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Region Ableger der Cannewitzer Palmen

Ableger der Cannewitzer Palmen

Maxens Palmen seien im Prinzip unkaputtbar, resümieren Roland und Christine Donner in Denkwitz. Genauso wie beim Familienoberhaupt mit 66 Jahren das Leben erst richtig anfängt, hat auch die Palme mindestens zwei Leben: „Bei einem Exemplar musste ich Erfrierungen feststellen. Also schnitt ich die Palme runter und schon trieb sie neu.“ Die welk gewordenen Blätter trennt Roland Donner regelmäßig mit dem Cuttermesser ab. Das habe er sich so in Mallorca abgeschaut. Das müsse sein, sonst, so sagt er, fingen die Blätter an zu faulen. Der Vater von Roland, Siegfried Donner, war Landwirt, arbeitete im Volksgut Cannewitz und kannte so die Schwarzes. Von ihnen bekam er eine Palme, die er an den Sohn weiter gab: „Natürlich halten wir alle Palmen in Ehren. Sie sind eben nicht aus irgendeinem Gartencenter – sie sind echt, die Blätter hart, scharf und sehr spitz. Man muss aufpassen, dass man sich nicht schneidet oder sticht. Sonst läuft Blut, Herzblut eben.“ Anfangs hatten die Donners die Palmen im Topf und mussten sie im Winter immer reinholen. Danach standen sie fest verwurzelt im Garten. Der Denkwitzer Hobbygärtner schützte sie mit einem Weihnachtsbaumnetz und stülpte noch dazu einen Trebsener Papiersack drüber. Trotz dreimonatiger völliger Dunkelheit sei die Palme im Frühjahr immer wieder aufgelebt. Doch damit nicht genug: „Einmal stand sie sogar zweimal in voller Blüte – mit 100 weißen Glocken am Stiel.“

Quelle: Haig Latchinian

Der Cannewitzer Zimmerermeister Michael Busch (54) genießt in seiner Mittagspause einen ganz besonderen Platz an der Sonne. Auf der ergometrisch gestylten Bank lässt er alle Fünfe gerade sein und fühlt sich ein bisschen wie an den hoch herrschaftlichen Gestaden des Comer Sees. Flankiert wird er gleich von mehreren Palmen aus der Erbfolge des unvergessenen Max Schwarze. Gepflegt werden die zum Teil über zwei Meter hohen Pflanzen von Bruder Frank Busch (51). Die tropischen Gewächse gehörten ursprünglich Kai Pappisch, erzählen die Buschs. Als dem Nachbarn die Palmen jedoch über den Kopf wuchsen, musste er sich von ihnen trennen und schenkte sie der Familie Busch. Anfangs dachte der Zimmerer, die Palmen würden eingehen, sobald sie blühen. „Doch denkste! Dann geht’s erst so richtig los“, hat der Meister längst hinzu gelernt. Weil die Palmen so derart ins Kraut schossen, habe sich sein Bruder Frank beim Umtopfen kurzerhand entschlossen, zwei Regentonnen zu Blumenkübeln umzufunktionieren.

Quelle: Haig Latchinian

Der Cannewitzer Jochen Donner (76) stimmt derweil ein Loblied auf Max’ Schwiegertochter Flora an: „1982 schenkte sie meiner Frau Christa eine schon damals 26-jährige Palme. Sie sagte ihr immer, dass sie doch ein so gutes Mädchen sei.“ Christa, heute 69, lacht: „Meine Tante Else Panitz mochte mich wirklich sehr. Sie war befreundet mit Flora Schwarze. Als ich ihr verriet, dass ich gern so eine schöne Palme haben möchte, zu DDR-Zeiten gab es die ja nirgendwo anders, legte sie bei Flora ein gutes Wort für mich ein. Flora habe geantwortet: Deine Nichte bekommt eine ganz Große.“ 62 Jahre alt sei die Palme inzwischen und stehe in Mutzschen, bei Reiner Jeromin, einem ehemaligen Schulfreund: „Wir mussten uns von der Palme trennen, da der Keller zum Überwintern nicht mehr hoch genug war“, sagt Christa Donner.

Quelle: Haig Latchinian
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