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Zündeln aus Frust und Leichtsinn: Eilenburger Gericht verurteilt Jugendliche

Prozess Zündeln aus Frust und Leichtsinn: Eilenburger Gericht verurteilt Jugendliche

Weil sie gezündelt hatten, wurden jetzt mehrere junge Angeklagte vom Amtsgericht Eilenburg zu Bewährungsstrafen beziehungsweise zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Im ersten Fall brannte ein Getreidefeld, im zweiten Fall wurde an einer Gartenlaube gezündelt.

Das Eilenburger Amtsgericht.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Leichtsinn, Alkohol, Frustration: Diese Mischung führte im Sommer vergangenen Jahres gleich zweimal zu brandgefährlichen Situationen. Jugendliche hatten ein Getreidefeld sowie eine Gartenlaube in Flammen gesetzt. In beiden Fällen ging die Sache noch glimpflich aus. Nun aber folgte das juristische Nachspiel: Das Amtsgericht Eilenburg befasste sich mit dem zündelnden Nachwuchs.

Fall Nummer eins hatte sich an der Staatsstraße 11 in Höhe Färberwerder abgespielt. Eher zufällig hatten sich am 18. Juli ein 20- und ein 17-Jähriger die Agrarfläche an der Eilenburger Peripherie ausgesucht, um dort Feuer zu legen. Mitten in der Nacht, kurz vor 1 Uhr. „Es war eine spontane Aktion“, schilderte Karsten S., einer der beiden Angeklagten. „Wir hatten zusammen in der Wohnung gesessen und sind dann noch mal mit dem Rad los, um Bier zu holen. Da kam uns die Idee, zum Feld zu fahren.“ Ganz spontan war das aber offenbar nicht, denn Christian A., sein Kumpel, hatte extra noch ein Deospray eingepackt. Die Sprühflasche, kombiniert mit einem Feuerzeug, diente als Brandbeschleuniger. Mit Wirkung: Binnen kurzer Zeit standen 50 Quadratmeter Getreide in Flammen. „Nur durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden“, stellte die Staatsanwaltschaft fest.

Deutliche Reifedefizite

Und die beiden Zündler waren noch in der Nähe, als die Kameraden eintrafen. Karsten S. hatte versucht, die Anfahrt der Feuerwehr mit dem Handy zu filmen. Die Polizei kümmerte sich um die beiden. Laut Jugendgerichtshilfe weisen beide deutliche Reifedefizite auf. Beide absolvierten die Förderschule und haben seitdem erhebliche Schwierigkeiten, beruflich Fuß zu fassen. Christian A. wurde zudem beim Ladendiebstahl und beim Fahren ohne Fahrerlaubnis erwischt.

Die Brandstiftung sei kein Dumme-Jungen-Streich mehr, stellte die Staatsanwaltschaft fest – der Verteidiger hingegen sprach von einer Jugendverfehlung, zumal keine Menschen in Gefahr gewesen seien. Das Gericht teilte jedoch eher die Haltung der Anklagebehörde, verurteilte Christian A. zu einer Jugendstrafe mit einem Jahr Bewährung, zudem müssen beide Täter 80 beziehungsweise 100 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.

Versuchte Brandstiftung

Bei Fall Nummer zwei befand das Gericht auf versuchte Brandstiftung. Die Gartenlaube wurde nur angekokelt, nicht komplett zerstört, so die Begründung. Schauplatz war in der Nacht zum 14. August 2015 eine Kleingartenanlage in Eilenburg. „Ich war damals extrem wütend. Deshalb habe ich den Fehler begangen, ein paar Sachen anzuzünden“, erklärte Gregor H. (28). Die Vorgeschichte war eine Auseinandersetzung zwischen H. und dem Laubenbesitzer David S. um einen Hund. Infolge dieses Zoffs war bei H. eingebrochen und der Hund gestohlen worden, und Gregor H. hatte sofort den Kumpel im Verdacht. Mit vier weiteren Jungs – damals 15 bis 19 Jahre alt, alle recht betrunken – zog er zu der Gartenlaube, wo S. wohl des Öfteren nächtigte. Der Bekannte war nicht da, die Gruppe brach die Laube auf. Und da sie nun einmal da waren, nahmen sie mit, was sie an Wertvollem greifen konnten: einen Computer und eine Stereoanlage.

Das Gericht wertete das als gemeinschaftliche Sachbeschädigung in Tateinheit mit gemeinschaftlichem Diebstahl. Bei Gregor H., der nach dem Ausräumen der Laube Feuer legte, kam auch Brandstiftung hinzu. Die Konsequenz für den ältesten in der Runde: zehn Monate auf Bewährung plus 150 Arbeitsstunden. Auch seine Begleiter sollen gemeinnützig anpacken.

Von Kay Würker

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