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Wissen und Unterstützung für Angehörige Demenzkranker

Wissen und Unterstützung für Angehörige Demenzkranker

Denn der Vater wohne mit der erkrankten 86-jährigen Mutter einige Fahrstunden weit von der Muldestadt entfernt.

Angelika Hoffmann und Martina Koch vom Verein SelbstBestimmt Leben (SBL) leiten den Kurs, den die Hochschule für Technik, Wir

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Martina Koch (links) und Angelika Hoffmann leiten den Kurs für Angehörige und ehrenamtliche Betreuer Demenzkranker.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Denn der Vater wohne mit der erkrankten 86-jährigen Mutter einige Fahrstunden weit von der Muldestadt entfernt.

Angelika Hoffmann und Martina Koch vom Verein SelbstBestimmt Leben (SBL) leiten den Kurs, den die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) ins Leben gerufen hatte. Das Besondere: Hier lernen Angehörige und Ehrenamtliche gemeinsam. Letztere sind Freiwillige, die Demenzkranken und ihren Familien helfen wollen. "Die Ehrenamtler sind danach zertifiziert, können in Haushalte gehen, um Angehörige zu entlasten", erklärt Angelika Hoffmann. Denkbar sei zum Beispiel, die Erkrankten zum Arzt zu begleiten, mit ihnen Spaziergänge zu machen, die Zeitung vorzulesen oder mit ihnen Gedächtnisübungen zu machen. "Selbst Anleitung bei der Hausarbeit - wenn das noch möglich ist, könnten sie geben. Denn vor allem geht es darum, die Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erhalten", erläutert Angelika Hoffmann.

Eines der Kursziele für die Angehörigen sei es, mit der Krankheit besser umzugehen. Ehepartner, Söhne, Töchter, die in der Regel selbst nicht mehr jung sind, müssen damit klar kommen, dass sich Beziehungen in der Familie umkehren. Diejenigen, die immer noch ihre Eltern, Ehemann oder -frau sind, können ihre Rolle nicht mehr wahrnehmen. "Da ist die Mutter, die Respektsperson war. Und nun verhält sie sich nicht mehr dementsprechend. Einer Tochter wird es schwerfallen zu verstehen, dass es ihrer Mutter gut tun kann, wenn sie eine Puppe zum Spielen bekommt. - Es ist leichter, sich kleinen Kindern kindgerecht zuzuwenden. Die Kommunikation mit Demenzkranken ist überhaupt eine andere. Oft können sie sich nicht mehr artikulieren. Das heißt, auch Schmerzen können nicht geäußert werden. Deshalb sollte sensibel auf Mimik und Gestik geachtet werden", erklärt Martina Koch. Im Kurs gebe es aber auch ganz praktische Hinweise, etwa, wie Stolperstellen in der Wohnung auszuräumen sind.

Viele Angehörige leisten eine 24-Stunden-Betreuung. Das sei auf Dauer nicht durchzuhalten. "Es gibt Beispiele, wo Angehörige Selbsthilfegruppen gegründet haben. Anderswo gab es Hilfe von ehrenamtlichen Betreuern. Wir haben Fälle, da funktionierte das wunderbar, kann die Einweisung ins Pflegeheim lange vermieden werden", berichten die Mitarbeiterinnen des SBL. - "Eigentlich ist es unglaublich, dass Angehörige solche Unterstützung ablehnen. Ich erinnere mich da an einen Herrn, dem ich sagen musste: 'Wenn Sie das nicht annehmen, sind Sie in den nächsten Wochen selbst ein Pflegefall.' - Er ließ sich überzeugen. Und wenn wir jetzt miteinander telefonieren, bedankt er sich noch oft für diesen Rat", so Angelika Hoffmann.

Mittlerweile geht der HTWK-Kurs in Eilenburg Ende entgegen. Er ist auch dank der Initiative von Yvett Gittel zustande gekommen, die in der Seniorenresidenz für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Schulungen dieser Art sollte es weiter geben. "Ich habe den Kurs sogar schon einer Freundin empfohlen", erklärt auch eine der Teilnehmerinnen.

Ob es aber eine weitere Auflage mit Angehörigen und angehenden Betreuerinnen zusammen geben sollte, steht noch in Frage, denn die zu behandelnden Themenfelder sind unterschiedlich. Die Betreuer müssten zum Beispiel auch in rechtlichen und ethischen Fragen unterrichtet sein. Unter den 14 Teilnehmern beim Eilenburger Kurs stellen sie mit zirka zwei Drittel sogar den größten Anteil. Alles Frauen im Alter zwischen 51 und 67 Jahren. "Es stand in der Zeitung. Und ich dachte, dass ist doch mal etwas Sinnvolles", erklärt Birgit Uhlig, warum sie dabei ist. Die anderen schließen sich an.

Demenz-Sprechstunden des SBL-Vereins finden in den Außenstellen des Landratsamtes Delitzsch, Richard-Wagner-Straße 7a, jeden zweiten Dienstag im Monat und jeden dritten Dienstag in Eilenburg, Dr.-Belian-Straße 4, jeweils von 15 bis 18 Uhr statt. Es wird aber auch im häuslichen Bereich beraten. Kontakt ist unter Telefon 0176/95316645 und per E-Mail info@sbl-Leipzig.de aufzunehmen. Internet: www.selbstbestimmt-leben-leipzig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2014
Liesaus, Heike

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