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Zwei Glauchaer finden in Norwegen jetzt Ruhe vor der Flut

Zwei Glauchaer finden in Norwegen jetzt Ruhe vor der Flut

Eine Art Flucht vor der Hochwassergefahr in Glaucha ist der Schritt, den Heidrun und Roland Jentzsch jetzt konsequent vollenden, nicht allein. Das betonen die Eheleute dieser Tage bei einem Gespräch in der "alten Heimat" in der Gemeinde Zschepplin.

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Vor Hochwasser sind Heidrun und Roland Jentzsch in ihrem Häuschen und mit ihren beiden Hunden auf Norwegens Bergen jetzt sicher.

Quelle: privat

Glaucha/Vinstra. Hier waren für einige Tage noch Formalitäten zu erledigen.

Nach einer langen Tour mit Fähre und Auto dürften sie heute in ihrer "neuen gemeinsamen Heimat" in Vinstra wieder angekommen sein. "Vielleicht wären wir auch ohne die beiden Mulde-Hochwasser eines Tages nach Norwegen ausgewandert", sinniert der Anfangsechziger. Und dass sie diese Entscheidung eigentlich hätten schon vor zehn Jahren treffen sollen. "Aber wir waren familiär in den vergangenen Jahren noch zu stark eingebunden", ergänzt seine Frau, die ihren 60. Geburtstag demnächst in dem fernen Königreich ausrichten wird. Vor allem bei der Noch-Endfünfzigerin hatten sich die Belastungen im vergangenen Jahr potenziert. Da waren gleich drei Anwesen der Jentzschs - das eigene Haus, das des Sohnes und von dessen Familie sowie das Raumdesign-Geschäft - nach elf Jahren zum zweiten Mal überflutet worden. Außerdem war die Hilfe bei der Pflege zweier Großmütter gefragt. "Meine Nerven lagen blank. So konnte ich nicht mehr weitermachen", blickt Heidrun Jentzsch zurück. Sie sollte eigentlich zur Kur. Folgte dann im April aber ihrem Mann ins neue, bescheidene Häuschen ins Gudsbrachsdal. Wo Roland Jentzsch nun schon den neunten Sommer schafft. Anfangs als Fliesenleger. Im Auftrag der Kommune bewirtschaftet er zudem eine Alm mit 70 Kühen, wobei ihm nun seine Frau zunächst helfen wird. "Was danach kommt, werden wir sehen. Als Handwerker oder Hausmeister bekommt man immer Arbeit", blickt Roland Jentzsch optimistisch in die Zukunft. Seine Frau könnte sich vorstellen, als Schneiderin etwas dazu zu verdienen. "Wir wandern nicht blauäugig aus und fangen auch nicht bei Null an", so die beiden. Er spricht zudem inzwischen perfekt die Landessprache, hat aber auch erfahren, dass die Norweger außerhalb der größeren Orte sowie des Großraumes Oslo sehr zurückhaltend auf Fremde reagieren. "Mir haben sie erst eine ganze Weile mit Abstand zugeschaut, ehe akzeptiert wurde, was ich mache", erzählt der Glauchaer. Und freut sich weiter: "Inzwischen gehören wir zur Gemeinschaft. Heidrun geht montags mit einer Frauengruppe in die Umgebung auf Wanderschaft und verbessert dabei ihr Norwegisch." Dieses Land habe ihr immer sehr gut getan, sagt sie, sieht ihrem Mann dabei tief in die Augen und schwärmt weiter: "Die herrliche Natur, die Berge und dass alles so friedlich ist."

Raumdesign Jentzsch in Glaucha führt bekanntlich Sohn Candy weiter. Der Kontakt zur Familie, zu Freuden und Bekannten im Dorf und darüber hinaus ist weiterhin wichtig. Vor dem Wiedersehen zu Weihnachten mit Kindern und Enkeln nutzen die Jentzschs den kurzen, elektronischen Weg dafür. "Der Bürgerinitiative, die für mehr Hochwasserschutz kämpft, wünschen wir ebenfalls viel Erfolg, bleiben deshalb auch Mitglied im Verein", versichern die Auswanderer und Norwegen-Fans. Die es vielleicht auch ohne die Flut irgendwann nach Norden gezogen hätte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2014

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