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900 Jahre alte Malerei in der Bad Lausicker Stadtkirche wird jetzt gesichert

900 Jahre alte Malerei in der Bad Lausicker Stadtkirche wird jetzt gesichert

Neun Jahrhunderte alt ist vermutlich jene Ausmalung, die den Altarraum der Bad Lausicker Kilianskirche schmückt. Von der ursprünglichen Pracht ist wenig geblieben.

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Diana Berger-Schmidt beim Verfüllen der Risse im Putz.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Der sich lösende Putz trägt neben wenigen Farbresten geritzte und hineingedrückte Konturen, die Jesus und die Evangelisten zeig(t)en. Unter ihnen wahrscheinlich der Heilige Kilian, der der 1105 erbauten Kirche ihren Namen gab. Eine Restauratorin bemüht sich jetzt, diesen Schatz zu sichern.

Auf dem hölzernen Gerüst ist Diana Berger-Schmidt bei ihrer Arbeit nicht nur vier Meter über dem Kirchenboden in St. Kilian. Vor allem ist sie einer Kunst nahe, mit der vor 900 Jahren die von fränkischen Siedlern neu erbaute Kirche im heutigen Bad Lausick schmückten. Über den romanischen kleinen Fenstern des Altarraumes sind Reste eines Bildes erhalten, das in seinem Bestand allerdings stark gefährdet ist. Der die Darstellung tragende Putz ist gesprungen. „Es gibt zahlreiche Stellen, die wackeln", sagt die Restauratorin, die bis weit in den September hinein mit dem Reinigen und der Hinterfüllung der Segmente und mit dem behutsamen Verschließen der zahllosen Risse befasst ist.

„Was wir in Resten sehen, das ist die Vorzeichnung, die auf den feuchten Putz aufgetragen wurde", erläutert die 32-jährige gebürtige Breitenbornerin, die seit einem Jahrzehnt als Restauratorin arbeitet und die vor zwei Jahren in den Altenburger „Roten Spitzen" ein ähnliches Apsis-Bild sicherte. Die Farbschichten, die auf den dann schon getrockneten Untergrund aufgebracht wurden, lassen sich nur punktuell noch erkunden. Deutlich zu sehen - und vom Gerüst aus natürlich besser als vom Boden der Apsis - sind die Heiligenscheine der Evangelisten, in den Putz geritzt und offenbar mit Fingerspitzen gedrückt. Ebenso ein Stab, den jene Figur hält, die den Schutzpatron Kilian zeigen könnte. In der Mitte des Bildes war ursprünglich Jesus zu sehen, eingefasst von einem Oval, möglicherweise in Regenbogenfarben; davon ist kaum etwas erhalten.

Viele Details des ursprünglichen Bildes, bei dem Rot, Ocker, Schwarz und Weiß dominierten, werden Spekulation bleiben. Eine erste Aufnahme in ultraviolettem Licht zeigte manch Verborgenes. Berger-Schmidt will eine zweite nach der Säuberung der Fläche und aus der unmittelbaren Nähe wiederholen: „Da lege ich mal eine Nachtschicht ein." Ziel sei in Abstimmung mit den Denkmalschützern, das Erhaltene zu konservieren, nicht, es nach heutigen Recherchen zu ergänzen.

Der Besucher der Kilianskirche werde künftig dennoch einen Eindruck von der Ausmalung erhalten können, wie sie im 12. Jahrhundert zu sehen war, sagt Manfred Schön, Vorsitzender des Fördervereins St. Kilianskirche: „Die Restaurierung ist seit Langem Hauptziel unserer Vereinstätigkeit." Die Sicherung jetzt durchzuführen, sei dringlich. Die Kohlebunker auf dem Kirchplatz sollen nämlich beseitigt werden: „Wenn dort schon jetzt mit Presslufthämmern gearbeitet worden wäre, hätte das unwiderbringliche Schäden zur Folge gehabt." Für die Sicherung des Bildes komme die Kirchgemeinde mit Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege auf. Bei Bedarf leiste der Verein finanzielle Hilfe; er wolle aber perspektivisch vor allem dafür sorgen, dass künftig ein dem Original nachempfundenes Computerbild auf das historische Gemäuer projiziert werden könne.

Ekkehard Schulreich

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