben. Das sorgte hier vor einem Jahr für reichlich Aufregung. Überdimensional werden an einem Giebel Spreewald-Historie mit kriegerischen Auseinandersetzungen der Gegenwart und einem Hauch von Erotik verknüpft. "Kritiker befürchteten Ablenkungsgefahr für Autofahrer, die hier einen Zebraschutzstreifen für Kinder passieren müssen", erzählte der Nachwuchskünstler. Nach ausgiebiger öffentlicher Diskussion sei das Bild zwar von öffentlicher an private Stelle umgezogen. "Aber jetzt wirbt Lübben sogar mit meiner Kunst."

Gut zwei Stunden wurden engagiert Argumente zu Grenzen, die Kunst gesetzt werden sollte, oder über Verantwortung, die Künstler auch haben, ehe sie auf Provokation aus sind oder damit Aufmerksamkeit erregen wollen, ausgetauscht. "In erster Linie bilden sie die Wirklichkeit ab", so Rainer Schade. Mit einem Cartoon-Zyklus, den er mit Beamer-Unterstützung vorzeigte, demonstrierte der Freiberufler, dass er schon zu DDR-Zeiten Missstände thematisierte. Das reifere Publikum des Erzählcafés wusste aus Erfahrung selbst zwischen den Zeilen zu lesen. Nicht immer gab es Schmunzeleffekte, weil Schades Bilder auch entfernt wurden oder in hinteren Ausstellungsecken landeten, um Machthaber nicht zu brüskieren. "Kunstfreiheit muss sein", brachte es die Hauptperson des Nachmittags auf einen Nenner. "Nur Diktatoren, Bedenkenträger und Besserwisser scheuen die Auseinandersetzung damit."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.05.2015
Von Karin Rieck

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