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Ab 11. Dezember fahren im Muldental mehr Busse Richtung Leipzig

Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ Ab 11. Dezember fahren im Muldental mehr Busse Richtung Leipzig

Was auf dem Land immer wieder bemängelt wird, ist der öffentliche Nahverkehr. Mit dem sachsenweiten Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ soll eine neue Ära beginnen, sagen die Initiatoren. Start ist am 11. Dezember.

Die neuen Linien kommen am Sonntag im „Muldental in Fahrt“.

Quelle: MDV

Landkreis Leipzig. Ulrich Gäbel ist sich sicher: „Die Brandiser freuen sich. Vor allem für ältere Leute wird es eine echte Verbesserung.“ In seiner Heimatstadt startet das Modellprojekt. „Wir haben dann mehr Haltestellen, die Wege zum Bus werden kürzer“, sagt der 57-jährige Ortsvorsteher, der für die Linken im Kreistag sitzt. Ein „gravierender Qualitätssprung“ ist für ihn, dass die Busse auch abends länger fahren.

Er selbst will künftig das Auto stehen lassen, wenn er in Leipzig ein Konzert oder eine Sportveranstaltung besucht. Per Bus fährt er zum Bahnhof und mit dem Zug bis in die Leipziger Innenstadt, er muss keinen Parkplatz suchen und spart das Parkhaus-Geld, er kann sogar auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein trinken. Seiner Meinung nach könnten davon Menschen jeder Altersgruppe profitieren. „Ich hoffe, dass das Angebot gut angenommen wird und viele künftig ihr Auto stehen lassen“, meint der Ortsvorsteher.

Es ist ein für Sachsen einzigartiges und ehrgeiziges Projekt in den Städten Grimma, Bad Lausick, Colditz und Brandis samt Umgebung. „Muldental in Fahrt“ startet am Sonntag mit ausgewählten Linien. Dabei geht es im Kern darum, die Bewohner der ländlichen Region per Bus besser zu den Zügen zu bringen, sagt Iris Bode, Sachgebietsleiterin für Schülerbeförderung und Öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Leipzig. Es wird hundert neue Haltestellen geben, bisher sind es 500 Stopps. Die Busse fahren wesentlich öfter, auch an den Wochenenden und bis in den Abend hinein.

Mehr Haltestellen, Busse fahren öfter und bis in den Abend hinein

Beispiel Linie 613 zwischen Colditz und Bad Lausick: Bisher hat der Bus von Montag bis Freitag vier bis fünf Fahrten pro Richtung, am Wochenende fährt er gar nicht. Es gibt keinen einheitlichen Takt, in der Schulzeit gilt ein anderer Fahrplan als in den Ferien. Neu sieht das dann so aus: Neun Fahrten pro Richtung von Montag bis Freitag, der Bus verkehrt alle zwei Stunden und in der Hauptverkehrszeit im Einstundentakt, gleicher Fahrplan in der Schulzeit und in den Ferien. Am Sonnabend sechs Fahrten pro Richtung, am Sonntag vier.

„Es gibt eine gewisse Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr“, so Bode. Ältere Leute wünschen sich vormittags Verbindungen in die Stadt, um zum Arzt zu kommen oder Einkäufe zu erledigen. Und die Zahl der Senioren im ländlichen Raum werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Dabei sei es wichtig, die Wege zu den Haltestellen zu verkürzen, die Busse seniorenfreundlich zu gestalten. Auch Berufspendler seien mit der Verbindung zu den Bahnhöfen oft nicht zufrieden. Das Modellprojekt kremple das System nahezu um. Die Busse fahren nicht nur öfter, es werde zum Beispiel auch darauf geachtet, dass sie jeden Tag im gleichen Takt verkehren. 15.20 Uhr, 16.20 Uhr, 17.20 Uhr lässt sich eben besser merken.

Rund 22 000 Kinder und Jugendliche besuchen im Landkreis Leipzig eine Schule. Fast die Hälfte davon, mehr als 10 000 Schüler, brauchen den Bus, um dahin zu kommen. Eine von ihnen ist Clara Witschel aus Mark Schönstädt. Seit zwölf Jahren fährt sie Bus, erst zur Grundschule nach Hohburg, dann ins Gymnasium nach Wurzen. Gegen sieben steigt sie morgens in den Schulbus, um es pünktlich zum Unterrichtsbeginn zu schaffen. 35 Minuten beträgt die Fahrzeit, derzeit etwas länger, weil es aktuell zwei Baustellen gibt. Wenn sie vier Doppelstunden hat, ist sie 16.40 Uhr wieder zu Hause. „Ich könnte auf die Fahrzeiten gerne verzichten. Andere haben anderthalb Stunde mehr Zeit pro Tag zur Verfügung“, sagt die Abiturientin. Schwierig wird es, wenn sie Ausfall hat, „da muss ich manchmal zwei Stunden warten, wenn mich niemand abholen kann“.

80 Prozent der Fahrgäste sind Schüler, Busauslastung beträgt nur 18 Prozent

Das neue Modellprojekt käme ihr entgegen, doch die Wurzener Region gehört noch nicht mit dazu. Dennoch, so der Plan des Landkreises, soll der Nahverkehr Schritt für Schritt auch in den anderen Kommunen verbessert werden. Konzepte dazu liegen bereits vor und wurden mehrfach diskutiert – auch wenn die Bedingungen wohl nicht so optimal sind wie im Modellprojekt.

Dennoch: Möglichst jedermann soll davon profitieren, vor allem werden sich Schüler freuen. Sie sind mit 80 Prozent die derzeit größte Gruppe der Fahrgäste, so Iris Bode. Wenn die Kinder morgens oder nachmittags Unterrichtsausfall haben oder nach der Schule noch einen Freund besuchen wollen, soll das künftig einfacher mit dem Fahrplan zu vereinbaren sein.

Die Auslastung der Busse im Landkreis Leipzig beträgt derzeit nur 18 Prozent, was häufig daran liege, dass die Fahrpläne zu sehr auf Schulen ausgerichtet seien, so die Sachgebietsleiterin. Auch hier soll das neue Projekt Änderungen erreichen, wünscht sich der Initiator Mitteldeutscher Verkehrsverbund, der gemeinsam mit dem Landkreis, der Regionalbus GmbH und dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig die Aktion stemmt. Leere Busse nützen niemandem und der öffentliche Nahverkehr kostet viel Geld. Für 2017 beschloss der Landkreis für sein Tochterunternehmen Regionalbus einen Zuschuss von 900 000 Euro, für 2018 sind es 1,4 Millionen Euro. Wohlgemerkt als Zuschuss.

Nach langer Vorbereitung startet „Muldental in Fahrt“ am Sonntag mit vier ausgewählten Buslinien. Das betrifft die Strecken von Colditz nach Bad Lausick sowie von Falkenhain in Richtung Bahnhof Kühren. Eine verbesserte Linienführung gibt es für Wurzen-Burkartshain-Oelschütz-Grimma. Zudem erhält Brandis die neue Regionalbuslinie 689, die alle 30 Minuten vom Fachklinikum über den Markt zur S-Bahn nach Gerichshain verkehren soll. Der zweite Schritt ist dann zu Beginn des neuen Schuljahres am 6. August geplant, wenn der veränderte Regionalbusverkehr im gesamten Modellgebiet umgesetzt werden soll.

Von Claudia Carell

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