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Geithain Abgeblitzt: Frohburger Stadtrat beschließt Auflösung der Feuerwehr Hopfgarten
Region Geithain Abgeblitzt: Frohburger Stadtrat beschließt Auflösung der Feuerwehr Hopfgarten
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12:09 10.06.2016
Das Haus ist zu klein: Das Hopfgartener Löschfahrzeug hat seit Jahren kein Dach über sich. Quelle: LVZ-Archiv
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Frohburg/Hopfgarten

Mit ihrem demonstrativen dreifachen Ruf „Gut Wehr!“ riskierten die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Hopfgarten/Elbisbach am Donnerstagabend ihren Rausschmiss aus der Frohburger Stadtratssitzung. Zu verlieren hatten sie ohnehin nichts mehr: 95 Jahre nach Gründung der Wehr beschloss das Parlament deren Auflösung. Der neue Brandschutz-Bedarfsplan für Frohburg inklusive der zur Eingemeindung stehenden Stadt Kohren-Sahlis sieht eine Wehr in Hopfgarten bereits nicht mehr vor – statt dessen eine Eingliederung in die Frankenhainer Wehr, die eine Aufwertung erfahren soll. Dass die Ehrenamtlichen aus Hopfgarten und Elbisbach diesen Weg zu gehen willens sind, war am Donnerstag jedenfalls äußerst zweifelhaft.

Geschlossen waren sie angetreten in ihren blauen Uniformen, die Kameraden um Wehrleiter Carsten Fischer. Dass sie die Frohburger Stadträte für ein Fortbestehen ihrer Wehr erwärmen könnten, glaubten sie nach der Diskussion der vergangenen Monate und Jahre kaum noch. „Wir hofften sehr, das 100-jährige Bestehen noch feiern zu können“, sagte Fischer. Er wollte nicht verstehen, dass die Stadt 18 aktiven und motivierten Ehrenamtlichen den Laufpass gibt. „Wir sind einsatzbereit, wir wollen weitermachen“, bestätigte Gerd Kräcker. Der Freistaat Sachsen gebe große Summen für Kampagnen aus, um neue Feuerwehrleute zu gewinnen, Frohburg aber schicke eine ganze Truppe in die Wüste, kritisierte Christian Fischer: „Wenn in Hopfgarten oder Elbisbach künftig ein Einsatzfall ist, dann hilft es nicht, würden wir erst nach Frankenhain zum Gerätehaus fahren.“

Apropos Gerätehaus: Dass die Hopfgartener keines haben, das diesen Namen verdient, obwohl der Bedarf seit einem Vierteljahrhundert – also längst schon zu Eulatals Zeiten – offenkundig ist, bricht ihnen jetzt das Genick: Eine reichliche halbe Million Euro Eigenanteil für einen auf 800 000 Euro geschätzten Neubau habe die Stadt schlichtweg nicht, so das Hauptargument von Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW), der Stadtwehrleitung, des Parlamentes und der Verwaltung.

Seit 2014 hat das Hopfgartener Löschfahrzeug keine Unterstellmöglichkeit mehr. Für das Mini-Depot ist es zu groß. Seither habe man der Wehr mehrfach vorgeschlagen, sich den Frankenhainern anzuschließen. Die nämlich seien Stützpunktwehr für diesen Bereich des Stadtgebietes, so Hiensch in seiner ausführlichen schriftlichen Begründung des Beschlusses. Einen solchen Schritt habe Hopfgarten mehrfach abgelehnt. Mit Blick auf den Haushalt 2017/18 und den Brandschutz-Bedarfsplan „muss ich darauf drängen, dass der Stadtrat jetzt eine Entscheidung trifft“, sagte er. Nicht außer Acht lassen dürfe man dabei, dass von den zwölf Wehren der Kommune lediglich die Frohburger rund um die Uhr tatsächlich einsatzbereit sei.

„Der weitere Erhalt ist wohl nicht vertretbar“, formulierte Wolfram Gabler (CDU). In Frauendorf, wo sich nach dem Bau eines neuen Depots die Wehr aufgelöst habe, habe die Kommune Lehrgeld gezahlt. Um in Hopfgarten in Größenordnungen zu investieren, fehle das Geld. Er hoffe, dass viele Kameraden künftig in Frankenhain Dienst täten. „Die Vorlage ist mit viel Fachkompetenz erarbeitet worden“, urteilte Erika Lory (BuW). Man werde in Zukunft „noch mehr unschöne Entscheidungen treffen müssen“. Eine halbe Million Euro für ein neues Depot habe man nicht, sagte Siegfried Runkwitz (Linke) und verwies auf Ausgaben, die im Zuge der Eingemeindung von Kohren-Sahlis nötig würden. Egbert Korndörfer (FWV) sagte, ursprünglich sei man davon ausgegangen, mit geringen Mitteln das Hopfgartener Depot-Problem lösen zu können, doch stünden dem Anforderungen des Gesetzgebers entgegen.

Die Abstimmung brachte eine klare Entscheidung: Mit zwei Gegenstimmen wurde die Auflösung der Ortsfeuerwehr Hopfgarten/Elbisbach zum Jahresende beschlossen. Die zur Sitzung komplett erschienene Truppe verließ frustriert den Saal. Ein Wort der Anerkennung für ihre jahrelange ehrenamtliche Arbeit nahm sie nicht mit.

Von Ekkehard Schulreich

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