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Eilenburg Zscheppliner gewinnt Diesel-Klage gegen VW
Region Eilenburg Zscheppliner gewinnt Diesel-Klage gegen VW
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21:00 29.10.2018
Karlheinz Siebicke vor seinem braunfarbenen Skoda Yeti, um den es in dem Prozess am Landgericht Leipzig geht. Quelle: Maximilian König
Zschepplin

Noch steht er in der Garage, braun-glänzend, super in Schuss. „Ein tolles Auto, eigentlich gefällt mir der Wagen wirklich gut“, sagt Karlheinz Siebicke mit Blick auf seinen Skoda Yeti in fast bedauerndem Ton. Nur: Mit gutem Gewissen kann der Zscheppliner seinen Diesel nicht mehr fahren. Und das muss er auch nicht mehr lange – denn die „Dreckschleuder“, so Siebicke wenige Minuten zuvor noch voller Entrüstung, geht bald zurück ins Autohaus.

Karheinz Siebicke ist einer von vielen Millionen geprellter Diesel-Fahrer in Deutschland und einer von wenigen Millionen, die sich gegen die Abgastricksereien der Autokonzerne gerichtlich zu Wehr setzten. Und er gehört wiederum zu den wenigen Klägern, die vor Gericht Recht bekamen.

Ein sauberes Auto sollte es sein

Aber der Reihe nach: Als Karlheinz Siebicke 2011 mit seiner Frau ein Autohaus in der Region aufsuchte, um sich einen Neuwagen anzuschaffen, hatten die beiden nur eine Bedingung: Ein möglichst sauberes Auto sollte es sein. „Es war uns eigentlich gleich, ob Diesel oder Benziner – der Verbrauch sollte allerdings mit Umweltfreundlichkeit in Verbindung zu bringen sein“, beschreibt Karlheinz Siebicke die Vorstellung des Ehepaars. Der Verkäufer vor Ort schwärmte vom seinerzeit neuen Euro-5-Diesel – neuesten Umweltstandards angepasst, schadstoffarmer Ausstoß.

Guten Gewissens entschieden Siebickes sich für den Kombi aus dem Hause Volkswagen. Fünf Jahre später das böse Erwachen: Im Februar 2016 informierte Hersteller Skoda per Brief, dass die Motorensteuerung manipuliert worden und ein Softwareupdate von Nöten sei, Siebicke solle deshalb doch bitte einen Werkstatt-Termin wahrnehmen. „Wir haben uns sofort betrogen gefühlt – uns wurde damals versichert, dass das Auto sauber sei“, erinnert sich Siebicke mit einem Kopfschütteln.

Stilllegung durch Vollstreckungsbeamte drohte

Der 66-jährige Rentner sagt den vorgeschlagenen Termin ab. Stattdessen recherchiert der frühere Maschinenbauingenieur in Sachen Software-Update, sammelt Experten-Meinungen aus den Medien. Der Tenor bestärkt Siebickes Vorahnung: „Es ist nicht einfach, eine Software auf einen anderen Motorentyp zu spielen, und dann ist das Auto sauber. Es hat nicht den gewünschten Effekt und ist mit unkalkulierbaren Risiken verbunden.“

Nach Einschaltung eines Anwaltsbüros entscheiden sich Siebickes im Sommer 2017, gegen das Autohaus und VW zu klagen. Das Ziel ist klar: „Wir wollen kein Update, wir wollen ein Auto, dass die Umwelt wenig belastet.“ Sie fordern deshalb eine Rückabwicklung des Kaufvertrags und Schadenersatz von VW.

Während die Zscheppliner auf das Urteil des Landgerichts warten, macht ihnen das Landratsamt zu schaffen. Auf Geheiß des Kraftfahrtbundesamts fordert die Verwaltung Karlheinz Siebicke als Fahrzeughalter dazu auf, dass Update vornehmen zu lassen – andererseits drohe die Stilllegung durch Vollstreckungsbeamte. Zähneknirschend lässt Siebicke die Software daraufhin einspielen.

Landgericht entscheidet bisher mehrheitlich zugunsten von VW

Anfang Oktober dann die frohe Kunde aus Leipzig: Siebickes haben in erster Instanz Recht bekommen – der Richter sprach ihnen einerseits das Recht auf Rückabwicklung zu, anderseits wurde auch festgestellt, dass VW wegen der Manipulation der Abgaswerte zu Schadenersatz verpflichtet ist; in wenigen Tagen ist das Urteil nach Verstreichen der Einspruchsfrist rechtskräftig.

„Wir haben uns riesig gefreut – vor dem Landgericht wurden bereits mehrere Klagen abgeschmettert, wir hatten eigentlich wenig Hoffnung“, sagt Karlheinz Siebicke. Das Landgericht bestätigt dies mit Zahlen: Seit 2016 wurde in 19 Fällen zugunsten von VW entschieden, nur in sieben Fällen zugunsten der Kläger – 134 derartiger Verfahren laufen derzeit noch.

Dem Diesel abgeschworen

Das Autohaus muss den Skoda Yeti nun zurücknehmen, den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungspauschale erstatten. Die Höhe des Schadenersatzanspruchs gegenüber VW ließ das Gericht in seiner Urteilsbegründung offen. Dies wird nun Verhandlungssache zwischen dem Autokonzern und Siebickes Anwälten sein.

Welche Summe ihnen für die Anschaffung eines neuen Autos zur Verfügung stehen wird, weiß das Ehepaar also noch nicht. Nur eines sei nahezu sicher, sagt Karlheinz Siebicke: „Einen Diesel würden wir nicht wieder nehmen.“

Von Maximilian König

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