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Eilenburg Brotduft über Glaucha
Region Eilenburg Brotduft über Glaucha
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17:10 17.01.2019
Das Brot „Opa Gerd“ hat Patrick Nagorny (links), Oliver Vogler und David Liniger schon viele Auszeichnungen eingebracht. Bild unten: Verkäuferin Steffi Winter mit doppelten Opa-Brötchen im Verkaufsbereich. Quelle: Fotos:
Glaucha

Opa Gerd hat Patrick Nagorny schon viel Ehre gemacht. Ihm ist die große, goldgerahmte Urkunde zu verdanken, die seit Dezember in Patrick Nagornys drei Bäckerläden in Eilenburg, Bad Düben und Glaucha prangt. Dabei muss man wissen: Opa Gerd ist ein Roggenmischbrot. Dreimal in Folge verlieh das Deutsche Brotinstitut der Kreation die Auszeichnung „sehr gut“ – und dafür gab es jetzt eine goldene Medaille.

„Wir machen das Brot genau so, wie es mein Opa auch gemacht hat. Es besteht und es hat Erfolg und ich möchte nicht, dass das verloren geht“, sagt Patrick Nagorny, der das Brot nach seinem Großvater Gerd Müller benannt hat. Dieser hatte von 1959 bis 1992 die Backstube in Glaucha geführt, in der nun Patrick Nagorny steht. Gerd Müller hat die Rezeptur des Roggenmischbrotes an seinen Enkel weitergegeben und er war es auch, der in den 1960er-Jahren den immensen Ofen angeschafft hat – gewaltig und monumental. Bis unter die Decke geht das eiserne Ungetüm, es ist so groß wie eine Abstellkammer.

Patrick Nagorny holt das Brot aus dem Ofen, den sein Großvater einst anschaffte . Quelle: Wolfgang Sens

Der Ofen – das Herz

Vier Klappen liegen untereinander, geöffnet werden sie mit schwarzen Hebeln, Ziffernblätter und Zeiger sind Zeugen einer anderen Zeit. „Damals war das Brot noch subventioniert, kostete 78 Pfennig und die Leute haben es körbeweise für die Schweine gekauft“, erzählt Patrick Nagorny. Heute wird Brot weniger gegessen und gekauft als zu DDR-Zeiten, dafür aber ist seine Bäckerei um zwei weitere Filialen gewachsen. Der Ofen bleibt also mehr als ausgelastet. Für Patrick Nagorny ist er die Garantie für die Qualität seiner Arbeit: „Er ist das Herzstück“, sagt der Bäckermeister. „Ich möchte ihn behalten. Unsere Kunden würden sofort schmecken, wenn da ein anderer Ofen wäre, da bin ich mir sicher”, sagt er lächelnd. Der Ofen bestimmt den Arbeitsrhythmus in der kleinen Backstube. Und so gibt der Ofen auch heute den Arbeitsrhythmus vor. Auf der schlichten, weißen Uhr an der Wand steht der kleine Zeiger kurz hinter der eins, es ist mitten in der Nacht. In der Backstube herrscht friedliche Betriebsamkeit, die Maschinen kneten den Teig, Nagorny und seine drei Mitarbeiter – eine Kochgesellin und zwei Bäckergesellen – hantieren mit Mehl und Eiern, rollen Teig aus, spritzen Gebäck und holen Bleche ran, während der Ofen langsam ausfheizt, bis zu 290 Grad kann er heiß werden.

Uk halb zwei Uhr brutzeln Teigkringel im Öl. Quelle: Anna Schade

Patrick Nagorny schiebt einen Mohnkuchen in die oberste Klappe, der kann schon einmal gebacken werden, während an Hitze gewinnt. Denn der bestimmt die Reihenfolge: „Wenn der Ofen richtig heiß ist, kommt zuerst unser Roggenmischbrot in verschiedenen Varianten hinein, das braucht die meiste Anfangshitze. Später folgen dann Roggen- und Vollkornbrot und am frühen Morgen die Brötchen“, erklärt der Bäckermeister.

Raum für Kreativität und Zukunft

Bäckergeselle David Liniger bestreicht derweil Opa Gerd liebevoll mit Wasser, der letzte Handgriff vor der Fahrt in den Ofen. Der 28-Jährige hat ein ungewöhnliches Arbeitsleben: Von Mitternacht bis sechs Uhr morgens steht er in der Backstube, manchmal geht es auch bis acht: „Dann komme ich nach Hause und lege mich hin. Und wenn ich dann am Nachmittag aufwache, habe ich noch einen großen Teil des Tages vor mir und kann die Kinder sehen“, berichtet er zufrieden. Es ist familienfreundlich, und die traditionsreiche Backstube bietet ihrem Mitarbeiter außerdem Raum für Kreativität und Weiterentwicklung in Richtung Zukunft. Liniger hat inzwischen seine eigene Nische gefunden: „Torten mit Airbrush-Verzierung für Hochzeiten und Geburtstage, das mache ich besonders gerne. Das ist inzwischen mein Spezialgebiet.“

Ein Rückbezug in neuen Zeiten

Konditorei und immer wieder neue Variationen der eigenen Produkte gehören inzwischen zum Geschäftskonzept hinzu – und trotzdem bleibt die Bäckerei Nagorny ein Rückbezug auf Altes in einer neuen, schnellen Zeit: „Seit der Neueröffnung 1995 standen die Leute Schlange“, erinnert sich Nagorny. „Viele wissen auch, dass die Backstube noch wie früher aussieht.“ Dass aber die Zeit nicht stehengeblieben ist, das weiß Patrick Nagorny natürlich trotzdem. Der Chef hat den traditionellen Bäckerprodukten neue Namen und seinen Mitarbeitern und Verkäufern einheitliche T-Shirts verpasst, und die Bäckerei Nagorny hat neben Airbrush-Torten inzwischen auch eine Facebook-Seite. Seit 2017 gibt es außerdem eine weitere Nagorny-Filiale in Eilenburg.

Erfüllung im Handwerk

Bäckerei Nagorny Quelle: Anna Schade

Um das große Geld geht es Patrick Nagorny bei alledem nicht: „Es ist einfach schön zu wissen, dass du jeden Tag mit deiner Hand etwas herstellst und die Leute das genießen“, sagt er dazu nur versonnen. Und er weiß, die Menschen hier auf dem Land honorieren das jeden Tag. Eigentlich war Nagorny gerade auf dem Absprung in die große Welt, als seine Eltern ihm ihre Pläne zu Wiedereröffnung der Familien-Bäckerei eröffneten. „Ich mochte die Arbeit und ich blieb“, sagt er heute und lacht. Er hat es nicht bereut, die Ausbildung zum Bäckermeister schließlich mit Bestnoten abgeschlossen. Inzwischen lebt Nagorny in Leipzig, Nacht für Nacht jedoch kommt er zurück in seine Heimat, um sein Handwerk auszuführen. Über Glaucha liegt dann frühmorgens ein wunderbarer Brotduft – der Geruch von Opa Gerd.

Von Anna Flora Schade

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