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Abbaupläne: Zwei Tongruben sollen Rathendorf einkesseln

Rohstoffe Abbaupläne: Zwei Tongruben sollen Rathendorf einkesseln

Von zwei neuen Tongruben wird Rathendorf in den nächsten Jahrzehnten von Süden und Westen her förmlich umschlossen. Das jedenfalls sieht der Rahmenbetriebsplan für den Tagebau Langenleuba-Oberhain/Rathendorf vor. Zur Genehmigung eingereicht hat ihn die Braas GmbH, die in Obergräfenhain mehrere Dachziegelwerke betreibt.

Blick auf Rathendorf und seine Kirche (re.) von Westen: Beidseits der von Jahnshain her kommenden Kreisstraße in der Bildmitte soll Ton abgebaut werden. Das nördliche Feld liegt zwischen Jahnshain und Rathendorf, das südliche zwischen Rathendorf und dem Oberdorf von Langenleuba-Oberhain.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Das Planfeststellungsverfahren läuft seit mehr als einem Jahrzehnt. 2005 hatten betroffene Grundstückseigentümer, Kommunen und Institutionen Gelegenheit, sich zu äußern. Am 28. Oktober 2015 - zehn Jahre später! - setzt das sächsische Oberbergamt in Obergräfenhain den sogenannten Erörterungstermin an. Er diene "zur Feststellung und Klärung aller für eine sachbezogene nachvollziehbare Entscheidung erheblichen Fakten und Gesichtspunkte und soll den Betroffenen zu rechtlichem Gehör verhelfen", sagt Oberberghauptmann Professor Bernhard Cramer. Der Narsdorfer Bürgermeister Andreas Große (parteilos) spricht in Anbetracht des inzwischen verflossenen Jahrzehnts von einer "Farce", denn einige Grundstückseigentümer, die sich im Verfahren zu Wort meldeten, lebten schon längst nicht mehr. Zudem habe sich vieles geändert, das heute zwingend Berücksichtigung finden müsse.

Das Klinkerwerk Narsdorf stand über Jahrzehnte für die Produktion von Baustoffen aus gebranntem Ton. In den Neunzigerjahren knüpfte das Unternehmen Braas an, investierte im benachbarten Obergräfenhain in mehrere neue Werke zur Dachziegelproduktion, betreibt auch den modernisierten Standort Narsdorf weiter. Der Rohstoff kommt vor allem aus Abbaufeldern westlich von Narsdorf. Diese Basis für die nächsten vier Jahrzehnte zu sichern, daran arbeitet das Unternehmen mit seinen rund 180 Beschäftigten seit Langem. Kern ist der Aufschluss besagten neuen Tagebaus. Das Bewilligungsfeld Rathendorf umfasst 166 Hektar, das Feld Langenleuba-Oberhain 101 Hektar. Abgebaut werden sollen über den gesamten Zeitraum 15,6 Millionen Tonnen Ton.

Der Abbau soll im Feld Langenleuba-Oberhain starten. Den jährlichen Flächenbedarf beziffert der Leiter des Bergbehörde auf fünf bis zehn Hektar: "Zur Wiedernutzbarmachung werden Abraum und Oberboden nach Tagebau-Ende mit dem Ziel der landwirtschaftlichen Nutzung wieder eingebaut. Räumlich und zeitlich betrachtet schließt sich die Rekultivierung unmittelbar an den Abbau als ,wandernde' Fläche von maximal zehn Hektar an."

Dass die Einwohner Rathendorfs und Jahnshains von den Auswirkungen des Abbaus - etwa durch Staub und Lärm - beeinträchtigt würden, verneint Bernhard Cramer auf LVZ-Nachfrage. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung habe ergeben, dass "keine besonderen über das übliche Maß hinaus gehenden Schutzmaßnahmen erforderlich sind". Der Transport des Rohstoffs soll - wie heute schon in Narsdorf praktiziert - auf einer separaten Trasse erfolgen, nicht auf öffentlichen Straßen. Auf eine Straße aber hat der Tonabbau Konsequenzen: Die Kreisstraße, die Rathendorf und Jahnshain verbindet, soll "unterfahren" werden, um das Nordfeld ausbeuten zu können.

Dass sich das Landschaftsbild ändert, dass das Wassereinzugsgebiet der Bäche Ratte, Leuba und Walditzer Bach "zumindest bis zum Zeitpunkt der abgeschlossenen Rekultivierung" beeinflusst werden, steht außer Frage. Von "visuellen Beeinträchtigungen durch Oberflächenverfremdung" spricht der Rahmenbetriebsplan. Das Gelände werde "um drei bis zehn Meter vertieft", Kuppen würden abgetragen, bei Feldgehölzen und Baumgruppen gebe es "kleinflächige Verluste". Unbestritten groß sei dagegen der Eingriff in landwirtschaftliche Nutzflächen. Allerdings würden nach dem Ende des Tonabbaus 90 Prozent der Flächen der Landwirtschaft wieder zur Verfügung gestellt.

Für die Verzögerung des Verfahrens nennt Bernhard Cramer mehrere Gründen. Zum einen sei der Tagebau Narsdorf erst in Kürze vollständig abgebaut. Zum zweiten seien Abstimmungen mit dem Autobahn-72-Planfeststellungsverfahren notwendig gewesen. Das habe zu einer "Überarbeitung/Aktualisierung des Antrages insbesondere hinsichtlich naturschutzfachlicher und wasserrechtlicher Belange" geführt. "Die Behörden, deren Aufgabenbereiche betroffen sind, wurden im April 2014 erneut beteiligt", so der Oberberghauptmann.

Der Erörterungstermin am 28. Oktober diene der Sammlung "aller entscheidungserheblichen Informationen. Auf Grundlage des Rahmenbetriebsplanes, der Stellungnahmen, der rechtzeitig erhobenen Einwendungen, der Gutachten und unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Erörterungstermins" treffe das Oberbergamt dann seine Entscheidung.

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