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Geithain Agrargenossenschaft Kohrener Land: Milch ist derzeit Zuschussgeschäft
Region Geithain Agrargenossenschaft Kohrener Land: Milch ist derzeit Zuschussgeschäft
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09:00 01.04.2016
Roy Henzschel streut im Stall der Agrargenossenschaft Kohrener Land in Rüdigsdorf nach dem Misten bei den Jungrindern neues Stroh ein. Quelle: Jens Paul Taubert
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Kohren-Sahlis

Die 500 Kühe im Rüdigsdorfer Stall der Agrargenossenschaft Kohrener Land produzieren Milch, vor allem aber – ein Minus, Tag für Tag. Der Milchpreis, seit mehr als einem Jahr in einem nie dagewesenen Tiefflug, liegt für das Unternehmen inzwischen bei unter 25 Cent pro Liter. Mindestens 32, 33 Cent brauchte es für Auskömmlichkeit, von Gewinn gar nicht zu reden. „Wir versuchen den Verlust bei der Milch durch besonders gute Getreideerträge auszugleichen“, sagt Vorstandsvorsitzende Barbara Färber.

Doch auch hier ist trotz guter Ernten 2014 und 2015 weniger zu holen, denn die Aufkaufpreise etwa für den Weizen waren alles andere als üppig. Das Jubiläumsjahr für die 1991 gebildete Genossenschaft zählt sie zu den schwierigsten bisher. „Feiern wollen wir trotzdem, denn wir sind stolz, was wir in diesem Vierteljahrhundert gemeinsam erreicht haben“, sagt sie, Milchpreis-Verfall, Russland-Embargo und Dumping-Preisen für Lebensmittel zum Trotz.

„Die Globalisierung ist bei uns voll angekommen“, sagt Vorstand Georg-Ludwig von Breitenbuch; eine Entwicklung, die vor einem Jahrzehnt so nicht vorstellbar gewesen sei. Dass Landwirtschaftsprodukte zurzeit nicht nach Russland verkauft werden dürften, treffe Milcherzeuger in besonderer Weise. Die Getreidepreise würden längst nicht mehr in der Region oder in Deutschland gemacht, sondern auf dem Weltmarkt. Hier Einfluss zu nehmen, sei für ein Unternehmen wie die Agrargenossenschaft mit ihren 30 Mitarbeitern nicht möglich.

Anders sei es bei Preisdruck des Einzelhandels, der Lebensmittel zu Ramsch-Produkten deklassiere. „Dieses Dumping bringt die gesamte Landwirtschaft in große Schwierigkeiten. Dabei haben doch die Verbraucher mit ihrem Kaufverhalten einen wichtigen Hebel in der Hand“, sagt er. Eher als einen Weckruf, weniger als Protest will von Breitenbuch die bundesweiten Aktionen der Landwirte in der Osterwoche verstehen. Traktoren der Genossenschaft und ihres Verbundes hätten sich beim bundesweiten Aktionstag des Deutschen Bauernverbandes den Korsos in Leipzig und Chemnitz angeschlossen. Aus trifftigem Grund, sagt Barbara Färber: „Wir Landwirte leisten Tag für Tag eine verantwortungsvolle Arbeit. Was wir produzieren, ist von hoher Qualität. Die hat einfach ihren Preis. Das kann doch keiner einfach vom Tisch wischen.“

500 Milchkühe hält die Genossenschaft in ihrem Stall in Rüdigsdorf. Geld verdient sie seit Monaten damit keines; im Grunde vernichtet sie welches. Weitere 200 Kühe hat die Agrargenossenschaft Langenleuba-Oberhain unter demselben Dach eingestallt. Beide Genossenschaften kooperieren seit vielen Jahren miteinander. In diesen Verbund eingeschlossen ist auch der private Landwirtschaftsbetrieb von Breitenbuchs; zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit der Agrargenossenschaft Rathendorf. „Wir arbeiten gern mit anderen zusammen. Das hilft, Kräfte zu bündeln, Kosten zu reduzieren. Das hat sich bewährt“, sagt von Breitenbuch. Gerade in der angespannten Situation, die alle mehr oder weniger stark treffe, sei diese Kooperation unverzichtbar.

Neben der Milchproduktion setzen die Kohrener auf den Ackerbau, auf Weizen, Gerste, Raps, Rüben, Mais. „Wir achten auf die Fruchtfolge, setzen unseren eigenen organischen Dünger ein, bauen das Futter selbst an“, erklärt Barbara Färber. Lediglich bei der Rodung der Rüben und der Ausbringung der Gülle nutze man Hilfe, und man gewähre sie andererseits als Dienstleister für die Rinderaufzucht Meusdorf GmbH.

Dass der Erfolg der Landwirtschaft vielen Faktoren unterliege, auf die die Betriebe nur zum Teil Einfluss hätten, das sei das der Branche seit jeher innewohnende Risiko, sagt die Vorstandsvorsitzende. Allerdings werde das Arbeiten in einer globalisierten Welt immer weniger berechenbar. Ungeachtet dessen sei die Neuformierung der Agrargenossenschaft Kohrener Land nach 1990 eine Erfolgsgeschichte. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen werde man es sich nicht nehmen lassen, die Jubiläum im Herbst gemeinsam mit Partnern zu feiern.

Von Ekkehard Schulreich

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