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Adressenänderungen in Kohren-Sahlis kosten Firmen und Bürger Geld und Zeit

Eingliederung Adressenänderungen in Kohren-Sahlis kosten Firmen und Bürger Geld und Zeit

Wenn aus Kohren-Sahlis Frohburg wird, wird aus der Postleizahl 04655 die 04654. Für manche ändern sich zudem Straßennamen. Die Fusion beider Städte beschert zahlreichen Bürgern bürokratischen Aufwand und einiges an Kosten. Für Unternehmen, die Fahrzeuge am Rollen haben, kann das sogar wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Blick auf den Markt in Kohren-Sahlis. Er soll künftig Kohrener Markt heißen. Insgesamt elf Straßen in der Stadt und den Ortsteilen werden mit der Eingemeindung nach Frohburg umbenannt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis. Dass er künftig nicht mehr in der Altenburger Straße wohnt, sondern in der Dolsenhainer Straße, das ist für den Dolsenhainer Gunter Werner des Kummers Kleinster. Die Neubenennung von Straßen im Zuge der Eingliederung von Kohren-Sahlis in die Stadt Frohburg trifft viele Bürger wie ihn. Schmerzhaft aber werden die mit der Adressänderung verbundenen Konsequenzen für Unternehmer wie ihn, der eine Spedition mit 60 LKWs und Anhängern betreibt.

Dabei geht es für ihn nicht nur um eine Menge Geld, sondern auch um erheblichen zeitlichen und bürokratischen Aufwand. Dass darüber im Vorfeld der Umbenennung und im Zuge der Eingemeindungsdebatte nicht gesprochen wurde, missfällt ihm. In der Kohrener Stadtratssitzung Ende März brachte er das Thema zur Sprache, hinterfragte die Unabwendbarkeit neuer Straßenbezeichnung samt einheitlicher Postleitzahl für Groß-Frohburg – und vermisste praktikable Antworten.

Änderungen bei Briefköpfen und Versicherungsunterlagen nötig

„Wir haben das Ganze schon einmal durch, damals, als Dolsenhain zu Kohren-Sahlis kam“, blickt Gunter Werner mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Für das 1990 gegründete Fuhrgeschäft Geuthel & Werner habe es gehießen, Fahrzeugpapiere und Führerschein, Konzessionen und Kopfbögen, Frachtbriefe und Versicherungsunterlagen von einem Tag auf den anderen auf den aktuellen Stand zu bringen. Was schon für Private ein Kraftakt sei, sei für Unternehmer eine ungleich größere Belastung, sagt er: „Das sind Sachen, die bedenkt keiner. Das war damals so, und das ist heute nicht anders.“

60 Lastwagen und Anhänger hat der Betrieb in zwei Schichten am Rollen. Er transportiert Lebensmittel für mehrere Ketten in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Fährt für Molkereien und Schlachthöfe bundesweit. Ist im nationalen und internationalen Fernverkehr im Einsatz. „Wenn ich die Firmenadresse im Fahrzeugbrief ändern lassen will, muss ich ihn im Landratsamt vorlegen. In dieser Zeit muss ich das Fahrzeug auf dem Hof lassen, kann Aufträge nicht ausführen, verdiene nichts“, sagt er. Für finanzierte Fahrzeuge lägen die Papiere bei den Banken, müssten erst angefordert werden.

Der Aufwand werde noch größer, wenn er die Umschreibungen beim Landratsamt nur unter der Woche vornehmen könne. Auf dem neuesten Adressen-Stand sein müssten auch Dokumente wie Versicherungsbestätigungen für Fahrzeuge und Frachten: „Sonst gibt es Riesenprobleme.“ Zu Aufwand und Einschränkungen kommen die behördlichen Kosten, die Werner noch gar nicht beziffern kann. Und wovon noch gar keiner gesprochen habe, seien die Konsequenzen für private Autobesitzer, sagt er: „Ändert sich die Adresse, ist man plötzlich Zweitbesitzer. Damit sinkt automatisch der Wert des Fahrzeugs.“

Nicht in derselben Größenordnung betroffen ist der Gnandsteiner Fred Heinker mit seiner Zimmerei. Der Meisterbetrieb unterhält lediglich zwei Firmenfahrzeuge. „Aber ummelden müssen wir die auch. Und die Werbung auf den Fahrzeugen ändern, die Visitenkarten und vieles andere“, sagt er. Schön sei das nicht, aber wenn die Fusion mit Frohburg vollzogen werde, ändere sich zwangsläufig der Ortsname. Die Postleitzahl im selben Zuge anzugleichen, falle da gar nicht mehr ins Gewicht.

„Ich habe mich noch gar nicht damit befasst, was ich alles in die Wege leiten muss“, sagt Lutz Heinke, Geschäftsführer der Kohrener Dachdecker GmbH. Eine Adressänderung bedeute für jedes Unternehmen einen erheblichen Aufwand, doch es helfe nicht zu klagen. „Mir wäre es ohnehin lieber, es würde bei Kohren-Sahlis bleiben“, sagt er. Doch dass kleinen Kommunen finanziell keine Überlebenschance bliebe, sei politisches Kalkül und von oben gewollt.

Die gute Nachricht immerhin für viele private Haushalte: „Was an Änderungen über die Stadtverwaltung Frohburg selbst organisiert werden kann, das wird für die Bürger kostenlos gemacht“, sagt die Kohrener Rathaus-Mitarbeiterin Marion Schwurack. Das werde so auch in der Eingemeindungsvereinbarung, die zwischen beiden Städten geschlossen werde, so verankert. Es betrifft nicht nur Änderungen, die das Einwohnermeldeamt vornimmt, sondern auch solche aus dem Verantwortungsbereich des Gewerbeamtes.

Gebühr bei Änderung von Führerschein und Fahrzeugpapieren

Anders sieht es etwa bei der Aktualisierung von Führerschein und Fahrzeugpapieren aus. „Der Landkreis hat keine Möglichkeit den Bürgern finanziell entgegen zu kommen“, sagt Behördensprecherin Brigitte Laux. Eingemeindungen gebe es gar nicht allzu selten, so dass alle gleich behandelt werden müssen. Zum anderen dürfe der Landkreis auf Gebühren nicht ohne weiteres verzichten. Die Gebühr für eine Adressänderung der Halterpapiere betrage elf Euro.

„Dadurch, dass die Bearbeiter auf bestimmte Datenbanken zugreifen müssen, wäre zum Beispiel ein Service vor Ort nicht möglich“, so Laux. Es wäre zudem schwierig, bestimmte Öffnungszeiten nur für die Kohrener frei zu halten, da es unwahrscheinlich sei, dass die genau dann Zeit hätten.

„Ausbaden müssen es die Bürger. Und die Prügel stecken wir als Verwaltung ein“, bringt der Kohren-Sahliser Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) die Sache auf den Punkt. Schließlich sorgten doch die landespolitischen Realitäten dafür, dass kleine Kommunen wie Kohren-Sahlis nicht selbstständig bleiben könnten. Deshalb wäre es durchaus recht und billig, kämen die übergeordneten Behörden den Bürgern auch ein Stück weit entgegen. Das, was Frohburg und Kohren in dieser Hinsicht tun könnten, praktiziere man. Darüber hinaus seien aber die Hände gebunden.

Von Ekkehard Schulreich

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