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Zu kostspielig: Kreishandwerkerschaft will sich von Bürgermeisterhaus trennen

Villa Am Anger Zu kostspielig: Kreishandwerkerschaft will sich von Bürgermeisterhaus trennen

Die Zukunft des Eilenburger Bürgermeisterhauses Am Anger ist ungewiss. Ein Grundsatzbeschluss dazu steht auf der Tagesordnung des Eilenburger Stadtrates am 1. Februar. Aktuell gehört die repräsentative Immobilie über einen Erbpachtvertrag mit der Stadt der Kreishandwerkerschaft. Die will die Villa aber loswerden.

Blick auf die Bürgermeister-Villa in Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Wie geht es weiter mit dem Bürgermeisterhaus Am Anger in Eilenburg? Ein Grundsatzbeschluss dazu steht auf der Tagesordnung des Eilenburger Stadtrates am 1. Februar. Aktuell gehört die repräsentative Immobilie über einen Erbpachtvertrag der Kreishandwerkerschaft (KH). Sie hatte das Haus in den 1990er Jahren von der Stadt übernommen und saniert. Nun will sie das Erbpachtverhältnis auflösen. Für die Handwerkvereinigung sei es eine unternehmerische Entscheidung, erklärt Kreishandwerksmeister Matthias Vogt dazu. Das Haus war damals für eine Millionen D-Mark saniert worden. Die Kreditkonditionen waren so gewählt worden, dass dafür noch heute abbezahlt wird. Die Einnahmen indessen sind zurückgegangen: Es gibt weniger Mitglieder, Miet- und sonstige Einnahmen haben sich reduziert. Das Missverhältnis soll nicht zum existenziellen Problem werden. Deshalb hatte die Kreishandwerkerschaft bereits seit Langem das Gespräch mit der Stadt gesucht.

Wenn die Stadt die Immobilie zurücknimmt, muss sie wiederum Entschädigungen für die geleistete Sanierung zahlen beziehungsweise die Belastungen übernehmen. Die Kreishandwerkerschaft könnte das Haus auch einfach verkaufen, erläutert Heiko Leihe, im Rathaus verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Aber eine Immobilie in einem Erbpachtverhältnis büßt für potenzielle Käufer an Attraktivität ein. Nun hat das Bürgermeisterhaus zwar eine besondere Geschichte, aber die Stadt kann damit aktuell nichts anfangen. „Die Verwaltung schlägt deshalb vor, sich dauerhaft davon zu trennen“, beschreibt Leihe den Stand der Dinge.

Das Bürgermeisterhaus ist eine große repräsentative Stadtvilla mit baugeschichtlicher Bedeutung. Sie wird unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt aufgeführt, wurde einst gebaut, um dem jeweiligen ersten Bürgermeister als angemessener Wohnraum zur Verfügung zu stehen. 1916 veranlasste der wohlhabende Mühlenbesitzer Wilhelm Grune, der drei Jahre später starb, eine Schenkung an die Stadt zu diesem Zweck. Die Wirkungen des Ersten Weltkriegs verzögerte den Bau. Einziger hier residierender Bürgermeister war bis zur Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten Alfred Belian, der Namensgeber der Belian-Grundschule, der selbst an der Gestaltung mitgewirkt hatte.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das Haus an die Stadt zurückübertragen. Es trägt den Namen auch heute noch. Doch für Bürgermeister ist das Wohnangebot nicht so attraktiv: Die Miete muss gezahlt werden, und mit Beendigung der Amtszeit müsste das Haus wieder geräumt werden.

Über die Website der Stadt Eilenburg wird die Villa Am Anger 29 bereits angeboten: „für Wohnen und Gewerbe, ca. 15 Stellplätze stehen im Innenhof zur Verfügung, Kulturdenkmal, Erbbaurecht Kreishandwerkerschaft Landkreis Nordsachsen existiert, mit Verkauf Auflösung Erbbaurecht, teilweise vermietet, zuzüglich der Vertragskosten, Mindestgebot: 390 000 Euro“. Damit soll der Markt schon mal getestet werden.

Auch Matthias Vogt weiß bereits von Interessenten, schließlich sei die Immobilie ein Filetstück. „Das Haus ist tip top saniert, eine tolle Lage, 450 Quadratmeter Wohnfläche.“ Und die Kreishandwerkerschaft würde als Mieter gern weiterhin im Souterrain bleiben. Allerdings nicht auf den bisher genutzten 150 Quadratmetern, sondern auf kleinerer Fläche. Auch weitere Büro- und Wohnräume im Haus sind vermietet.

Warum aber sollte sich das, was für einen privaten Eigentümer attraktiv ist, nicht auch gut im städtischen Vermögen machen? Eine Frage, an der sich offenbar noch die Geister im Stadtrat scheiden werden.

Von Heike Liesaus

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