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Eilenburg Wildtierwirt Kuno Pötzsch setzt trotz Sorgen auf die Zukunft seines Unternehmens
Region Eilenburg Wildtierwirt Kuno Pötzsch setzt trotz Sorgen auf die Zukunft seines Unternehmens
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15:18 25.10.2009
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Audenhain

Für den 52-Jährigen bedeuten die Tage im Herbst – und besonders kurz vor den Feiertagen zum Jahreswechsel – Erntezeit. Vor allem Privatleute, aber auch Weitervermarkter und Gastronomen aus der Region wissen, dass sie hier, An der Heide in Audenhain, das begehrte, fettarme und gesunde Wildfleisch zu Klößen und Rotkohl, aber auch Wurst und Schinken für eine deftige Brotzeit im Hofladen bekommen.

Ende des Jahres jährt sich der Tag zum 20. Mal, an dem der Audenhainer Kuno Pötzsch eine weitreichende Entscheidung trifft. Die macht aus dem Lagerverwalter bei der früheren KIM (Kombinat industrielle Mast) Mockrehna, nebenberuflichen Schafscherer und einstigen Hobbyhalter von vier Damhirschen in zwei Jahrzehnten den Besitzer von zirka 800 Stück Dam-, Rot-, Muffel- und Schwarzwild sowie Inhaber des mit 107 Hektar größten Wildgeheges in Sachsen. „Bis vor sieben Jahren war ich noch der Einzige in den neuen Bundesländern, der im Haupterwerb Wild vermarktet und Zuchttiere vermittelt hat“, beschreibt Pötzsch seinen Werdegang. Gern führt er durch sein steppenartiges, mit Bäumen und Büschen durchzogenes Reich. Es gehört zum Alltag des Landwirts, die mit zweimal fünf Kilometer Barrieren umzäunten drei großen Gehege wie ein Ranger mit einem geländegängigen Mazda zu durchfahren und zu kontrollieren. Dabei erinnert er: „Eine viertel Stunde hatte ich am 23. Dezember 1989 Bedenkzeit, um zu entscheiden, ob ich die 75 Hirsche im ehemaligen KIM-Gehege übernehme.“ Der Vater von zwei Söhnen sagt Ja, ohne im Detail zu wissen, worauf er sich da einlassen würde. Zur offiziellen Unternehmensgründung kommt es am 1. April 1991. Deshalb soll das Jubiläum auch erst in zwei Jahren begangen werden. Die kommenden Weihnachtstage werden wohl nur im engsten Kreis dazu herhalten, um den Startschuss fürs Wildfreigehege Audenhain gebührend zu feiern.

Das erlebt, wie so vieles, Höhen und Tiefen. Da ist der Kampf mit Behörden, die mit einem solchen Unternehmen wohl auch erst Erfahrungen sammeln müssen. Die Kontakte zum Veterinäramt des Landkreises Nordsachsen seien aber unkompliziert, so der Herr über Hunderte Vierbeiner, der für sein Gewerbe außerdem das Fleischerhandwerk erlernt und seit Neuestem über ein Schlachthaus verfügt. Darüber hinaus wird dem Pötzsch-Unternehmen die EG-Norm erteilt, was neben der Schlachtung aus eigener Haltung auch die Vermarktung von Jägerwild erlaubt. Seit zehn Jahren ist das Gehege zudem anerkannter Öko-Betrieb.

Zwei Jahrzehnte kein Urlaub, sieben Tage in der Woche für die Tiere da sein – das ist der Preis für einen Traum, den sich Pötzsch erfüllt hat. Dafür arbeitet er in einer Umgebung, die ein wenig an einen Safaripark oder eine Ranch in Kanada erinnert. Die Söhne verdienen im Familienbetrieb inzwischen ebenfalls ihren Lebensunterhalt. Partnerschaftlich wagt Pötzsch einen Neuanfang und präsentiert wie zum Beweis ein fast fertiges Blockhaus. Hier will er, wenn alles klappt, im kommenden Jahr mit Unterstützung der neuen Lebensgefährtin eine Art Kochschule anbieten. „Denn viele wissen heute nicht mehr, wie man gutes Wildbret zubereitet.“

Holzgeister, die Pötzsch von einem Kettensägenkünstler hat anfertigen lassen und die die Brüstungen des neuen Domizils bereits schmücken, scheinen dort zu sein, um die künftigen Pläne günstig zu beeinflussen. Denn die Zukunft seines Betriebes geistert dem Tierwirt schließlich immer durch den Kopf. „Wenn beispielsweise Wölfe, die schon in der Dahlener Heide gesichtet wurden, bei mir eines Tages einbrechen sollten, dann könnte das für mich den Ruin bedeuten“, befürchtet er. Nach wie vor sind Anwälte mit dem Schaden beschäftigt, den bereits vor Jahren ein Hund in den Wildgehegen angerichtet hat. „Sich gegen so etwas zu versichern, dass kann kein Mensch bezahlen“, bedauert Pötzsch. Dabei ist er, was den Wert seines mühsam aufgebauten Anwesens angeht, durchaus schon Millionär.

Karin Rieck

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