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Wolf reißt Kalb auf Weide in Wildschütz

Nordsachsen Wolf reißt Kalb auf Weide in Wildschütz

Vermutlich zum ersten Mal hat ein Wolf im Landkreis Nordsachsen ein Nutztier gerissen. Das Kalb gehörte zu einer Muttertierherde unweit von Wildschütz in der Gemeinde Mockrehna. Der betroffenen Landwirt und der Jagdpächter plädieren für mehr Öffentlichkeit zum Thema Wolfsschutz.

im Pflückuffer Wald bei Torgau war erst kürzlich ein Wolf von einer Wildkamera abgelichtet worden.
 

Quelle: privat

Wildschütz.  Dass Wölfe inzwischen auch den Landkreis Nordsachsen durchstreifen und hier auf der Jagd sind, ist kein Geheimnis mehr. Dieser Tage hat, wie jetzt bekannt wurde, ein Wolf auf einer Wildschützer Weide in der Gemeinde Mockrehna (bei Eilenburg) auch ein Nutztier, ein Kalb, gerissen. Landwirt Roland Tobisch wollte das eigentlich „nicht an die große Glocke hängen“. Doch als Ende vergangener Woche, wie der 64-Jährige sagte, auch vom Amt bestätigt wurde, dass ein Wolf seine Tiere angegriffen hatte, folgte er dem Rat des Kobershainer Jagdpächters Walter Lücking, der fordert: „Das Thema muss mehr in die öffentliche Diskussion.“

Am Montag vor einer Woche fand Tobischs Enkel gegen 18 Uhr beim Kontrollgang auf der Weide etwa 400 Meter westlich von Wildschütz das tote Kalb. Die etwa 50 Tiere starke Mutterkuhherde grast mit ihren zurzeit etwa 20 Kälbern hier Sommer wie Winter unter freiem Himmel. „In der kalten Jahreszeit bekommen die Tiere Stroh zu ihrem Schutz auf die Weide“, erklärt der Wildschützer Bauer. Er habe das Vieh angeschafft, um das Heu von 20 Hektar Grünland aus seinem Bestand zu verwerten. Sein Hauptstandbein seien 400 Hektar Ackerbau. Am Morgen des besagten Montags wäre ihm bei der Runde über die Weide nichts Besonderes aufgefallen. „Der Angriff muss am hellen Tag passiert sein.“

Naturschutzbehörde entnahm DNA-Probe

Jagdpächter Walter Lücking wurde hinzugerufen, weil das Tier offensichtlich keines natürlichen Todes starb: Vom hinteren Teil des etwa 40 Kilogramm schweren Kalbes fehlten Fell und Fleisch, die Hinterbeine waren noch mit der säuberlich abgenagten Wirbelsäule und Teilen des Skelettes verbunden. Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde hätten DNA-Proben entnommen. Wenige Tage später habe das Landratsamt dann bestätigt: Das Kalb wurde von einem Wolf gerissen.

Nach dem Papierkram, der jetzt zu erledigen ist, hofft Tobisch auf Schadensersatz und zeigt sich außerdem froh, „dass nicht noch mehr passiert ist“. Denn eine aufgescheuchte Herde, zu der außerdem ein Zuchtbulle gehört, könne auch einen Elektrozaun durchbrechen und den Verkehr auf der nahen Straße gefährden. „Wenn das öfter passiert, lohnt sich die Rinderzucht irgendwann nicht mehr“, denkt Roland Tobisch schon jetzt darüber nach, ob er die Herde nicht eines Tages abschaffen muss. Das erste Erlebnis dieser Art mit einem Raubtier hat dem Mittsechziger die Ruhe geraubt und er mahnt: „Alle Wolfssichtungen müssen unbedingt bei den Behörden angezeigt werden!“ Nur so könne das Problem Aufmerksamkeit erregen.

Wolfssichtungen an vielen Orten in Nordsachsen

In Lücking hat Tobisch einen Befürworter:„Den Schaden an Nutztieren will man in der heilen Welt der Wolfs-Befürworter nicht wahrnehmen.“ In Nordsachsens Nachbarschaft, in Brandenburg, sei kürzlich ein Kalb von einem Wolf sogar direkt aus dem Stall geholt worden. Auf der anderen Seite der Elbe gebe es zwar mehr Probleme als hier. Wolfssichtungen seien aber außer in der Dübener auch in der Dahlener Heide bei Luppa, in Schmannewitz, an der Schildauer Neumühle, auf der Mühlberger Brücke oder im Pflückuffer Wald bei Torgau belegt, wovon „bisher nur ein geringer Teil in die Öffentlichkeit gelangt ist“. Eltern sollten im Wald auf ihre Kinder aufpassen, Hunde nicht von der Leine gelassen und Landwirte sehen, wie sie ihre Tiere schützen. Jäger Lücking betont dennoch, er sei nicht grundsätzlich gegen den Wolf. „Aber nicht in eng besiedelten Gebieten und nur in bestimmten Territorien.“ Wenn er in den Wald geht, fühle er sich schon nicht mehr sicher, „auch wenn ich kein ängstlicher Typ bin.

In Teilen Nordsachsens wurde, wie berichtet, in der Annaburger Heide im Nordosten des Landkreises ein Wolfsrudel nachgewiesen. Dessen Revier befinde sich allerdings vor allem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das Wolfs-Monitoringjahr 2015/16 in Sachsen endete im April. Eine Novelle der Datensammlung wird für Sommer erwartet.

Von Karin Rieck

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