Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain "Altenpfleger brauchen eine Lobby"
Region Geithain "Altenpfleger brauchen eine Lobby"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:30 19.05.2015
Den Praxistag im Geithainer Seniorenheim Am Stadtpark haben die Auszubildenden des Hauses im zweiten Lehrjahr (v. l.) Julia Liebers, Carolin Schulz und Susan Kain mitgestaltet. Quelle: Jens Paul Taubert

Acht Lehrlinge sind es derzeit in beiden Einrichtungen insgesamt. Ihre Ausbildung bezahlen die Bewohner über eine Umlage mit.

Carolin Schulz hat noch keinen Tag bereut, sich für eine Ausbildung in der Pflege entschieden zu haben. Die 27-jährige Geithainerin war Friseurin und musste aus gesundheitlichen Gründen den Beruf wechseln, ihre Mutter ist in der Pflege tätig. "Schön ist der Umgang mit den Menschen, sie sind auch für Kleinigkeiten dankbar", sagte Carolin Schulz, die im Geithainer Seniorenheim am Stadtpark (SAS) lernt. Ähnlich sieht das Julia Liebers, die für die Ausbildung im SAS extra aus dem Muldental nach Geithain gezogen ist. Schön sei die Herzlichkeit und die Dankbarkeit der Menschen, die sich über einen Händedruck freuen oder mal über eine Umarmung, erklärte sie. "Ich gehe gern auf Arbeit", ihr Beruf sei im Freundeskreis anerkannt, sagte die 21-Jährige. Sie hat selbst schon Angehörige gepflegt, Verwandte seien auch im Pflegebereich tätig. Schwer findet Julia - genau wie Carolin - den Umgang mit Sterben und Tod, mit Abschied nehmen und Loslassen.

Ihre theoretische Ausbildung absolvieren die beiden jungen Frauen in Rochlitz an der Berufsfachschule für Altenpflege der GAW - Institut für berufliche Bildung gemeinnützige GmbH. Alle Lehrlinge des dortigen zweiten Ausbildungsjahres gestalteten gestern im Geithainer Seniorenheim einen Praxistag im Lernfeld "Lebensräume und Lebenszeit gestalten". Carolin Schulz und zwei weitere Lehrlinge waren im Wohnbereich I, boten unter anderem Bewegungsspiele mit Kegeln an und hatten eine Kiste mit Redewendungen und Wortpaaren dabei. "Das war sehr schön", berichtete die Geithainerin in der Auswertungsrunde, sogar eine 102-Jährige habe Spaß am Kegelspiel gehabt. Im Wohnbereich II war Julia Liebers mit ihren Mitstreitern, auch sie war zufrieden. "Wir haben sehr viel gescherzt, gemeinsam Gymnastik gemacht. Die Bewohner hatten auch miteinander Spaß", erzählte die Auszubildende. Weil mit Lehrling Danny Kirste ein Mann in der Gruppe war, hätten die Damen besondere Begeisterung gezeigt. Im Wohnbereich IV hatte Susann Kain, ebenfalls Auszubildende im Haus, mit zwei anderen Lehrlingen für die demenziell Erkrankten eine "Schatzkiste" mitgebracht, die viele zum Erzählen angeregt hat.

Lob gab es am Ende für alle drei Gruppen von Klassenleiterin Stefanie Triemer, die seit 40 Jahren in der Ausbildung von Pflegekräften tätig ist. Der Praxistag findet jährlich statt - gestern erstmals in Geithain. "Pflege muss von der Gesellschaft anders anerkannt werden", fordert die Pädagogin. Altenpfleger brauchten neben stärkerer Anerkennung auch eine Lobby.

Pflegeberufe gelten nicht als attraktiv. Doch auch die Bevölkerungsentwicklung sorgt dafür, dass in der Klasse des zweiten Ausbildungsjahres derzeit nur neun junge Leute lernen, früher seien es bis 30 gewesen. "Die Schüler sind umworben", bestätigte Stefanie Triemer. Die Schule erhalte viele Nachfragen zu Fachkräften, ganz besonders seit zwei, drei Jahren. Die meisten jungen Leute würden ihrem Ausbildungsbetrieb aber treu bleiben.

Drei Lehrlinge hat derzeit das Wohn- und Seniorenzentrum Frohburg, wo rund 130 Mitarbeiter tätig sind. Fünf Auszubildende gibt es im Geithainer Seniorenheim mit etwa 140 Beschäftigten. "Wir haben keinen Mangel an Pflegefachkräften", sagte gestern Gabriele Filipowitsch, die Leiterin des Heimes in Geithain. Seit vier Jahre bilde das Haus wieder selber aus - nach einer Pause, in der die Finanzierung nicht geklärt gewesen sei. Nun werde die Ausbildung mit auf die Heimkosten umgelegt, erklärte Geschäftsführer Freiberg, das sei in anderen Berufen nicht so. 56 Cent zahle jeder Heimbewohner in Geithain pro Tag, damit die Ausbildung finanziert werden kann. Eine bessere "Probezeit" als die dreijährige Ausbildung gäbe es nicht, erklärte Freiberg. "Das ist ein hochqualifizierter Beruf, die Anforderungen reichen von der medizinischen Qualifikation bis zu sozialer Kompetenz." Wichtig sei auch, junge Leute rechtzeitig für Führungspositionen heranzuziehen.

Nach wie vor bekomme sie auch Bewerbungen von Fachkräften auf den Tisch, wenn auch weniger als früher, erklärte die Heimleiterin. Das Klima müsse stimmen, sagte Freiberg. Die Mitarbeiter müssten ihre Auffassung von Pflege umsetzen können und auch in der Lage sein zu leisten, was von ihnen verlangt wird.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2014
Inge Engelhardt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Geithainer Stadtrat Ludbert Schmuck habe sich an verschiedene Kleingartenvereine gewandt, um diese "unter Vortäuschung falscher Tatsachen" dazu zu bewegen, aus dem Regionalverband auszutreten und einen eigenen Verband zu gründen.

19.05.2015

2013 war ein überaus anstrengendes und aufregendes Jahr für die insgesamt 99 Kameradinnen und Kameraden der Frohburger Ortsfeuerwehr und die anderen elf Wehren in Frohburger Ortsteilen.

19.05.2015

In den Faschings- und Karnevalshochburgen im Leipziger Südraum und Nordsachsen sind am Wochenende viele tausend Besucher auf die Straßen und in die Festsäle geströmt.

02.03.2014
Anzeige