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250 Jahre Schützenhaus Frohburg- eine Bühne für große DDR-Bands

250 Jahre Schützenhaus Frohburg- eine Bühne für große DDR-Bands

Schießhaus, Schützenhaus, Wyhratal und erneut Schützenhaus: In den 250 Jahren seines Bestehens hat sich der Name dieser bekannten Frohburger Lokalität mehrfach gewandelt.

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Das 1765 erbaute Schützenhaus in Frohburg wird 250 Jahre alt . Die Hausherren Sophie und Wolfgang Braunert werden das Jubiläum ausgiebig feiern.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Konstant blieb das Haus über alle Zeitenwechsel aber vor allem eins: ein Ort, an dem sich das gesellschaftliche Leben Frohburgs konzentriert. Das Jubiläum "250 Jahre Schützenhaus" ist deshalb für den langjährigen Hausherrn Wolfgang Braunert und seine Tochter Sophie, die 2013 hier die Regie übernahm, ein hervorragender Grund, zurückzuschauen und gemeinsam mit jenen zu feiern, die das Haus an der Wyhra, wenige Schritte nur vom Marktplatz entfernt, heute mit Leben füllen.

Den Älteren und den etwas Jüngeren ist das Frohburger Schützenhaus vor allem als "Wyhratal", das Kulturhaus der Textildruckerei, ein Begriff. Ersteren, weil hier getanzt und gefeiert wurde, weil es Konzerte gab und Kabarett, Zirkel sich trafen, das Blasorchester der Feuerwehr probte (was es noch immer macht). Letzteren, weil das "Wyhratal" in den späteren DDR-Jahren in einer Reihe stand mit dem Amor-Saal in Mülsen, mit Gaschwitz, Sermuth und anderen Orten, wo die langhaarige, staatsfernere Jugend sich zu Konzerten traf. "Alles, was es in der DDR an Größen gab, stand bei uns irgendwann auf der Bühne", erinnert sich Wolfgang Braunert lebhaft, der ab Anfang der achtziger Jahre Wirt im Auftrag der Handelsorganisation HO gemeinsam mit seinem Bruder Günther die Bands an die Wyhra holte: Renft, Hans-Jürgen Beyer (ehe er ins Schlagerfach wechselte) und die Bürkholz-Formation, Panta Rhei (später bekannt unter Karat), Stern Meißen - "nur die Puhdys nicht, die waren uns zu rot". Hunderte Tramper steuerten dann an den Wochenenden Frohburg an, um ihre Idole zu erleben, um aufzuleben - viele schliefen gleich auf dem Saal. "Die Offiziellen haben das nicht gern gesehen", sagt Braunert und lacht: waren diese Jahre auch nur eine Episode in der langen Geschichte des Hauses, sie sind ihm noch immer nahe.

Errichtet wurde das Haus 1765 durch die Privilegierte Schützengilde Frohburg, als Versammlungs- und Schießhaus gleichermaßen. Die Schützenfeste, die die Gilde Ende des 19. Jahrhunderts hier feierte, suchten in Größe und Pracht ihresgleichen. Nach mehrfachem Besitzerwechsel gelangte das Haus an die Textildruckerei, deren weitläufiges Betriebsgelände unmittelbar dahinter begann. Die HO fungierte als Träger, verpachtete die Gaststätte Mitte der fünfziger Jahre an Herta Braunert, Wolfgangs Mutter. Der Sohn wuchs hinein in das Geschäft, lernte Koch. In frostigen Wintern, erinnert er sich, diente der Saal als Quartier für Soldaten, die in der Kohle aushelfen mussten. Sommers ruhte der Ausschank, weil das Haus zum Kinderferienlager des Kombinates wurde: "Wir haben dann die Beköstigung der Kinder übernommen."

Mit der Wende war das Ende der HO, aber auch das der Textildruckerei absehbar. Wolfgang Braunert überlegte nicht lange: Der Angestellte nahm Mut und Geld zusammen, wurde zum Eigentümer der Immobilie, richtete sie Schritt für Schritt her. Bemerkenswert ist die Würdigung des in Frohburg und Kohren-Sahlis sehr engagierten Kunsttöpfers Kurt Feuerriegel; dem ist ein ganzer Raum gewidmet. Hingucker ist ein Ofen aus Feuerriegel'schen Kacheln. Als die Schützengilde sich erneut gründete, war er dabei, und es war für ihn keine Frage, dem Haus den angestammten Namen zurückzugeben. "Die Vereine kommen wie früher auch", sagt Braunert: Blasorchester, Tänzer, Kegler und natürlich die Schützen, die unter diesem Dach einen Schießstand eingerichtet haben. Die Skatfreunde richten ihr weithin ausstrahlendes Kiesewetter-Turnier aus, die einstigen Schlesier füllen mit ihren Heimattreffen regelmäßig den Saal. Der Rockclub schließt mit seinen Konzerten an jene Zeiten an, als Jesuslatschen und Hirschbeutel angesagt waren.

"Wenn du bestehen willst, musst du viele Felder beackern", sagt Wolfgang Braunert (65), der seiner Tochter Sophie weiter zur Seite steht. Das Team aus sechs Festangestellten und zehn Pauschalisten betreibt die Gaststätte, richtet Veranstaltungen und Feiern aus, kocht für Pflegedienste, betreibt den Kiosk im Stadtbad, tritt bei großen Festen mit Zelt als Caterer auf. "An unser Jubiläum wollen wir das ganze Jahr über erinnern", sagt Sophie Braunert (34) - etwa mit einem Schaukochen, zu dem man im Herbst Sternekoch Manfred Buchwieser einlädt. Kunstgenuss gibt es mit dem Maler Siegfried Kunkel, der am 5. September eine Ausstellung im Haus eröffnet. Am 25. und 26. September folgen Konzerte, so mit Kozmic Blue und dem Mike-Seeber-Trio. Außerdem wird um den Pokal des Schützenhauses gekegelt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.09.2015
Ekkehard Schulreich

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