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Zweimal Flutopfer in elf Jahren - Eilenburger Tischlerei verlässt Mühlstraße

Zweimal Flutopfer in elf Jahren - Eilenburger Tischlerei verlässt Mühlstraße

Sicher und mehr Platz: Für die Eilenburger Tischlerei Treiber hat das Hochwasser 2013 den letzten Anstoß gegeben, einen neuen Standort zu suchen. Dass dieser im ECW-Gewerbegebiet gefunden wurde, ist für die Stadt ein Glücksfall.

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Roman Treiber (links) und Möbeltischler Frank Otto nehmen eine bearbeitete Schranktür von der Fräsmaschine.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Sie hatte zwei Jahre vergeblich versucht, einen Käufer für die einst vom Zweckverband für Beschäftigungsförderung genutzte Immobilie zu akquirieren.

Die Bilderrahmen mit den Urkunden, die von den Qualifikationen künden, stehen noch am Boden und der Schreibtisch wirkt im großen Büro etwas verloren. Da fehlt etwas? "Eine Regalwand. Büromöbel sollen geliefert werden. Ich kenne da jemanden, der so etwas macht", erklärt Roman Treiber. Da kommt Ironie ins Spiel, denn seine Tischlerei wird das natürlich selbst erledigen. Aber Aufträge haben natürlich Vorrang.

Trotzdem scheint der Sechs-Mann-Betrieb gut angekommen zu sein unterm ECW-Wasserturm. Die Erleichterung ist Micaela und Roman Treiber - sie ist Kauffrau, er Tischlermeister - anzumerken. 2002 und 2013 standen die Werkstatt und das Wohnhaus in der Mühlstraße im Wasser. "Aber die räumlichen Verhältnisse waren schon vorher nicht mehr optimal", erzählt er. Das Gebäude hat zwei Etagen. "Die Teile mussten über die enge Treppe nach oben in die Lackiererei getragen werden."

Trotzdem war kurz vor dem Hochwasser noch einmal in eine neue CNC-programmierbare Maschine investiert und diese in der Werkhalle in der Mühlstraße eingebaut worden. Tieflader und Spezialkran brachten jetzt das 4,5 Tonnen schwere Gerät zum neuen Standort. Auch dafür musste die Mühlstraße noch einmal gesperrt werden. Immer wieder gab und gibt es Umleitungen: Bergrutsch, Sanierung, Verlegung von Gas- und Stromleitungen. "Selbst unsere Zulieferung legte manchmal den Verkehr lahm", berichtet der Firmenchef.

Anliegern von Mühlstraße und Mühlinsel hat das vorige Jahr viel Kraft gekostet. Im Fall der Tischlerei-Familie hieß es, zehn Monate zu dritt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung zuzubringen, und in dieser Zeit die Sanierung des Hauses sowie die Produktionsaufnahme erst in der Mühlstraße und dann an der Friedrich-Engelhorn-Straße zu stemmen. "Wir sind froh und dankbar, dass unsere Mitarbeiter so zu uns gehalten, dass uns Freunde, Bekannte geholfen haben. Nach außen hin war die Situation manchmal schwer zu vermitteln. Überall hieß es ja, dass Eilenburg vom Hochwasser verschont wurde", so Treiber.

Die Familie wird weiter an der Mühlstraße wohnen. Diese gehört nicht zum Überflutungsgebiet, sie sollte auch von der nach 2002 erbauten Schutzmauer vor einem Hochwasser des Ausmaßes HQ 100 bewahrt werden. Allerdings war das Bauwerk noch nach den alten Normen errichtet worden und damit 30 Zentimeter niedriger. Noch ist nicht klar, wann und wie eine Nachrüstung kommt.

Für die nun leer stehende Werkstatt, ein denkmalgeschütztes Klinkergebäude, das einst zur Kattunmanufaktur gehörte, gibt es keine Pläne. "Wir wollen es erhalten. Vielleicht können wir es vorerst als Lagerfläche vermieten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2014
Von Heike Liesaus

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