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Geithain Ab 2018: Nummerierung der Häuser in Kohren-Sahlis wird durchschaubarer
Region Geithain Ab 2018: Nummerierung der Häuser in Kohren-Sahlis wird durchschaubarer
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00:22 11.11.2017
Noch prangt die Nummer 286 an diesem Gebäude in der Narsdorfer Straße. Doch ab 2018 wird es in Kohren-Sahlis, dann Teil der Stadt Frohburg, so hohe Hausnummern nicht mehr geben. Quelle: Andreas Döring
Kohren-Sahlis

Was verbindet Kohren-Sahlis mit Koblenz und Helgoland, Venedig und Prag? – Die Art und Weise, die Häuser der Stadt durchzunummerieren. Allerdings wird das Kapitel der Konskriptionsnummern, wie es wissenschaftlich heißt, mit der Eingliederung in die Stadt Frohburg 2018 geschlossen. Dann gilt, was im Rathaus in den vergangenen Wochen in aufwendiger Kleinarbeit entworfen wurde und was in den meisten Städten Deutschlands Usus ist: Jede Straße hat ihre eigenen Nummern. Für die Einwohner von Kohren und Sahlis bedeutet das eine Umstellung.

Das erste Haus am Platze ist in Kohren-Sahlis die Töpferstraße Nummer 1. Quelle: Andreas Döring

Von 1 (Töpferstraße an der Hainmühle) bis 286 (Narsdorfer Straße) ist Kohren-Sahlis konsequent durchnummeriert. Zwischendrin nachträglich bebaute Grundstücke erhielten bislang einen Buchstaben-Zusatz. Dass Auswärtige hier kaum durchblicken, wundert nicht. Nicht Straßennamen und Hausnummern seien bis in die Gegenwart das praktizierte Maß der Dinge gewesen, sondern Kommunikation, sagt Petra Lätzsch: „Die Frage lautet: Zu wem wollen sie denn? Das wird auch nach der Änderung noch eine Weile so bleiben.“ Lätzsch, in der Stadtverwaltung für Liegenschaften zuständig, kam die Aufgabe zu, das historisch gewachsene (Des-)Orientierungssystem umzustülpen. Auf Katasterblättern ging sie Straße für Straße durch, vermerkte für die Grundstücke neue Hausnummern. Das habe mancher Recherche bedurft und der Hinterfragung des Flächennutzungsplans, um mögliche künftige Bebauungen gleich mit zu berücksichtigen.

Auf diese Weise Klarheit herzustellen, wird es für Günter Barthel höchste Zeit. „Man hätte da schon 1934, als das Dorf Sahlis in die Stadt Kohren eingemeindet wurde, Ordnung reinbringen sollen“, sagt der Heimatgeschichtler. Doch statt dessen habe man damals beide Stadtteile, in denen die Häuser durchnummeriert waren, lediglich durch ein großes A für Kohren und ein B für Sahlis unterschieden. Auf die Vorsatzbuchstaben wurde Mitte der Fünfzigerjahre verzichtet – und nun für die gesamte Stadt durchnummeriert. „Das war der größte Unsinn“, sagt Barthel. Selbst in Sahlis zu Hause, hat er die alte Nummer B 16 (Nummer B 1 war das Sahliser Rittergut, auf dem die meisten in Lohn und Brot standen) bis heute aufbewahrt; demnächst kann er die noch aktuelle seiner Narsdorfer Straße 255 dazulegen.

Das Rathaus in Kohren-Sahlis hat derzeit die Hausnummer 68. Quelle: Andreas Döring

Der Stadtrat beschloss auf seiner jüngsten Sitzung die neue Hausnummern-Struktur. Sie folgt dem System der Orientierungs-Nummerierung, auch Zickzack-Prinzip genannt: Ausgehend von der Stadtmitte erhalten die Grundstücke einer Straße, mit 1 beginnend, linkerseits ungerade, rechterseits gerade Nummern. Verbindlich wird das per Allgemeinverfügung, also durch die Veröffentlichung dieses Beschlusses. Bis zum 10. November setzt die Stadt über die Neunummerierung die Deutsche Post in Kenntnis, damit die ihre Zustellung ab 1. Januar anpassen kann. Für Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) ein überfälliger Schritt: „Und wenn aufgrund der Eingliederung ohnehin eine Adressänderung ansteht, macht das Sinn.“

Über Jahrhunderte trugen Gebäude zur Unterscheidung lediglich Hauszeichen, die etwa Gasthöfe oft bis heute noch tragen. Erste Versuche mit Hausnummern gab es im 16. Jahrhundert; flächendeckend eingeführt wurden sie zwei Jahrhunderte später in Paris. Konskriptionsnummern wie in Kohren-Sahlis waren verbreitet, erwiesen sich angesichts wachsender Städte aber bald als Nachteil. Die Einführung von Straßennamen samt Nummerierung schaffte mehr Klarheit. In Preußen aber setzte man nicht auf das Zickzack-, sondern auf das Hufeisen-Prinzip: Man nummerierte vom ersten Haus auf der rechten bis zum letzten Haus auf der linken durch. Auch das erwies sich nicht als der Weisheit letzter Schluss. In einigen größeren deutschen Orten halten sich Reste des Konskriptionssystems, auf dem Land ohnehin. In Tschechien und der Slowakei werden diese Nummern, zu Zeiten des Habsburgerreiches eingeführt, bis heute genutzt. In Wien findet man an vielen historischen Bauten noch immer die Schilder dieser alten Zählweise. Und wer nach Venedig reist: Hier sind bis heute Häuser eines Viertels nach der Zeit ihrer Erbauung durchnummeriert.

Von Kohren-Sahlis

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