Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Ackerland ist knapp
Region Geithain Ackerland ist knapp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:45 19.05.2015
Die Landwirte Thomas (li.) und Andreas Dennhardt aus Tautenhain hoffen auf gutes trockenes Erntewetter im Juli und August. Quelle: Jens Paul Taubert

Sein Vater Andreas hilft überall mit, wo es geht. "150 bis 200 Hektar braucht man eigentlich, um die Maschinen auszulasten und eine Familie ernähren zu können", sagt Andreas Dennhardt. Ohne die teuren Maschinen gehe heute gar nichts mehr auf dem Feld. Doch Ackerland ist knapp.

Gern würde Thomas Dennhardt noch Land dazu pachten, doch der Markt für Pachtland ist ausgeschöpft, die Flächen sind zum Großteil alle unter den hiesigen Landwirtschaftsbetrieben aufgeteilt. Mehrfach hat er sich auch schon auf Ausschreibungen von Treuhandflächen beworben, ist aber nie zum Zug gekommen, weil sehr hohe Pacht- und Kaufpreise geboten wurden.

Weizen, Gerste, Roggen, Raps, Zuckerrüben, Silomais und Triticale als Futter bauen Dennhardts an. Rund 35 Bullen stehen zur Mast im Stall. Oftmals hat Thomas Dennhardt einen Zwölf-Stunden-Tag, erledigt mittags und abends noch Büroarbeiten. Die Bürokratie nehme stetig zu, sagt er. Als Empfänger von Direktzahlungen der EU müsse er genau die selben Auflagen, wie große Unternehmen erfüllen. Auch am Wochenende wollen die Tiere versorgt werden und mal wegzufahren, ist äußerst schwierig.

Andreas Dennhardts Eltern traten Ende der 50er Jahre in die LPG Typ III ein. Viele Leute seien damals in die Industrie gegangen, der Vater habe keine Arbeitskräfte mehr gefunden, erzählt der Tautenhainer. "Meine Generation hat nicht Landwirt gelernt, weil das keine Perspektive war", erklärt er, dadurch sei eine Lücke entstanden. Auch er hat Kfz-Schlosser in Streitwald gelernt, bis 1989 dort gearbeitet, bevor er in die Ebersbacher Wekstatt des unterdessen entstandenen Kooperationsbetriebes Bad Lausick gewechselt ist. "Aber mein Herz hat immer für die Landwirtschaft geschlagen", sagt Andreas Dennhardt.

Deswegen begann er 1991 nach der Wende wieder mit der Landwirtschaft und gründete eine GbR mit Ackerbau und Milchproduktion. Der Stall aus DDR-Zeiten stand auf seinem Land, doch er habe ihn für teueres Geld aus der Konkursmasse herauskaufen müssen. Für jede alte Maschinen habe man noch zahlen müssen, ärgert sich der Tautenhainer noch heute. Milchquoten hatte die GbR von der LPG übernommen, der Stall wurde umgebaut. Ende der 90er Jahre wurde die GbR krankheitsbedingt aufgelöst.

Andreas Dennhardt hielt den Betrieb aufrecht, bis ihn sein Sohn Ende 2006 übernahm. Der hat in Kitzscher Landwirt gelernt, den erforderlichen Wirtschafter und dann seinen Meister gemacht. "Die Arbeit macht mir Spaß", sagt der 29-Jährige. Ernte und Verkaufspreise seien letztes Jahr gut gewesen, doch das hätten steigende Preise für Betriebsmittel zum Teil geschluckt.

Den langen Winter haben die Kulturen gut überstanden, sagen die Tautenhainer. Die Natur hole das wieder auf. Druck hat das späte Frühjahr den Bauern gebracht, denn sie konnten erst Anfang April, knapp vier Wochen später als sonst, mit der Frühjahrsbestellung beginnen. Da habe sich die Arbeit noch mehr zusammengeballt. "Das Frühjahr muss nass sein", ist Andreas Dennhardt nicht unzufrieden. Doch der heftige Regen der letzten Tage bringt Probleme. Die Wiesen und Weiden sind sehr durchnässt, können zum Teil erst einmal gar nicht oder nur eingeschränkt befahren werden, dadurch verschiebt sich die Gras- und Heuernte. Glaubt man dem Bauernkalender, so bleibt auch der Juni nass und durchwachsen. "Deshalb hoffen wir auf gutes trockenes Erntewetter im Juli und August", sagt Andreas Dennhardt. Weil es bisher noch nicht so warm gewesen ist, wären die Pflanzen nicht so geschossen, und die Bestände stehen sehr üppig im Feld, erklärt sein Sohn. Beide hoffen auf guten Ertrag dieses Jahr. Sonst sei es im Frühling oft trocken, zur Ernte nass gewesen - schlecht für die Bauern.

Andreas Dennhardt hatte gedacht, dass nach dem Ende der DDR Landwirtschaftsbetriebe mit bis zu 200 Hektar Fläche entstehen würden, Obergrenzen festgelegt würden. Doch heute seien die Betriebe noch größer als damals. "Das hat mit normaler Landwirtschaft nichts mehr zu tun, das ist Industrie", sagt er. Ein Kind vom Dorf müsse heute in den Zoo fahren, um mal eine Kuh zu sehen. Doch die Entwicklung sei heute kaum mehr zurückzudrehen. Die Jugend in der Landwirtschaft hätte man damals Anfang der 90er Jahre fördern müssen, bedauert der Landwirt, dann wären wohl auch mehr Betriebe entstanden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Engelhardt, Inge

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Familienfest "2. Tag der Vielfalt" in Geithain soll übermorgen trotz der Hochwasserereignisse in Geithain im Unteren Stadtpark steigen, wenn auch in etwas abgespeckter Form.

19.05.2015

Der zweite Tag des Aufräumens nach dem Hochwasser war gestern in und um Geithain angesagt. Müllberge vor manchen Häusern türmen sich. Per Gartenschläuche wurden Häuser vom Schlamm gereinigt.

19.05.2015

Es ist kein Gerücht: Der Bad Lausicker Lidl-Markt schließt. Das Unternehmen zieht sich aus der Kurstadt zurück. Das bestätigte der Konzern am Freitag. Am 29. Juni ist Schluss.

19.05.2015
Anzeige