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Eilenburg Zigarettenschmuggel: Staatsanwalt beantragt für Doberschützer Paar Freiheitsstrafe
Region Eilenburg Zigarettenschmuggel: Staatsanwalt beantragt für Doberschützer Paar Freiheitsstrafe
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09:25 19.05.2017
Im Landgericht Leipzig. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Eigentlich hätte das Urteil im Fall des Doberschützer Ehepaares, das der Steuerhehlerei angeklagt war, am Mittwochnachmittag gesprochen werden sollen. Doch die Plädoyers der Staatsanwaltschaft, vertreten von Mario Gaitzsch, und die der beiden Rechtsanwälte der Angeklagten, Stephan Bonell und Katrin Gehre, waren so umfangreich, dass sich der Vorsitzende Richter der siebten Strafkammer des Landgerichtes Leipzig Michael Dahms veranlasst sah, einen weiteren Sitzungstermin anzuberaumen. „Sie werden verstehen, das es doch noch eingehender Beratungen bedarf“, erklärte Michael Dahms. Nun ist die Urteilsverkündung auf den Montag um 15 Uhr terminiert.

1,3 Millionen Zigaretten illegal eingeführt

Für Staatsanwalt Mario Gaitzsch ist es nach der sehr umfangreichen Beweisaufnahme erwiesen, dass sich das Ehepaar der Steuerhehlerei schuldig gemacht hat. In den Jahren 2010 bis 2012 habe der Mann mit illegal aus Russland, Weißrussland und der Ukraine über Polen eingeführten Zigaretten gehandelt und ein florierendes Geschäft aufgebaut. Insgesamt sollen 1,3 Millionen Zigaretten verkauft worden sein. Es sei dadurch ein Steuerschaden in Höhe von rund 500000 Euro entstanden.

38 Taten und ein Versuch

Insgesamt werden dem 47-jährigen Doberschützer 38 Taten und ein Versuch vorgeworfen. Damit sei es aus Sicht der Staatsanwaltschaft kein minderschwerer Fall mehr. Gaitzsch sprach sogar von internationaler organisierter Kriminalität, bei der der Doberschützer eine herausgehobene Position inne hatte. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Auf Grund der langen Verfahrensdauer sah die Staatsanwaltschaft vier Monate Freiheitsstrafe bereits als vollstreckt an. Für die Frau, der acht Taten vorgeworfen werden konnten, plädierte Gaitzsch auf zwei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe.

Bonell: Warum keine Bewährung?

Für Verteidiger Stephan Bonell kam ein solcher Antrag der Staatsanwaltschaft unerwartet. Für ihn seien die Mengen an Zigaretten keineswegs nachgewiesen, dass müsse beim Steuerschaden berücksichtigt werden. Sein Mandant sei von Anfang an geständig gewesen, habe keineswegs mit krimineller Energie gehandelt, auch nicht konspirativ, schon gar nicht hätte er eine herausgehobene Rolle gespielt. „Die Abnehmer der Zigaretten wollten immer mehr, nicht er“, sagte Bonell. Das solle man berücksichtigen, auch, dass er sein Tun aufrichtig bereue. „Warum es keine Bewährung geben soll, leuchtet mir nicht ein.“ Zumal die Steuer bereits nachentrichtet sei. Der Rechtsanwalt führte dann prominente Beispiele von Urteilen an, bei denen beispielsweise ein Schaden von zehn Millionen Euro entstand und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung ausgesprochen wurde. Er forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wird. „Wenn beide Eltern in den Knast kommen, bricht alles zusammen“, erklärte Bonell.

Verteidigung will Geldstrafe für die Frau

Geschockt wegen des Antrags der Staatsanwaltschaft zeigte sich auch Rechtsanwältin Katrin Gehre. Sie vertrat die angeklagte Frau aus Doberschütz. Ihre Mandantin sei ebenfalls geständig, war lediglich eine Absatzhilfe. Sie habe eine untergeordnete Rolle gespielt. „Alles, was sie tat, tat sie im Auftrag ihres Mannes, aus Liebe zu ihm“, sagte die Rechtsanwältin. Zudem habe ihre Mandantin unter den Folgen des fast fünf Jahre dauernden Verfahrens erheblich seelisch gelitten. „Warum hat die Polizei nicht früher eingegriffen? Sie wusste doch über alles Bescheid“, fragte die Anwältin. Das alles müsse berücksichtigt werden. In ähnlich gelagerten Fällen sei es zu Verurteilungen mit Geldstrafen gekommen. Und genau die beantragte sie. Die Tagessatzhöhe sollte nicht über 120 liegen.

Das letzte Wort oblag den Angeklagten. Beide weinten. Während der Mann kein Wort sprechen konnte, sagte die Frau, dass es ihnen aufrichtig leidtut.

Von Ditmar Wohlgemuth

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